ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 12:55 Uhr

Freie Schule Rietschen sieht sich benachteiligt
Rietschen erwägt Klage gegen Schulamt

 Die Freie Schule in Rietschen will den Schritt zum beruflichen Gymnasium weiter fokussieren.
Die Freie Schule in Rietschen will den Schritt zum beruflichen Gymnasium weiter fokussieren. FOTO: Christian K“hler
Rietschen. Drei Mal ist der Antrag der Freien Schule für ein berufliches Gymnasium in Rietschen abgelehnt worden. Auf Nachfrage gibt sich die Behörde wortkarg. Scheitert es letztenendes an der Qualifikation der Lehrer? Von Christian Köhler

Es ist und bleibt der Wunsch des Träger- und Fördervereins der Freien Schule, ein berufliches Gymnasium im Ort zu schaffen. Allerdings ist nunmehr auch der dritte Versuch, ein solches bis zur Genehmigung zu bringen, gescheitert. Das Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) in Sachsen hat Mitte des Jahres dem Unterfangen ein jähes Ende gesetzt.

Trägerverein erhebt Einspruch

„Nach dem erneuten Ablehnungsbescheid haben wir Einspruch eingelegt“, erklärt Wolfgang Schmidt, Vorsitzender des Trägervereins der Freien Schule. Dass sich die Gemeinde samt Verein an Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) gewandt hat, hat bislang nichts genützt. Die Rietschener ärgert es umso mehr, dass andere – etwa die Freie Alternative Schule in Weißwasser – die Genehmigung für den Schulbetrieb erhalten haben. „Wir werden jetzt den juristischen Weg einschlagen und stellen den vierten Antrag“, legt sich Wolfgang Schmidt fest. Auch Bürgermeister Ralf Brehmer (parteilos) sagt, „dass eine Klage sehr wahrscheinlich ist“.

Behörde verweist auf Datenschutzrichtlinie

Die Behörde gibt sich gegenüber der RUNDSCHAU verschlossen, verweist auf den Datenschutz: „Während des laufenden Verwaltungsverfahren sind wir gegenüber dem Antragsteller zur Geheimhaltung und Verschwiegenheit verpflichtet“, erklärt Petra Nikolov. Allgemein teilt man schriftlich mit: „Jedes pädagogische Konzept wird an seiner erfolgreichen Umsetzung gemessen. Es muss erkennbar sein, dass mit der Anwendung eines bestimmten pädagogischen Konzeptes der Bildungserfolg der Schüler gewährleistet werden kann.“ Auf Nachfrage, ob dies bedeutet, dass mit dem eingereichten Konzept aus Rietschen ein solcher Erfolg nicht gewährleistet sei, teilt die Lasub-Referentin mit: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine weiteren Auskünfte geben können.“

Pädagogen haben nicht die Voraussetzungen

Wolfgang Schmidt wird da schon konkreter: „Man hat uns die Genehmigung nicht erteilt, weil einige unserer Lehrer das zweite Staatsexamen nicht vorweisen können.“ Das allerdings sei eine Grundvoraussetzung. Der Verein aber kann das nicht akzeptieren: „Zum einen setzen wir niemanden ein, der keine Qualifikation besitzt“, rechtfertigt der Vorsitzende, „und zum anderen fragen wir, ob hier nicht verschiedene Maßstäbe zwischen freien und staatlichen Schulen angesetzt werden.“ Immerhin mangele es im gesamten Freistaat an Lehrern. Längst werden auch an staatlichen Schulen und Gymnasien Lehrer eingesetzt, die besagte Voraussetzung nicht haben.

Die Lasub-Referentin sieht diese, angesprochene Ungleichbehandlung nicht und antwortet auf Nachfrage lediglich: „Es besteht das Gleichbehandlungsgesetz, somit werden Schulen in freier Trägerschaft nicht anders als staatliche Schulen behandelt.“ Ob das in Rietschen angewandt wurde, wird wohl nun vor dem Verwaltungsgericht geklärt werden.

Die Forderung nach dem Gymnasium bleibt

In Rietschen will man daran festhalten, ein berufliches Gymnasium zu schaffen. Das, so sind sich die Verantwortlichen sicher, könne ein Modell für den ländlichen Raum sein. Immerhin leben in Riet­schen gerade einmal 2500 Menschen – und die nächsten Gymnasien sind weit weg. Die Attraktivität des Ortes könne so gesteigert und Jugend aus dem Umland nach Rietschen geholt werden. Darüber hinaus werde im Zusammenhang mit dem Kohleausstieg seit Jahren über die Entwicklung des ländlichen Raumes gesprochen, aber konkrete Vorhaben würden blockiert, ist sich der Verein sicher. „Wer den ländlichen Raum attraktiv halten will, muss auch Bildungsangebote unterbreiten, damit die Jugend nicht abwandert“, ist Wolfgang Schmidt überzeugt.

Unterdessen ist ein Platz an der Freie Oberschule immer begehrter. Schon jetzt lernen hier mehr als 100 Schüler. Für 2019 liegen bereits Anfragen vor. „Das gibt uns Recht und wir als Schule sind ein Standortfaktor für die Gemeinde“, sagt Schmidt. Davon ist auch der Gemeinderat überzeugt, dem Schmidt ebenfalls angehört. In den vergangenen Jahren hatte der Rat immer wieder versucht, der Schule zu helfen. Wegen eines gewährten Darlehens befindet sich die Gemeinde ebenfalls noch im Rechtsstreit mit der Behörde. Auch hier sei das letzte Wort noch nicht gesprochen. „Wir werden alles daran setzen, die Schule weiterzuentwickeln“, verspricht Wolfgang Schmidt.