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| 12:37 Uhr

Verlorenes Dorf
Die Tränker bitten zum Unterricht

 Historischer Blick auf die Dorfstraße von Tränke.
Historischer Blick auf die Dorfstraße von Tränke. FOTO: Truppen¸bungsplatz
Tränke. Die Bundeswehr kümmert sich seit Jahren um den ehemaligen Ort in der Muskauer Heide. Von Torsten Richter-Zippack

Ein Lehrer in Tränke muss es einst nicht leicht gehabt haben. Besonders, wenn er nicht in dem kleinen Heidedorf wohnte. Neben dem geringen Gehalt musste er täglich mehrere Kilometer Fußmarsch durch die eintönige Muskauer Heide bis in die Nachbarorte in Kauf nehmen. Kein Wunder also, dass laut der Chronik zwischen den Jahren 1866 bis 1938 die Lehrer 23 Mal wechselten. Anno 1866 war in einem Bauerngehöft ein Schulzimmer untergebracht. 1882 wurde dann ein eigenes Schulhaus als Nebenschule des benachbarten Daubitz eingeweiht.

Rund 80 Jahre später waren dann Tränke und sein Schulhaus Geschichte. Denn der Ort musste dem Truppenübungsplatz Nochten weichen. Die damals noch junge Na­tionale Volksarmee der DDR brauchte mehr Platz zum Üben. So wurden die 110 Bewohner ausgesiedelt. Sie zogen vor allem nach Rietschen, Daubitz und Niesky. Heute befindet sich die Wüstung innerhalb des Truppenübungsplatzes Oberlausitz der Bundeswehr.

Jetzt wollen die ehemaligen Tränkschen ihre Schulzeit wieder aufleben lassen. „Sie möchten Geschichten aus ihrer Schulzeit und sicher auch die eine oder andere Anek­dote zum Besten geben“, kündigt Bundeswehr-Hauptmann und Mitorganisator Gunder Kubissa an.

Möglich wird diese Schulstunde im Rahmen des zweiten Tränke-Festes am 10. August, zu dem Bundeswehr und Heimatverein Daubitz einladen. Darüber hinaus gibt es Vorträge über die Pflanzen- und Tierwelt rund um Tränke, ebenso zur Historie des Ortes. Außerdem ist die Besichtigung der geheimnisumwitterten Scheech-Brücke am Auslauf des Bärteiches möglich. Dort soll, so heißt es in der Sage, ein Schäfer ermordet worden sein. Als Mörder ist vom Nachtjäger die Rede.

Vielleicht bleibt auch noch Zeit, einen Blick auf die nur einen Steinwurf entfernte historische Autobahn-Baustelle zu werfen. Ein über 80 Jahre alter Erdwall erinnert an die Trasse, die einst von Stettin nach Prag führen sollte. Deren Bau machte jedoch der Zweite Weltkrieg einen Strich durch die Rechnung.

Die Bundeswehr-Soldaten kümmern sich bereits seit Jahren um die Dorfstelle Tränke. Nachdem die Überreste der einstigen Gehöfte von der Vegetation freigelegt wurden, erfolgte die Aufstellung von Schildern mit den Namen der früheren Besitzer. Zwei besonders gut erhaltene Grundmauern wurden überdacht, um diese vor weiteren Witterungseinflüssen zu schützen, erklärt Platzkommandant René Pierschel. Zudem zieren die historischen Straßenschilder wieder die Wüstung. Nicht zuletzt hat die Bundeswehr den Soldatenfriedhof wieder hergerichtet. Dort findet zum zweiten Tränke-Fest eine kirchliche Andacht statt.

Während der Festpremiere im Sommer 2016 hatten sich rund 500 Menschen die Dorfstelle an der alten Rothenburger Straße im Südosten der Muskauer Heide angeschaut. René Pierschel rechnet diesmal mit mindestens genauso vielen Gästen. „Wir sprechen vor allem die ehemaligen Einwohner und ihre Nachfahren an“, sagt Pierschel. Militärtechnik und Rundfahrten gebe es in diesem Rahmen nicht.

Tränke geht auf ein im Jahr 1732 errichtetes Wirtshaus an der Straße Rothenburg - Muskau zurück. Später siedelten sich dort Vogtländer an, die in erster Linie Meilerei betrieben und Pech brannten. Eine gewisse Bekanntheit erlangte der Ort durch die Aktion „Tränke braucht Licht“ anno 1950 und den dort im Jahr 1964 gedrehten Defa-Film „Die Abenteuer des Werner Holt“. 1995 hatte der Daubitzer Heimatverein an der Wüstung eine Gedenktafel aufgestellt.

 Historischer Blick auf die Dorfstraße von Tränke.
Historischer Blick auf die Dorfstraße von Tränke. FOTO: Truppen¸bungsplatz