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| 11:56 Uhr

Heimatkunde
Taschentuch war in Tränke Pflicht

 Winfriede Garbe (l.) mit Schwester Siegrid Walther präsentiert hier vor der ehemaligen Schule eine Familienchronik, die ihr Vater, der Lehrer Kurt Tannhäuser, für jedes seiner drei Kinder erstellt hatte.
Winfriede Garbe (l.) mit Schwester Siegrid Walther präsentiert hier vor der ehemaligen Schule eine Familienchronik, die ihr Vater, der Lehrer Kurt Tannhäuser, für jedes seiner drei Kinder erstellt hatte. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Tränke. Ehemalige Einwohner des ausgesiedelten Dorfes erinnern sich an ihre Schulzeit. Manche Klassen bestanden aus lediglich drei Schülern. Von Torsten Richter-Zippack

Montagmorgen wurde es in der Tränker Schule immer spannend. Wer kein Taschentuch und keine sauberen Fingernägel vorweisen konnte, hatte schlechte Karten. Denn dann nahm Lehrer Kurt Tannhäuser (1893-1981) seine Rute und schlug dem Übeltäter auf die Finger. Das berichten zumindest die Schwestern Winfriede Garbe und Siegrid Walther. Die beiden müssen es wissen, schließlich war Kurt Tannhäuser ihr Vater.

„Wir lebten bis zum Jahr 1945 in Tränke, genauer gesagt, im dortigen Schulhaus“, erinnert sich Winfriede Garbe. Die heute 82-Jährige ist anlässlich des Tränke-Festes, organisiert von der Bundeswehr und dem Daubitzer Heimatverein, erstmals nach 74 Jahren wieder im Ort ihrer Geburt und Kindheit zugegen. „Als ich eingeschult wurde, gab nur einen Schulraum. Morgens waren die Älteren an der Reihe, dann die Kleinen“, erinnert sich Garbe, die heute in Bautzen lebt.

Ihr Vater habe stets großen Wert auf Unterricht in der Natur gelegt. Schließlich wussten dann alle Tränkschen Schüler, wie der jeweilige Baum heißt, welches Getreide um das Dorf angebaut wurde und was es mit dem Verlorenen Wasser auf sich hat, das einfach im Boden versickert und anderenorts wieder zum Vorschein kommt.

 Auch Christa Böhm war ab dem Jahr 1955 Schülerin in der Tränker Schule in der Dorfstraße 18.
Auch Christa Böhm war ab dem Jahr 1955 Schülerin in der Tränker Schule in der Dorfstraße 18. FOTO: Torsten Richter-Zippack
 Auch Christa Böhm war ab dem Jahr 1955 Schülerin in der Tränker Schule in der Dorfstraße 18.
Auch Christa Böhm war ab dem Jahr 1955 Schülerin in der Tränker Schule in der Dorfstraße 18. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Auch Christa Böhm ging einst als Schülerin in die Tränker Schule. Die geborene Tusche lebte auf dem Gehöft am südlichen Ortsausgang. „Im Jahr 1955 wurde ich eingeschult. Mit Jutta Scheibe und Rosemarie Kutter waren wir lediglich drei Erstklässler. Unser Lehrer war Max Kuschela“, erinnert sich die 70-Jährige. Sie denkt an den Schulgarten neben dem Schulhaus zurück und an den kleinen Sportplatz dahinter. „Da gab es nur eine Matte. Im Sommer wurde Völkerball gespielt, im Winter gingen wir Schlittenfahren“, sagt Christa Böhm. Ab der 6. Klasse lernte sie in der Krauschwitzer Schule. „Erst da kamen wir mit Sportgeräten wie Stufenbarren und Bockspringbock in Kontakt.“ Letztlich bestanden auch alle ehemaligen Tränke-Schüler die entsprechenden Prüfungen.

Aus Daubitz stammt der ehemalige Weißwasseraner Landrat Erich Schulze. Der 70-jährige Vorsitzende des Daubitzer Heimatvereins hat eine historische Zeitleiste über Tränke erstellt. Grundlage bildet eine handgeschriebene Chronik des Lehrers Kuschela, die vom Jahr 1900 bis 1939 reicht. „Jetzt bin ich auf der Suche nach den Tränker Lehrern in der Zeit von 1940 bis 1962“, sagt Schulze.

 Anlässlich des zweiten Tränke-Festes hatte der ehemalige Pfarrer Hans-Christian Doehring zu einer Andacht geladen.
Anlässlich des zweiten Tränke-Festes hatte der ehemalige Pfarrer Hans-Christian Doehring zu einer Andacht geladen. FOTO: Torsten Richter-Zippack
 Anlässlich des zweiten Tränke-Festes hatte der ehemalige Pfarrer Hans-Christian Doehring zu einer Andacht geladen.
Anlässlich des zweiten Tränke-Festes hatte der ehemalige Pfarrer Hans-Christian Doehring zu einer Andacht geladen. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Seit Anfang der 1960er-Jahre verfügt die Armee über die ehemalige Ortslage Tränke. Aus diesem Grund mussten die Einwohner damals den Ort für immer verlassen. Heute ist die Bundeswehr die Eigentümerin der Flächen. Nach Angaben von Platzkommandant René Pierschel kamen rund 500 Besucher zum mittlerweile zweiten Tränke-Fest. Im 2020 steht der Tag der offenen Tür auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz auf dem Programm.

 Winfriede Garbe (l.) mit Schwester Siegrid Walther präsentiert hier vor der ehemaligen Schule eine Familienchronik, die ihr Vater, der Lehrer Kurt Tannhäuser, für jedes seiner drei Kinder erstellt hatte.
Winfriede Garbe (l.) mit Schwester Siegrid Walther präsentiert hier vor der ehemaligen Schule eine Familienchronik, die ihr Vater, der Lehrer Kurt Tannhäuser, für jedes seiner drei Kinder erstellt hatte. FOTO: Torsten Richter-Zippack