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Rietschen baut auf anstatt weiter abzureißen

Der Entwurf zeigt das Kino in Rietschen und im Hintergrund ist ein Modell des Neubaus zu sehen.
Der Entwurf zeigt das Kino in Rietschen und im Hintergrund ist ein Modell des Neubaus zu sehen. FOTO: LR/Sweco
Rietschen. Der Gemeinderat in Rietschen hat am Montag mehrheitlich den Neubau des Mehrgenerationshauses in der Ortsmitte beschlossen. Für die Investition sind allerdings Darlehen aufzunehmen, die die Wohnungsgesellschaft (WGR) künftig belasten. Damit waren nicht alle Räte einverstanden. Christian Köhler

"Es ist eine schwierige Entscheidung", gab Bürgermeister Ralf Brehmer (Freie Wähler) vor der Abstimmung über den Neubau des Mehrgenerationshauses in Rietschen zu. Immerhin, so waren sich Brehmer, die Gemeinderäte und der im Rat anwesenden WGR-Geschäftsführer Wilhelm Fischer einig, seien mit der Investition von 1,343 Millionen Euro mehrere Risiken verbunden.

Abgespeckte Version

Dabei hatten die Räte schon über eine abgespeckte Variante des Neubaus zu entscheiden. Statt der ursprünglichen zwei Etagen ist nun nur noch eine vorgesehen. Das spare beispielsweise einen Fahrstuhl - und somit Kosten. Gleichzeitig schrumpfe aber auch die Anzahl der Wohnungen. Statt zehn sollen nun nur acht für das künftige betreute Wohnen entstehen. "Wir haben darauf zu achten, dass der Neubau auch wirtschaftlich ist", erklärte Ralf Brehmer zu Beginn der Debatte.

Damit jedoch der Neubau wirtschaftlich ist, wie Wilhelm Fischer erläuterte, "sind wir auf Mieter angewiesen". Und hier beginnen die Risiken, wie in der folgenden Diskussion deutlich wurde.

Finanzielle Belastungen

Die Gemeinde und deren kommunales Unternehmen WGR verfügen nicht über die nötigen finanziellen Mittel, den Neubau ohne die Aufnahme von Darlehen zu bezahlen. So müsse, wie Rietschens Kämmerin Sigune Hilke erklärte, die WGR einerseits ein Darlehen beim Abwasserzweckverband "Schöpsaue" in Höhe von 400 000 Euro aufnehmen. Ein zweites soll bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (Kfw) in Höhe von 543 000 Euro in Anspruch genommen werden. Die WGR selbst steuert Eigenmittel von 300 000 Euro zu. 100 000 Euro stammen von der Gemeinde.

"Wenn wir das so machen", gab Torsten Lorenscheit (Freie Wähler) zu bedenken, "wird die Bilanz der WGR deutlich belastet." Das bestätigte Geschäftsführer Wilhelm Fischer und erläuterte, dass die Gesellschaft in den kommenden drei Jahren größere Sonderabschreibungen vornehmen müsse, "die dann jeweils zu einem negativen Jahresergebnis führen werden". Torsten Lorenscheit wies ferner darauf hin, dass zudem unbelastete WGR-Gebäude als Sicherheit für das Darlehen nun belastet werden müssten. "Zumal sich die Investition nur trägt, wenn ständig alle Wohnungen vermietet sind", ergänzte der Gemeinderat. Und durch die Wohnungsgröße von 37 bis 47 Quadratmeter und einen Gemeinschaftsraum entstünden höhere Mietkosten für die künftigen Wohnungsnutzer.

Chancen für die Zukunft

Helmut Perk (Freie Wähler) wiederum hob neben diesen Risiken auch die Chancen hervor. Man müsse ohnehin auf der Brachfläche vor dem Kino etwas tun. "Wir können auch Fördergelder einmal ausgeben und spätere Kosten für eine Bewirtschaftung verursachen", so Perk, "oder aber investieren, etwas Neues schaffen und später Einnahmen generieren." Außerdem sei die Wohnlage im Ortskern hervorragend - gerade für Senioren -, um am öffentlichen Leben teilzunehmen.

Der Gemeinderat hatte nun in einem ersten Schritt über die Aufnahme der benötigten Kredite zu entscheiden. Bei acht Ja-, zwei Nein-Stimmen und einer Enthaltung wurden die Darlehensaufnahmen genehmigt. Für den eigentlichen Bau stimmten anschließend neun Gemeinderäte (bei zwei Nein-Stimmen).

Zum Thema:
Einstimmig wurde WGR-Geschäftsführer Wilhelm Fischer vom Gemeinderat für das Jahr 2015 entlastet. Gleichzeitig legte Fischer den Räten den Jahresabschlussbericht für 2015 vor. Darin verzeichnete die Gesellschaft einen Überschuss von etwa 130 000 Euro. Das Geld soll auf die Jahresbilanz des laufenden Jahres übertragen werden. Die Gemeinde entnimmt keine Mittel aus der Gesellschaft.