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Rheinländer übernimmt Wursthersteller

Gestern gegen 11.30 Uhr strömen Olaf-Mitarbeiter aus dem Werkstor zu ihren Autos. Ihren Gesichtern nach zu urteilen, haben sie gerade gute Neuigkeiten erfahren. „Ja, das waren eben in der Betriebsversammlung wirklich gute Nachrichten. Es hat sich jemand gefunden, der unseren Betrieb weiterführt. 142 Leute will er übernehmen. Das sieht doch gut aus“ , so der Kommentar eines Mitarbeiters. Er lächelt dabei. Von Gabi Nitsche

„Dass mich eine Belegschaft mit Applaus verabschiedet, das passiert auch nicht oft. Die Mannschaft hat die Information, dass Olaf gerettet ist, sehr positiv aufgenommen“ , so Rüdiger Wienberg wenige Minuten später.
Der Insolvenzverwalter hatte gestern Vormittag sowohl Belegschaft als auch die Medien über die gelungene Rettungsaktion informiert. Demnach wird die Willms Fleisch GmbH aus dem nordrhein-westfälischen Ruppichteroth-Bröleck „Olaf“ zum 1. Februar übernehmen. Hubert Willms (45) startet mit 142 Mitarbeitern, so Wienberg. Derzeit seien im Unternehmen noch 168 Mitarbeiter beschäftigt.
Dem Verkauf der Weißwasseraner Firma seien schwierige Verhandlungen mit in- und ausländischen Investoren vorausgegangen. „Wir haben in den acht Monaten unserer Betriebsführung mit etwa 20 Unternehmern gesprochen. In den folgenden Monaten trennte sich dann die Spreu vom Weizen, schied einer nach dem anderen aus. Das aus ganz unterschiedlichen Gründen“ , so Rechtsanwalt Wienberg.

Drei potentielle Bewerber
Am Ende seien drei interessierte Bewerber mit einem tragfähigen Konzept übrig geblieben. Dem vorletzten habe er am Donnerstag abgesagt. Es handelte sich um einen Unternehmer aus Westeuropa, sagte Wienberg. Wie die RUNDSCHAU erfuhr, soll es sich um einen Holländer handeln. Auch der Bruder des verstorbenen Firmengründers habe zu den ersten Interessenten gehört, bestätigte Wienberg, hätte dann aber wieder Abstand genommen.
Mit Hubert Willms sei der Insolvenzverwalter seit November in den Verhandlungen. „Den Tipp dazu haben wir von Rewe erhalten, die mit der Firma gute Erfahrungen gemacht haben.“ Wienberg betonte gestern, dass der Rheinländer seinen Beruf von der Pike auf gelernt und später den Betrieb von den Eltern übernommen habe. „Das mit 30 Mitarbeitern. Heute sind es 450, und in der Grillsaison, also von April bis September etwa, kommen jährlich bis 250 Arbeitskräfte dazu.“
Eine ähnliche Entwicklung plane der Investor in Weißwasser. Wenn auch derzeit nicht alle 168 Mitarbeiter übernommen werden, so Wienberg, wolle er die Zahl von 142 nach und nach erweitern. Außerdem sei es Willms Ziel, die Grillsaison in Weißwasser ebenso mit bis zu 200 Saisonkräften anzugehen. „Er würde dann den alten Status von etwa 370 Mitarbeitern erreichen, den Olaf vor der Insolvenz hatte“ , so Wienberg.
Zu den 142 Frauen und Männern, die übernommen werden, gehören laut Auskunft des Insolvenzverwalters die gesamte Produktion sowie einige Mitarbeiter aus der Verwaltung. Nicht übernommen werde der Fuhrpark. Dieser soll extern organisiert werden. „Wir sind aber guten Mutes, dass die 15 Fahrer dann an diese Firma, die das macht, übergehen.“
Noch eine Veränderung sei mit dem neuen Besitzer verbunden, hieß es gestern. Willms sei Produzent von Wurst- und Schinkenware sowie Fertigprodukten für den Lebensmittel-Einzelhandel. Die Fleischproduktion wie es Kunden und Kooperationspartner bisher von „Olaf“ kannten, werde es so nicht mehr geben, so Wienberg. „Die Wurstproduktion wird konsequenter betrieben, aber das nicht mehr in der bisherigen Kleinteiligkeit. Denn die Olaf-Palette umfasste bisher 480 verschiedene Produkte.“ Nach der Übernahme am 1. Februar werde Willms deshalb mit dem Umbau des Hochregallagers - der letzten großen Investition von „Olaf“ - beginnen und die Voraussetzungen für die geplante Produktion der Fertigartikel schaffen. Willms sei erklärter Mittelständler, berichtete der Rechtsanwalt gestern. „Er sucht Mittel und Wege, um sich im Mittelstand zu organisieren. Zum Beispiel auch, was den Fleischeinkauf angeht.“ Doch Wienberg wisse, dass das aus der Situation der Region heraus hier schwierig sei. „Es gibt nicht mehr viele, die dafür infrage kommen.“
Was wird künftig mit den kleinen Wurst- und Fleischgeschäften in der Region, die die Ware fast vollständig von dem Weißwasseraner Produzenten bezogen? „Weil es sich zu jeder Zeit um sehr treue Kunden und eine zuverlässige Stütze handelte, lassen wir diese nicht in der Luft hängen“ , betonte Rüdiger Wienberg gestern im Gespräch mit der RUNDSCHAU. Gleiches treffe auf den bisherigen Betreuer dieser Verkaufsstellen zu. „Dieser wird diesen Kundenstamm übernehmen und für sie einen neuen Fleischlieferanten finden.“ Eine entsprechende Information über diese veränderte Situation habe der Insolvenzverwalter gestern an alle Kunden und Lieferanten gegeben, sagte dieser.

Olaf-Marken erworben
Die Frage, ob der Weißwasseraner Betrieb weiterhin unter der Firmierung „Olaf“ produziere, verneinte Wienberg. „Der neue Name lautet Willms GmbH und Co.KG.“ Der neue Besitzer habe aber einige Olaf-Marken erworben, fügte er hinzu.
Rüdiger Wienberg betonte gestern, dass es nicht von vornherein selbstverständlich gewesen sei, dass am Ende aller Bemühungen die Rettung des Unternehmens steht. „Im Herbst haben wir schon mal kräftig die Luft angehalten. Und deshalb gebührt dem sächsischen Wirtschaftsminister Thomas Jurk ein Dankeschön, denn dieser hat sich persönlich reingehangen, dass es weiterging.“ Rüdiger Wienberg wolle die Niederschlesische Sparkasse und die Sächsische Landesbank in diesen Dank miteinbeziehen. Ohne deren Geldfluss wäre gar nichts gegangen. „Den Job dann vor Ort machten die Leute hier. Und das so toll, dass wir Ende November nicht mehr Geld ausgegeben hatten, als wir einnahmen.“

Zum Thema Insolvenz am 7. Juni 2006 angemeldet
  Für die Olaf GmbH Fleisch- und Wurstspezialitäten wurde am 7. Juni 2006 Insolvenz angemeldet. Verwalter Rüdiger Wienberg nannte Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung als Gründe. „Olaf“ war laut Wienberg mit rund 34,8 Millionen Euro überschuldet. 375 Gläubiger hätten 37,3 Millionen Euro Forderungen angemeldet, hieß es außerdem. Laut Wienberg setze dieser nach dem erfolgreichen Verkauf nun die ganze Kraft dafür ein, die Ereignisse bei „Olaf“ vor der Insolvenz aufzurollen.