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| 17:48 Uhr

Sicherheit und Brandschutz
Übung mit Horror-Szenario

Der Kranfahrer wird ins Krankenhaus gebracht.
Der Kranfahrer wird ins Krankenhaus gebracht. FOTO: Gabi Nitsche
Schleife. Horrorszenario: Auf der Baustelle des künftigen Schulzentrums in Schleife stürzen schwere Bauteile von einem mächtigen Kran auf die Erde. Es gibt viele Verletzte. Die Einsatzkräfte stehen vor schwierigen Herausforderungen. Von Gabi Nitsche

Man wünscht sie niemandem – Brände, Unfälle oder anderweitige Katastrophen. Doch sollte es zu solchen unvorhergesehenen Ereignissen kommen, dann sind sie da – die Retter.  Egal in welcher Uniform sie stecken. Das haben Floriansjünger, First Responder und der DRK-Einsatzzug am Samstag bei einer Einsatzübung auf der Schulbaustelle in Schleife unter Beweis gestellt. „Toll, dass so viele Partner zusammenarbeiten“, schätzten nach knapp zwei Stunden schweißtreibendem Einsatz der stellvertretende Kreisbrandmeister Gerd Preußing und Danny Kliemann ein.

Das Horror-Szenario für diese anspruchsvolle Übung stammt von Kliemann – er ist Berufsfeuerwehrmann bei der Leag, Kreisausbilder und Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Mühlrose – und sah einen schweren Baustellenunfall vor. „Vom Kran ist eine Last abgestürzt, eine Person wurde unter einem Schuttberg eingeklemmt und eine Besuchergruppe von zehn Kindern und Erwachsenen zum Teil schwer verletzt. Dem Kranfahrer geht’s da oben auch nicht gut, er braucht nach dem Schock darüber, was er angerichtet hat, dringend Hilfe“, beschreibt Danny Kliemann das angenommene Geschehen.

Die First Respnder und die Feuerwehr-Kameraden kümmern sich um die Verletzten.
Die First Respnder und die Feuerwehr-Kameraden kümmern sich um die Verletzten. FOTO: Gabi Nitsche

  Um 9 Uhr erfolgt die Alarmierung über die Leitstelle in Hoyerswerda.  Die „Schwerverletzten“ liegen in zwei Räumen im Erdgeschoss des Rohbaus und schreien vor Schmerzen. Wenige Minuten später erreichen die First Responder der Gemeindewehr Schleife die Unfallstelle. Die fünf Ersthelfer unter Leitung von André Nowusch wissen, was zu tun ist. Bei ihnen kommt keine Hektik auf. Sie sind vom Fach, verdienen ihre Brötchen bei Rettungsdiensten oder in Krankenhäusern. Bis zum Eintreffen von Notarzt und Regelrettungsdienst versorgen sie die Patienten. Neun Minuten nach dem Einsatzbefehl trifft ein Löschfahrzeug nach dem anderen auf der Baustelle ein. Die Kameraden aus Schleife, Trebendorf, Mulkwitz, Rohne und Mühlrose agieren an drei verschiedenen Abschnitten.  Die von den First Respondern versorgten Personen werden von den Kameraden aus dem Gebäude getragen zum Sammelpunkt. Von dort sollen sie mit dem Krankenwagen  oder Rettungshubschrauber in Krankenhäuser gebracht werden.  Bei den Floriansjüngern, die den Verschütteten  bergen, sitzt jeder Handgriff. Nach wenigen Minuten ist der Mann befreit.

Und der Kranfahrer? Die Kanzel befindet sich in 35 Meter Höhe.  „Die Drehleiter von Weißwasser ist alarmiert“, sagt Thomas Husse. Der Wehrleiter von Trebendorf leitet diesen Abschnitt. Auch er ist ein erfahrener Feuerwehrmann, arbeitet bei der Leag-Werkfeuerwehr. Sein Kollege – beruflich und ehrenamtlich – Christian Kucha ist ausgebildet in der Höhenrettung. Er macht sich fertig zum Aufstieg. Die Karabiner klicken. Begleitet wird er von Kameraden aus Mühlrose, die die Geräteabsturzsicherung beherrschen. „24 Stunden Training im Jahr sind Pflicht. In Mühlrose und Trebendorf haben das zehn Kameraden schon gut drauf, Schleife und Weißwasser folgen noch  in diesem Jahr“, erklärt Danny Kliemann. Auch er beherrscht die „Höhenrettung“ aus dem Effeff. Doch heute ist nur als Beobachter und Trainer mit hochgestiegen. Ebene um Ebene.

Die Drehleiter braucht gefühlt viel zu lange von Weißwasser bis nach Schleife. Ebenso der Betreuungszug. Die Kameraden der Einsatzleitung schauen auf die Uhren, vergleichen die Zeiten und entscheiden, den verletzten Kranfahrer in der Kanzel zu bergen und ihn auf die tiefer gelegene Plattform zu transportieren. Von dort soll er über die Drehleiter geborgen werden. Und dann kommen die Weißwasseraner herangebraust. Bevor Sven Müller die Drehleiter – das Fahrzeug steht unmittelbar am Fuß des Baukrans – um 360 Grad schwenkt und Meter um Meter ausfährt, bestücken seine Kameraden den Rettungskorb mit entsprechendem Gerät. Damit wird der Kranführer sicher nach unten  transportiert. Wenige Minuten braucht es nur dafür, dann ist alles bereit zum Abtransport mit dem Rettungswagen des DRK-Einsatzzuges. Ende gut, alles gut?


Sie gucken mit Argusaugen, ob alles reibungslos verläuft und wo bei der Ausbildung noch ein Zahn zugelegt werden muss: Thomas Husse (Wehrleiter Trebendorf), Kreisausbilder Danny Kliemann und stellvertrender Kreisbrandmeister Gerd Preußing (v.l.n.r.)
Sie gucken mit Argusaugen, ob alles reibungslos verläuft und wo bei der Ausbildung noch ein Zahn zugelegt werden muss: Thomas Husse (Wehrleiter Trebendorf), Kreisausbilder Danny Kliemann und stellvertrender Kreisbrandmeister Gerd Preußing (v.l.n.r.) FOTO: Gabi Nitsche

Für den ungeübten Beobachter hat das Hand-in-Hand-Arbeiten gut funktioniert. Gerd Preußing, Danny Kliemann und Einsatzleiter Mario Klar sehen das genauso. Der Vollständigkeit halber: „Ein paar Sachen haben wir uns aufgeschrieben, über die wir noch reden werden“, sagt der stellvertretende Kreisbrandmeister. Zum Beispiel habe die Alarmierung von Weißwasser durch die Leitstelle nicht funktioniert. Sie sei anfangs vergessen worden. „Das darf nicht vorkommen“, sagt Preußing. Doch für diesen Lapsus können ja die Kameraden nichts. Als deren Pieper ging, haben sie alles stehen- und liegengelassen und sind losgerannt zur Feuerwache.

Dass auch der DRK-Einsatzzug eine gewisse Zeit braucht, bis er von Weißwasser aus Schleife erreicht, erklärt Leiter Jan Bauer und weist kritische Worte von Beobachter Bernd Kowalick zurück. „Wir wurden 9.08 Uhr alarmiert, mussten die Fahrzeuge beladen und sind 20 Minuten später losgefahren.“ Kliemann und Preußing versichern: „Das war eine super Zeit.“Das Fazit von Uwe Geisler, Polier bei der Baufirma SLB Stadt- und Landbau Bautzen GmbH, der mit Kollegen das Geschehen auf Schulbaustelle beobachtete: „Das war super und sehr lehrreich. Es ist eine tolle Sache und Werbung für den Arbeits- und Geräteschutz. Beides spielt in unserem Unternehmen eine große Rolle.“

Die Verletzten werden zum Sammelpunkt gebracht und sollen mit dem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen werden.
Die Verletzten werden zum Sammelpunkt gebracht und sollen mit dem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen werden. FOTO: Gabi Nitsche
Eine „verschüttete“ Person ist geborgen worden.
Eine „verschüttete“ Person ist geborgen worden. FOTO: Gabi Nitsche