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Tourismus
Rekord! 53 000 Fahrgäste

Das war der erste Zug mit Passagieren, der Mitte April 2017 den Bahnhof Schwerer Berg zu seiner Jungfernfahrt auf der neuen Tonbahn-Strecke verlassen hatte. Viele Fahrten folgten. 2018 sind 13 Fahrtage geplant mit jeweils zwei Touren. Auch Sonderzüge können gebucht werden.
Das war der erste Zug mit Passagieren, der Mitte April 2017 den Bahnhof Schwerer Berg zu seiner Jungfernfahrt auf der neuen Tonbahn-Strecke verlassen hatte. Viele Fahrten folgten. 2018 sind 13 Fahrtage geplant mit jeweils zwei Touren. Auch Sonderzüge können gebucht werden. FOTO: Regina Weiß / LR
Weißwasser. Heiko Lichnok: Neue Tonbahnstrecke der Waldeisenbahn erweist sich als absoluter Magnet. Verein erhält die Werkstatt. Von Gabi Nitsche

Was für ein Jahr für die Waldeisenbahn (WEM)! 2017 wird in die Geschichtsbücher als absolutes Rekordjahr eingehen. 53 000 Fahrgäste waren 2017 mit der bei Touristen so beliebten historischen Kleinbahn unterwegs.

„Das hat unsere Erwartungen total übertroffen, denn allein für eine Strecke bis zum Schweren Berg braucht man eine Stunde und fünf Minuten Fahrtzeit, nach Kromlau dagegen nur 20, nach Bad Muskau 35. Aber die Leute wollten unbedingt die neue Strecke kennenlernen“, berichtet WEM-Geschäftsführer Heiko Lichnok. Die Nachfrage war so groß, dass öfter gefahren wurde als eigentlich geplant. Überrascht sei er gewesen, dass so viele Busreiseunternehmen und Gruppen Sonderfahrten buchten. Die letzte fand wenige Tage vor Weihnachten statt.

Erstmals in der Saison 2017 haben sich die Waldeisenbahner auch als Strecken-Guide bewiesen und die Fahrgäste mit allen interessanten Informationen entlang der Strecke versorgt – Altbergbau, Überquerung Brückenbauwerk, aktiver Tagebau, Turm am Schweren Berg. Sogar die Verpflegung übernahmen die Waldeisenbahner. Das soll sich beides 2018 ändern. „Die Infos zum Bergbau und zur Entstehungsgeschichte der Bahn erhält dann jeder mit der Fahrkarte und kann die Zeit zum Lesen nutzen. Und für die Verpflegung haben wir als Partner den Bergbau-Tourismusverein Excursio aus Welzow gewonnen, der ja schon den Imbiss im Turm am Schweren Berg in Weißwasser unter seine Fittiche genommen hat“, erklärt Heiko Lichnok. Außerdem werden von vornherein verstärkt Sonderfahrten auf der Tonbahn angeboten – jeweils zweimal an 13 Tagen in der Saison. Die Tickets dafür kann man online buchen. „Das hat 2017 super funktioniert. Jeder hat seinen Platz sicher.“

Heiko Lichnok gesteht: „2017 war ein super Jahr und Grund zur Freude. Es war gleichzeitig eine riesige Herausforderung. Alle Beteiligten mussten ihre sämtlichen Reserven nutzen. Es herrschte immer Hochbetrieb. Ein ‚normales’ Jahr war das keineswegs.“

Was die Besucherzahlen angeht, schätzt der Chef ein: „Wir gehen ja immer mit unseren Planungen moderat heran. Aber das ist schon eine Hausnummer.“ Der bisherige Spitzenwert von 45 000 Besuchern war 2016 und schon einmal 2012 erreicht worden. Die Jahre dazwischen waren es um die 43 000. Lichnok sieht die Ursache für den Ansturm eindeutig bei der neuen Tonbahnstrecke, die im Frühjahr eröffnet wurde. Der Chef zieht die Eröffnungsbilanz von vor rund 26 Jahren zurate und vergleicht die heutigen Zahlen mit denen von damals – 14 800 waren in der allerersten Saison mit der Waldeisenbahn auf Achse. Viel Auswahl hatten die Besucher damals nicht. Es gab nur die Strecke nach Kromlau. „Die haben wir an fünf Tagen die Woche befahren. Damals noch mit vielen Ferienkindern aus dem Kiez. Da kamen in einer Saison 6000 zusammen. Und dann die Schulkinder aus Weißwasser und das bei einer Bevölkerungszahl jenseits der 30 000. Es gab keine Reinert Ranch, kein Museum Sagar, keinen Erlichthof oder Findlingspark und so weiter. Die Wald­eisenbahn war die erste große touristische Sache hier.“ Die Nachfrage stieg und stieg, nicht zuletzt auch, weil 1995 die Strecke nach Bad Muskau dazukam. Ab 1997 sank das Interesse jedoch. 2001, erinnert sich der WEM-Chef, so drastisch, dass die Frage stand, ob es überhaupt weitergehen kann. Die Waldeisenbahner selbst blieben optimistisch. Nur die Kommunen in der Gesellschaft nicht so recht.

Es war das Jahr, als Lichnok die Verantwortung übernahm. Er erinnert sich, dass große Anstrengungen unternommen wurden, damit es ordentlich dampfen konnte. „Wir mussten völlig umdenken, haben Netzwerke gegründet, arbeiten seither mit anderen Touristikern zusammen, bringen uns als Motor ein.“ Das sorgte immer wieder für einen Schub, so Lichnok.  Wenn die Waldeisenbahner auf Messen werben, dann nie nur für sich allein, sondern für die Region. „Fakt ist: Was wir erreicht haben, ist kein Selbstläufer.“

Und in der Tonbahn stecken unheimlich viel Kraftanstrengung und Einsatz aller Waldeisenbahner, ob angestellt oder ehrenamtlich mit Herz bei der Sache. Vieles andere blieb dafür auf der Strecke und steht 2018 an. „Wir haben wieder viel vor“, kündigt Heiko Lichnok an. Hunderte Schwellen müssen auf den drei Streckennetzen gewechselt werden, auf der Tonbahn auch Weichen. Ein Abschnitt von mehreren hundert Metern ist sanierungsbedürftig. Im vergangenen Jahr hatte man sich auf den Bereich Jahnstraße/Teichstraße konzentriert, hier saniert. Restarbeiten folgen im Frühjahr.

Das größte Vorhaben ist jedoch die neue Instandhaltungswerkstatt für den Verein. Das Baufeld zwischen Bahnhof Teichstraße Richtung Jahnstraße ist bereits freigeräumt, Gleise dafür schon verlegt. Die Baugenehmigung müsste jeden Tag eintreffen. Lichnok geht vom Baubeginn im März aus, und im Herbst soll die 23 mal elf Meter große Werkstatt fertig sein. „Ausgestattet mit zwei Gleisen, einer großen Arbeitsgrube und entsprechenden Maschinen.“ Gefördert wird das Projekt von Sachsen zu 75 Prozent. Um vernünftige Werkstattkapazitäten beim Verein haben sich die Waldeisenbahner schon lange bemüh. „Denn die Loks müssen ja permanent kontrolliert und unterhalten werden. Was das Gute ist und hilft, viele Kosten zu sparen, ist, dass in der neuen Werkstatt die notwendigen Hauptinstandsetzungen der Loks vorbereitet werden können.“ Bisher wurden diese dafür komplett in geeignete Werkstätten transportiert. In den letzten Jahren bis nach Tschechien. Ein riesiger Aufwand. „Jetzt können die Loks hier zerlegt werden und nur noch bestimmte Komponenten geben wir weg. Vieles können wir hier machen. Wir gucken nach dem Befund, suchen Partner in der Region. Das spart Wege und Geld, bedeutet aber viel Arbeit für den Verein.“ Ja, es laste viel auf den Schultern des harten Kerns an Mitstreitern. Von diesen verlor der Verein 2017 drei besonders aktive. „Dieter Schönebeck, Thomas Ull­rich und Bernd Krasel waren Motoren und Vordenker, die andere mitzogen und mit ihren Ideen begeisterten. Ihr Tod hat uns sehr traurig gestimmt“, sagt Lichnok.

Der Fahrplan für die Saison 2018 steht. Es wird eine moderate Preisanpassung im Centbereich geben, kündigt Lichnok an. Neben mehr Fahrten auf der Tonbahn, kommt die WEM auch der starken Nachfrage für die Strecke nach Bad Muskau nach.

Die Waldeisenbahn steuert den neuen Bahnhof in Bad Muskau an.
Die Waldeisenbahn steuert den neuen Bahnhof in Bad Muskau an. FOTO: Heiko Lichnok
Mit der neuen Tonbahnstrecke, die Mitte April 2017 freigegeben wurde, hat die Waldeisenbahn Muskau GmbH einen absoluten Magneten. Insgesamt 53 000 Fahrgäste waren in der Saison auf den drei Strecken - tonbahn, Kromlau, Bad Muskau, unterwegs.
Mit der neuen Tonbahnstrecke, die Mitte April 2017 freigegeben wurde, hat die Waldeisenbahn Muskau GmbH einen absoluten Magneten. Insgesamt 53 000 Fahrgäste waren in der Saison auf den drei Strecken - tonbahn, Kromlau, Bad Muskau, unterwegs. FOTO: Heiko Lichnok
2017 haben die Waldeisenbahner einen Gleisbereich zwischen Jahnstraße und Bahnhof Teichstraße saniert. Restarbeiten folgen im Frühjahr. Gleise führen von hier zur künftigen Werkstatt und zum Betriebsbahnhof.
2017 haben die Waldeisenbahner einen Gleisbereich zwischen Jahnstraße und Bahnhof Teichstraße saniert. Restarbeiten folgen im Frühjahr. Gleise führen von hier zur künftigen Werkstatt und zum Betriebsbahnhof. FOTO: Heiko Lichnok