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Reinsetzen, anschubsen, lossegeln

Hier übt der achtjährige Christoph Bioly das Anlegen. Hilfe bekommt er dabei von Bernd Schmidt (l.) und Ralf Spiegel vom Lausitzer Segelclub Bärwalder See.
Hier übt der achtjährige Christoph Bioly das Anlegen. Hilfe bekommt er dabei von Bernd Schmidt (l.) und Ralf Spiegel vom Lausitzer Segelclub Bärwalder See. FOTO: amz1
Klitten. Zum ersten Mal hat der Lausitzer Segelclub Bärwalder See (LSC) einen Kurs für Kinder und Jugendliche durchgeführt. Zwölf Nachwuchssportler im Alter von fünf bis 14 Jahren nahmen das Angebot an und erlernten auf dem Bärwalder See das theoretische und praktische Einmaleins des Segelns. amz1

Um es vorwegzunehmen: An diesem sonnig-warmen Tag ist kein angehender Segler unfreiwillig baden gegangen. Nicht eines der kleinen Boote kenterte. "Das ist sehr erfreulich, damit haben wir wirklich nicht gerechnet", kommentiert Frank Miersch, Vorsitzender des Clubs.

Die Steppkes erlernen in einem zweitägigen Kurs zunächst die Theorie und anschließend die Praxis des Segelns. Zur Ausbildung gehören unter anderem Boots- und Gerätekunde, Knotenwissen und vieles mehr.

Dann wird es an der Klittener Marina ernst. Manches der Kinder steigt mit etwas skeptischen Blicken ins Boot. Doch sehr bald verdrängt die Vorfreude mitunter vorhandene Ängste. Oder wie es Frank Miersch formuliert: "Reinsetzen, anschubsen und lossegeln."

Wer noch unsicher ist, bekommt einen erwachsenen Trainer mit an Bord, die anderen segeln allein los. Die entsprechenden Anweisungen werden von einem Motorboot gegeben, das neben den Segelbooten verkehrt.

Die äußeren Bedingungen präsentieren sich indes ideal: Die Sonne scheint, das Thermometer zeigt 26 Grad Celsius, und es weht ein mitunter kräftiger Wind aus Süd.

Christoph Bioly ist eines der Kinder, das erstmals in einem Segelboot Platz genommen hat. Dennoch dreht er souverän seine Runden. "Macht richtig Spaß. Ich hatte nie Angst", resümiert der achtjährige Steppke zurück auf dem Hafensteg.

Das Talent scheint dem Schirgiswalder Schüler in den Genen zu liegen. "Ich bin selbst Seglerin", erklärt Mutter Susanne Bioly. Und schon ihr Vater sei in diesem Sport verwurzelt gewesen. "Das war damals am Knappensee." Wegen dessen längerfristiger sanierungsbedingter Sperrung ist der Lausitzer Club vor einigen Jahren an den Bärwalder See umgezogen, hat jetzt dort seine Heimstätte.

Viel Freude hat auch die neunjährige Gesine Miersch: "War richtig toll, erzählt die Wittichenauerin. "Papa hat mir ganz super geholfen. Ich will unbedingt weitersegeln."

Der LSC möchte mit der Wiederbelebung der Jugendarbeit und des Kindersegelns der Überalterung des Vereins vorbeugen. Derzeit zähle die Gruppe 30 Mitglieder, darunter sieben Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Hauptziel sei, so formuliert es Frank Miersch, bei den Kindern die Begeisterung fürs Segeln zu wecken. Keiner müsse zum Training sein eigenes Boot mitbringen, der Verein stelle die Gefährte, ebenso Teile der Ausrüstung. Um die Grundkenntnisse im Segeln zu erlernen, bedürfe es etwa einer Woche. Doch um ein richtig guter Segler zu werden, seien Jahre erforderlich. Denn nur durch Erfahrungen erfolge eine ständige Weiterentwicklung.

Nicht zuletzt trumpfe der LSC durch das große Engagement seiner Mitglieder auf. Der Verein sei wie eine Familie. Und die Kinder nähmen durch diesen Sport auch wertvolle Zugaben für die Schule mit. "Nämlich Ausdauer und hohe Konzentrationsfähigkeit", zählt Frank Miersch auf.

An diesem Sommertag denkt jedenfalls kein Kind ans Aufhören mit dem Segeln. Alle wollen wiederkommen. Und wer einmal "Blut geleckt" hat, bleibe in der Regel dabei. Schließlich sei Segeln eines der schönsten Hobbys der Welt. Sagt zumindest der "alte Hase" Frank Miersch.