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| 11:49 Uhr

Muskauer Park
Hitzesommer sorgt für reiche Ernte

Hier präsentiert Wieslawa Kölzow den in diesem Jahr ebenfalls gut wachsenden Lorbeer. Diese Art ist allerdings nicht winterhart. Daher müssen die Gewächse bald aus der Schlossgärtnerei in die Orangerie oder in den Marstall, um dort zu überwintern.
Hier präsentiert Wieslawa Kölzow den in diesem Jahr ebenfalls gut wachsenden Lorbeer. Diese Art ist allerdings nicht winterhart. Daher müssen die Gewächse bald aus der Schlossgärtnerei in die Orangerie oder in den Marstall, um dort zu überwintern. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Bad Muskau. Bad Muskauer Schlossgärtnerei bietet derzeit Früchte im Überfluss. Von Torsten Richter-Zippack

Die Schlossgärtnerei im Muskauer Park hat den Supersommer 2018 weitestgehend unbeschadet überstanden. Mehr noch: Es gibt einen besonderen Reichtum an verschiedensten Früchten, egal, ob Obst oder Gemüse. Wie das kommt, erklärt Wieslawa Kölzow, die Leiterin der Schlossgärtnerei, so: „Meine Mitarbeiter und ich haben in den vergangenen Wochen und Monaten unglaublich viel gewässert. Zum Glück können wir dabei auf Brunnen zurückgreifen.“

Die Ergebnisse können sich sehenlassen. Beispielsweise bei den Kartoffeln. Prächtige Exemplare in verschiedenen Größen und Farben, darunter sogar eine violette, werden jetzt geerntet. „Im vergangenen Jahr sind einige der Knollen wegen des vielen Regens regelrecht verfault“, erinnert sich Kölzow. Ebenso ertragreich sieht es bei den Mohrrüben aus. Fünf verschiedene Sorten wachsen in der Gärtnerei, selbst eine weiße fehlt nicht. Die Gäste der jüngsten Schlossgärtnerei-Führung dürfen hineinbeißen. Das einstimmige Ergebnis: „Schmeckt hervorragend.“ Lediglich die Petersilie will in diesem Jahr nicht so recht wachsen. Eine komplette Reihe ist ausgefallen. „Ich denke, die vielen Ameisen haben daran ihren Anteil“, vermutet Wieslawa Kölzow. Erstmals seit langer Zeit mussten die Mitarbeiter gegen die Schädlinge ein entsprechendes Substrat streuen, um größere Schäden zu vermeiden. „Ansonsten versuchen wir, ohne Chemie klarzukommen“, betont die Fachfrau. Darüber hinaus gibt es dieses Jahr keine Pastinaken. Daran sei aber nicht das Wetter schuld, sondern die Qualität des Saatgutes. „Das war wohl ein Jahr zu alt“, begründet Kölzow selbstkritisch.

Ein Teil der geernteten Früchte gelangt auf die Tische eines Bad Muskauer Hotels. Eine nicht unerhebliche Menge bleibt vor Ort in der Schlossgärtnerei. „Das Obst und Gemüse können sich unsere Gäste mitnehmen. Wir haben eine Kasse des Vertrauens aufgestellt“, sagt Wieslawa Kölzow. Am wichtigsten sei aber, dass nichts verdirbt.

Reiche Ernte gibt es auch in den beiden Ananas-Gewächshäusern der Schlossgärtnerei. Parkgründer Fürst Hermann von Pückler hatte einst die königliche Frucht angebaut, um sich eine zusätzliche Einnahme zu verschaffen. Ursprünglich wollte er 3000 Stück züchten, doch daraus wurde letztendlich aus verschiedenen Ursachen nichts. Wieslawa Kölzow weiß von einer Anekdote zu berichten, in der der Fürst der Gattin des Gefängniswärters Ananas geschenkt haben soll. Im Gegenzug konnte die Ehefrau ihren Mann überzeugen, mehrere Häftlinge für Pücklers Garten- und Parkarbeiten abzustellen. Aktuell gedeihen in der Bad Muskauer Schlossgärtnerei 300 dieser Pflanzen. Diese tragen ihre Früchte das ganze Jahr über. Allerdings seien die Exemplare, die im Winter wachsen, aufgrund der dann nicht ausreichenden Wärme etwas säuerlich, für den Verzehr also eher ungeeignet. „Entsorgt werden die Früchte deswegen noch lange nicht“, berichtet Wieslawa Kölzow. Stattdessen werden sie von einem Kirschauer Fachmann zu Likör verarbeitet, der herrlich fruchtig schmecken soll, wie Kölzow bereits testen durfte.

Die Besucher der Gärtnereiführung sind jedenfalls hellauf begeistert. Beispielsweise Dietmar Scholz aus Kromlau: „Ich möchte hier die Kräuter noch intensiver kennenlernen. In meinem Garten gibt es dieses Jahr ebenfalls eine gute Ernte, aber nur dank reichhaltiger Bewässerung.“ Und Jürgen Roß aus Leipzig merkt an, dass er regelmäßig nach Bad Muskau komme, da ihn die örtliche Natur- und Gartenkunst jedes Mal aufs Neue fasziniere.