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| 20:35 Uhr

Weihnachtsmarkt in der Glasmacherstadt
Weihnacht zu Gast am Industriebau

In der Wichtelwerkstatt des Weißwasseraner Weihnachtsmarktes haben die Mitarbeiter der Ausbildungsgesellschaft Rodig liebevoll dekoriert. Das trifft auch auf den Außenbereich zu. Ab Freitag können sich die Besucher dort selbst ein Bild machen.
In der Wichtelwerkstatt des Weißwasseraner Weihnachtsmarktes haben die Mitarbeiter der Ausbildungsgesellschaft Rodig liebevoll dekoriert. Das trifft auch auf den Außenbereich zu. Ab Freitag können sich die Besucher dort selbst ein Bild machen. FOTO: Joachim Rehle
Am Freitag eröffnet der Weihnachtsmarkt in Weißwasser. Gleichzeitig feiert die Kirchgemeinde den 125. Geburtstag. Von Christian Köhler

Das hat es in Weißwasser noch nicht gegeben: Der Weihnachtsmarkt öffnet am Freitag seine Pforten und lädt gleichzeitig dazu ein, ein Stück Industriegeschichte der Glasmacherstadt zu zeigen. „Für uns ist es wirklich eine Premiere“, muss auch Stadtvereinschef Frank Schwarzkopf zugeben. Während in Weißwasser der Markt zum ersten Mal an der Telux stattfindet, ist das Konzept anderswo bereits Kult – etwa in Berlin oder am Industriemuseum in Ennepetal bei Wuppertal. „Wir wollen bei uns die Glasgeschichte mit einem weihnachtlichen Ambiente verbinden“, verspricht Sebastian Krüger vom Soziokulturellen Zentrum (SKZ) Telux.

Damit das gelingt, haben in der vergangenen Woche die beiden Rentner Ulrich Herwy und Bernd Kunst an die Tür des SKZ geklopft und ihre Hilfe angeboten. „Hier wird ja jede helfende Hand gebraucht“, begründet Ulrich Herwy sein freiwilliges Engagement. „Und die Gartensaison ist vorbei und da liegt es auf der Hand, dass wir Zeit haben und gerne helfen wollen.“ Beide Weißwasseraner arbeiten an einem Karussell, das der Verein mobile Jugendarbeit und Soziokultur erst vor wenigen Wochen aus Dortmund geholt hat. „Wir wollten kein Plastikkarussell, sondern etwas Nostalgisches“, erklärt Sebastian Krüger. Dass das Aufarbeiten gar nicht so einfach ist, räumt Bernd Kunst ein: „Es sind viele Details, die hier beachtet werden müssen.“ Wenn die beiden fertig sind, wird Airbrusher René Kruner noch Farbakzente setzen, damit am Wochenende die Kleinsten Spaß beim Drehen ihrer Runden haben.

Akzente werden auch auf dem Innenhof der Telux gesetzt sein. Der Weihnachtsbaum steht schon und die Beleuchtungselemente sind bereits angebracht. Insgesamt sind 400 Kiefern auf dem Gelände verteilt und verwandeln den Innenhof in ein weihnachtliches Ambiente. Knapp 20 ehrenamtliche Helfer haben zudem neue Beleuchtungselemente angebracht, werkeln an den einzelnen Ständen und sind mit allerlei Aufbauarbeiten beschäftigt. „Ohne die Helfer oder die fleißigen Bienen von der Ausbildungsgesellschaft Rodig wäre vieles gar nicht umsetzbar“, räumt Timo Schutza vom SKZ ein.

Immerhin standen den Weihnachtsmarkt-Machern nur knapp zweieinhalb Monate für die Vorbereitung des Marktes zur Verfügung. „Es ist sehr schwierig, in so kurzer Zeit zur Weihnachtszeit übliche Angebote noch zu buchen“, bestätigt etwa Sebastian Krüger. Denn erst am 18. September stand nach einer Versammlung, zu der der Stadtverein geladen hatte, fest, dass es und natürlich auch wo es einen Weihnachtsmarkt 2018 in der Glasmacherstadt gibt. Und Handwerker und Gewerbetreibende warten nicht auf Weißwasser. „Keinen einzigen Cent dafür bekommen wir von der Stadt“, erklärt in diesem Zusammenhang Frank Schwarzkopf mit Blick auf die schlechte Finanzlage der Kommune. Trotzdem habe man mit viel Liebe zum Detail alles für die Premiere, die am Freitag um 15 Uhr eröffnet wird, vorbereitet.

Dabei, so betont Sebastian Krüger, habe man auf Altbewährtes gesetzt – etwa die Familienfreundlichkeit mit Bastelangeboten in der Wichtelwerkstatt oder das Programm „Kinder lesen für Kinder“ beizubehalten – und Neues hinzugefügt. Etwa, dass der Weihnachtsmann am Samstag und Sonntag um jeweils 14.30 Uhr aus dem Märchenwald in Kromlau mit der Waldeisenbahn nach Weißwasser geholt wird. Dazu sind natürlich alle eingeladen. Und: „Das Motto heißt ja nicht umsonst ‚Weihnachten in der Glasmacherstadt’“, erklärt Sebastian Krüger. Denn den Verantwortlichen ist es gelungen, einen Glasbläser zu engagieren, der einst in der Weißwasseraner Bärenhütte seine Ausbildung erhalten hatte. Schließlich befindet man sich ja in einem ehemaligen Glaswerk. „Wir sind froh, dass Olaf Tappert zugesagt hat und allen zeigen wird, wie Glas bearbeitet werden kann“, so Krüger. In der eigens dafür eingerichteten Wichtelwerkstatt gibt es zudem von der Kreativgemeinschaft Lausitz mehrere Bastelangebote. In den Räumen des SKZ warten eine Lego-Ausstellung, eine Weihnachtsmodell-Eisenbahn und vieles mehr. „Der Markt hat bis Sonntag bis 22 Uhr geöffnet“, erklärt Timo Schutza. Und wer am Abend bei Glühwein und hoffentlich gutem Wetter Lust zum Tanzen hat, der kann sich am Freitagabend ab 20 Uhr auf die Thüringer Irish-Folk-Band „Rattlin’ Bog“ und Samstag auf die Berliner „Gentlemen’s Blues Band“ freuen.

Eher besinnlich geht es dagegen ab Donnerstag in der evangelischen Kirche zu: „Wir eröffnen um 16.30 Uhr eine Ausstellung zu unserem 125. Geburtstag“, erzählt Pfarrer Martin Zinkernagel. Immerhin ist am 6. August 1893 nach fast zwei jähriger Bauzeit die Kirche eingeweiht worden. Schon vier Jahre vorher hatte sich die erste Kirchgemeinde gegründet, erzählt der Pfarrer, die zunächst in der seinerzeit am Bahnhofsvorplatz befindlichen Gaststätte „Zum Deutschen Kaiser“ ihre Gottesdienste abhielt. „Aus diesem Anlass haben wir gemeinsam mit den Konfirmanden und unserem Hausmeister eine Ausstellung aufgebaut, zu der alle Weißwasseraner eingeladen sind“, so Martin Zinkernagel.

Und ob die Kirche wieder so proppenvoll wie am 1. Advent wird – knapp 470 Gäste haben dem Chorkonzert von 55 Sängern und 20 Musikern unter der Leitung von Ulrike Scheytt gelauscht – hänge ganz von den Einwohnern ab. Den Förderverein der Kirche um die beiden Vorsitzenden Uwe Mühle und Hartmut Schirrock jedenfalls würde es freuen, wenn sich die Weißwasseraner für die Fundstücke der Geschichte der Stadt interessieren. Ein Abstecher zur Kirche vor dem Besuch des Weihnachtsmarktes jedenfalls lohne sich allemal.