Mit der digitalen Werbewand in der Größe von drei mal zwei Meter wolle die Stadt vor allem Werbung in eigener Sache machen. Werbung für die Eis arena, für städtische Veranstaltungen zum Beispiel in der Bibliothek. Auch als Verkehrswarnschild, für Unwetterwarnungen, Spielansetzungen der Eishockey-Füchse biete sich die Fläche an. Selbst Wahlwerbung sei denkbar. Auch Vereine könnten diese nutzen, um für sich zu werben.

Besonders groß sei der bereits ermittelte Bedarf von Einzelhändlern, zählte Milton Tauche auf. Der Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Leiter der Eisarena präsentierte am Mittwoch den Stadträten das "zukunftsweisende und innovative" Projekt. 50 000 Euro würde die Anschaffung kosten, wobei die Möglichkeiten der Refinanzierung sehr umfangreich seien. "Bei Vorabfragen zeigten mehr als 30 Unternehmer Interesse", diese Form der Werbung zu nutzen, hieß es. Das Geld für die bis dato ungeplante Anschaffung stehe im Kita-Bereich der freien Träger zur Verfügung. Es seien Mittel, die als Zuschüsse nicht abgerufen wurden, erklärte Finanzchef Rico Jung.

Doch daraus wird nun nichts. Die Stadträte lehnten das mehrheitlich ab. Nicht die Idee ansich, die sei wohl durchdacht, betonte Stefan Przymosinski (CDU). "Aber außerplanmäßig aus dem städtischen Haushalt - das ist ausgeschlossen." Bauchschmerzen hatte auch Fraktionskollege Thomas Krause: "Auf der einen Seite erhöhen wir Kita-Gebühren, dann das." Auch SPD-Stadträtin Kathrin Jung gefällt die Idee mit dieser Art der Werbung. "Aber nicht die Stadt. Wir sehen uns als Vermögensverwalter der Bürger. Das Geld ist nicht geplant. Dafür dann auch noch Freien Trägern den Zuschuss streichen, ist nicht zu rechtfertigen." Die Prioritäten der Stadt würden auf Kita und Schule liegen.

Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) schlug vor, Drittmittel für die Anschaffung zu verwenden. Zum Beispiel von der Leag, die die Vereinbarung mit Weißwasser um ein Jahr verlängern wolle. Nein, auch das kritisierten Räte. Drittmittel ja, aber zusätzliche, schlug Bernhard Waldau (CDU) vor und bat die Stadtverwaltung, sich darum zu kümmern. Dass sich kommunale Gesellschaften der Sache annehmen, kann sich Ronald Krause (SPD) gut vorstellen.

Einer der Verfechter des vorgestellten städtischen Projektes ist Hartmut Schirrock (Wir für Hier), selbst erfahrener Einzelhändler. Die Liste der potenziellen Werbe-Interessenten sei beeindruckend. Das Risiko für die Stadt, das Geld dafür zu investieren, sei überschaubar und die Refinanzierung in zwei bis drei Jahren erfolgt. "Ich hätte keine Bedenken."

OB Pötzsch zeigte sich enttäuscht. "Wir können es ja verschieben, so lange wir wollen. Dann ist der Zug abgefahren, wie schon bei anderen Sachen."

Dann ließ er abstimmen über einen abgeänderten Vorschlag - Finanzierung über Drittmittel. Mit neun Ja-, neun Neinstimmen und zwei Enthaltungen lehnte der Stadtrat ab. Ob die Entscheidung womöglich am fehlenden Wörtchen "zusätzliche" lag, ist nicht bekannt.