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Brandschutz
Gerätehäuser für Rohne und Schleife

Schleife. Schleife beschließt Brandschutzbedarfsplan 2022. Gemeindewehrleitung gibt Nachhilfe in Feuerwesen.

 Es ist einstimmig beschlossene Sache des Gemeinderates Schleife: Für die freiwilligen Feuerwehren in Schleife und Rohne braucht es neue Gerätehäuser. Die jetzigen sind nicht din-gerecht und haben auch nicht genügend Stellflächen für alle Technik.

Außerdem sieht der Brandschutzbedarfsplan für die nächsten fünf Jahre die Anschaffung eines neuen Tanklöschfahrzeuges für die Rohner Kameraden vor. Ein Fahrzeug in Schleife muss ausgetauscht werden, und für die First Responder Gruppe steht ein Ersatzfahrzeug auf dem Plan.

Damit nicht genug der Festlegungen: Aufgrund der Außerbetriebnahme der Haupttrinkwasserleitung 2018 zwischen Schwarze Pumpe und Weißwasser und der weiteren Grundwasserabsenkung durch den heranrückenden Tagebau Nochten sind drei zusätzliche Löschwasserteiche zu schaffen. Weiterhin sollten die alten Löschwasserteiche einer Revision unterzogen werden, heißt es. Alle Waldbesitzer sind aufzufordern, das Lichtraumprofil bei den Hauptzufahrtswegen zu gewährleisten. Denn: Schleife ist ein Schwerpunktwaldbrandgebiet.

Zur Absicherung der Tageseinsatzbereitschaft, die eine Herausforderung ist und bleibt, ist weiterhin bei Personal-Einstellungen in der Gemeindeverwaltung die Mitgliedschaft in der freiwilligen Feuerwehr zu beachten. Aus demselben Grund sind mehr Feuerwehrangehörige als die vorgeschriebene Mindestzahl zu qualifizieren. Bei Bedarf beteiligt sich die Gemeinde finanziell, wenn es um die Lkw-Führerschein-Ausbildung für Angehörige der Wehren geht.

Soweit die Schwerpunkte, was Investitionen bis zum Jahr 2022 angeht. Doch einfach nur mit Handheben  für den aktualisierten Brandschutzbedarfsplan  wollte die Gemeindefeuerwehr-Leitung den Gemeinderat Schleife nicht davonkommen lassen. Auf die Lehrstunde, die Andreas Pudel dem Tagesordnungspunkt voranstellte, waren einige in der Runde nicht gefasst und gerieten bei dessen direkten Fragen auch mal ins „Schleudern“. Denn der Ortswehrleiter von Rohne räumte im Beisein von Gemeindewehrleiter Detlef Slabina mit manchen Vorurteilen auf, was die Arbeit der Florianjünger angeht. Von wegen: „Die meisten denken, wir sind ein Verein, und das meist bediente Klischee ist, wir trinken eh nur Bier“, nahm der Rohner kein Blatt vor den Mund.

Fakt ist, ohne die freiwilligen Kameraden in den drei Ortswehren wäre die Gemeinde Schleife – so wie andere Kommunen auch – ganz schön aufgeschmissen. Denn zuständig für den Brandschutz, machte Andreas Pudel deutlich, ist einzig und allein die Gemeinde. „Sie bedient sich unser.“ Er ergänzt: „Die Wehren kommen dann entsprechend des jeweils gültigen Brandschutzbedarfsplanes und der örtlichen Gegebenheiten zum Zuge.“

Damit die Kameraden ihren Job machen können, braucht es bestimmte Voraussetzungen. Zum Beispiel genügend Löschwasser. „Aber die Gemeinde muss nicht für jedes Einsatzszenario entsprechende Technik vorhalten.“ Die Gefahren aufgrund der örtlichen Gegebenheiten und die damit verbundenen möglichen Risiken sind klar definiert. Andreas Pudel nannte als Vergleich den Absturz eines Jumbo-Jets oder eines schweren Zugunglücks.

Anhand eines angenommenen Wohnungsbrandes in einem Wohnhaus, wo im zweiten oder dritten Obergeschoss eine Person vermisst wird, wird minutiös analysiert, wie es um die jeweilige Feuerwehr bestellt ist. Da wird landesweit kein Unterschied gemacht, um vergleichen zu können. Da geht es um Einsatzkräfte und -zeiten, Technik und, und, und. Das alles und die Schlussfolgerungen daraus finden sich dann in dem jeweiligen Brandschutzbedarfsplan wieder.

Neben gerade einmal acht Berufswehren in Sachsen, einigen Werkswehren machen die Florianjünger im Ehrenamt das Gros aus. Mehr als 43 000 Kameraden in 2270 Wehren sind es, die zu jeder Tages- und Nachtzeit bei Bränden zum Einsatz kommen, technische Hilfe leisten bei schweren Verkehrsunfällen, für den Katastrophenschutz bereitstehen. Diese sind es, die vorbeugend in Sachen Brandschutz tätig werden (Bevölkerung sensibilisieren zum Beispiel zum Thema Rauchmelder), sich um den Nachwuchs bemühen und die Einsatzbereitschaft sichern, indem sie die Technik auf Vordermann halten und sich selbst. Zig Stunden Aus- und Weiterbildung kämen unterm Strich zusammen, so Pudel. Allein intern sind mindestens 40 Stunden Ausbildung im Jahr für jeden Pflicht. Bei den Atemschutzgeräteträgern noch mehr. Und dann tragen diese nicht nur im Ernstfall die Schutzausrüstung, sondern auch beim Training. Pudel spricht von gut und gern neun bis zwölf Kilogramm zusätzlich. „In der dicken Uniform kommt man schon ins Schwitzen“, so der Wehrleiter.

Fachlich habe der Bürgermeister übrigens den Florianjüngern nichts zu sagen. Das sei Sache der Gemeindewehrleitung und des Kreisbrandmeisters. Aber disziplinarisch sei er schon der Chef, so Pudel. In der Ratssitzung hatte Reinhard Bork absolut keinen Grund, die Kameraden zu tadeln. Er bedankte sich für deren Einsatzbereitschaft im Ehrenamt und zitierte den Rohner Leitspruch: „Unsere Freizeit für ihre Sicherheit“. Stellvertreter Jörg Funda setzte hinzu: „Wir können froh sein, dass es immer noch Leute gibt, die das alles aufsichnehmen.“