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Rakotzbrücke wird zur Großbaustelle

Werbegrafiker Reinhard Klenner aus Bad Muskau arbeitet derzeit am Parkplan im Wintergarten vom Kromlauer Schloss. Als Vorlage dient ein Planausdruck, den die Landschaftsgärtner von der Anlage angefertigt haben.
Werbegrafiker Reinhard Klenner aus Bad Muskau arbeitet derzeit am Parkplan im Wintergarten vom Kromlauer Schloss. Als Vorlage dient ein Planausdruck, den die Landschaftsgärtner von der Anlage angefertigt haben. FOTO: Regina Weiß
Kromlau. Die ganze Welt ist in diesen Wochen im Kromlauer Park zu Gast. Beredtes Beispiel sind die Besuche in der Tourismusinformation Schloss. Regina Weiß

Mitarbeiterin Carmen Rackel kann bestätigen, dass sich erst jüngst französische und japanische Gäste nach dem Wahrzeichen des Parks erkundigt haben. "Sie haben die Rakotzbrücke gesucht", so Carmen Rackel.

Vier Amerikaner haben gedacht, sie finden sie selber. "Angeblich hat sie ihr Navi in unseren Park geführt", kann Bürgermeister Dietmar Noack (CDU) noch Tage später nur den Kopf schütteln. Die Folge war, dass die Touristen aus Übersee sich im Park mit ihrem Auto festgefahren haben. Die Polizei war mit vor Ort, um den Vorfall zu dokumentieren. Auch wenn diesmal nicht die Rakotzbrücke im Fokus stand, ist das Ganze dennoch ein Fall von Sachbeschädigung.

Gut zweieinhalb Wochen ist es her, das der Kromlauer Park im positiven Sinne Schlagzeilen gemacht hat. Nach jahrelangem Ringen, auch hinter den Kulissen des Landes und des Bundes, Anschieben durch die beiden Bundestagsabgeordneten des Landkreises sowie gebetsmühlenartiger Bitten des Bürgermeisters samt Gemeinderat um Unterstützung für das Landeskulturdenkmal, sind nun 2,4 Millionen Euro für das Rakotzensemble in trockenen Tüchern. Ausruhen ist jetzt trotzdem nicht. Erste Gespräche gab es mit dem Landrat und einem Geldinstitut wegen der finanziellen Mittel. Denn die Kommune muss erst einmal in Vorkasse gehen. Dabei geht es um eine zinsgünstige Finanzierung, aber auch das Okay, dass die Kommune das stemmen kann. Die Landkreisverwaltung hat Gablenz diesbezüglich ihre Unterstützung zugesichert, erklärt Dietmar Noack im Gespräch mit der RUNDSCHAU. Hilfreich zur Seite stehen auch die Denkmalbehörden des Landkreises und vom Freistaat. So habe Udo Frenschkowski, Gebietsreferent für Ostsachsen im Landesamt für Denkmalschutz, seine Mitarbeit zugesichert.

Fachverstand werde auch gebraucht, was das Architekturbüro betrifft, das sich Vorplanung und Analyse annehmen muss. Dafür müssen die Ausschreibungen vorbereitet werden. Einfach werde die Suche nicht sein, vermutet Noack schon jetzt. "Ich denke, die Planer werden dem Sanierungsvorhaben mit Respekt begegnen", ist sich Noack ziemlich sicher.

Damit nicht bei null angefangen werden muss, soll die Diplomarbeit von zwei Studentinnen der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden in die Analyse mit einfließen. Die Arbeiten, die von Professor Dr. Stephan Pfefferkorn betreut wurden, hatten die Rakotzbrücke und die nebenan liegende Grotte zum Inhalt. So wurden unter anderem an der Brücke die Schäden kartiert. Bei der vor über 60 Jahren eingestürzten Grotte weiß man seitdem, welche Massen notwendig sind, um sie wieder aufzubauen.

Geht alles nach Plan, dann wird Rakotz samt seiner imposanten Basaltbauwerke ab Frühjahr 2018 zur Großbaustelle. Die 2,4 Millionen Euro kommen nicht nur der Brücke, sondern auch der Orgel und der Grotte zugute. Dafür muss der Wasserspiegel im See abgesenkt werden, um die Bauwerke künftig auf sichere Füße zu stellen. Der umfangreiche Eingriff muss auch mit Blick auf den Park und seine schützenswerte Bäume gut vorbereitet werden. Zum einen, was die Gewächse rund um den See, aber auch die Baustraße hin zum See betrifft.

Weil das alles noch nicht genug ist, arbeitet ein Planungsbüro im Auftrag der Kommune am nächsten Fördermittelantrag. "In einem weiteren Schritt soll der dazugehörende Park neu gestaltet werden", hatte es das Umweltministerium in seiner Pressemitteilung vom 11. August schon vage angedeutet. Der Förderantrag trägt den Arbeitstitel Stadtgrün und umfasst Vorhaben, die Gablenz beim gemeinsam mit Bad Muskau beantragten und abgelehnten "Kleinere Städte und Gemeinden - überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke" (KSP)/Muskauer Kulturlandschaft gestellt hatte. Dazu gehört der Wegebau, die Schaffung eines Infopunktes, die Brücken am Inselteich und anderes mehr. Also geht das Daumendrücken in Sachen Fördermittel weiter. Für die Erhaltung des Parks täten sie dringend not.

Apropos Park. Einen Überblick bietet bald das neue Wandgemälde im Wintergarten des Schlosses. Werbegrafiker Reinhard Klenner fertigt es gerade an. Das Bild wird nicht nur den Wintergarten aufwerten, sondern kann auch bei Schlossbesichtigungstouren genutzt werden, um den Gästen einen Überblick zu verschaffen. Doch man sollte sich nicht täuschen lassen, was an der Wand einige Quadratmeter groß ist, umfassen im wahren Leben 200 Hektar.