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| 18:15 Uhr

Halbendorfer See
Quecksilber bereitet weiter Sorgen

Halbendorf. Das Wasser des Halbendorfer Sees wird regelmäßig auf seinen chemischen Zustand hin überprüft. Gelöste Schwermetalle sind rückläufig, aber eine Substanz hält sich hartnäckig. Sie gilt als bundesweites Problem. Von Torsten Richter-Zippack

Wer vom Leuchtturm am Halbendorfer See hinüber zum FKK-Strand blickt, sieht etwa in der Gewässermitte eine gelbe Boje. „BfUL“ ist zweimal darauf zu lesen. Die Abkürzung steht für Staatliche Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft. Dabei handelt es sich eigenen Angaben zufolge um einen fachlich kompetenten Partner und Dienstleister für die Behörden des sächsischen Umweltamtes. An der gelben Boje werden durch die BfUL verschiedene Messungen durchgeführt. Dabei geht es um die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie in Deutschland. Die Untersuchungen erfolgen nach Angaben von BfUL-Sprecherin Karin Bernhardt so, dass für die alle sechs Jahre fällige Berichterstattung gegenüber der EU ausreichend Daten zur Verfügung stehen.

Laut Bernhardt überprüfen die Mitarbeiter unter anderem Sichttiefe, Temperatur, Sauerstoff- und Phosphorgehalt, das Vorkommen von Phytoplankton sowie den Eintrag chemischer Schadstoffe. Darunter fallen Schwermetalle wie Cadmium, Zinnverbindungen und Quecksilber. Die jüngste Bewertung erfolgte für den Zeitraum von 2009 bis 2014 in den Bewirtschaftungsplänen 2015. Der chemische Zustand des Wassers im Halbendorfer See sei demnach „nicht gut“. Vor allem die hohen Quecksilber-Gehalte bereiten Sorgen. Allerdings, so erklärt die BfUL, überschreite das Schwermetall in allen deutschen Gewässern die entsprechenden Grenzwerte. „Es wird über die Luft eingetragen“, sagt Karin Bernhardt. Ein Hauptverursacher sei die Kohleverbrennung.

Darüber hinaus werden im Halbendorfer See auch Überschreitungen für die ebenfalls überall vertretenen Stoffe Cadmium und Tributylzinn festgestellt. Die diffusen Einträge seien globaler Natur und könnten daher nicht genau lokalisiert werden.

Das Restloch des Tagebaus Trebendorfer Felder beinhaltete im Jahr 2015 ein „mäßiges ökologisches Potenzial. Zum einen war das Phytoplanktion, also Kleinstlebewesen, nur in befriedigender Größenordnung vorhanden. Zum anderen wurde ein Zuviel an Dibutylzinn, einer Substanz aus der chemischen Industrie, festgestellt. Der entsprechende Grenzwert ist inzwischen aber aufgehoben worden.

Immerhin: Die Messungen der Jahre 2015 bis 2017 ergaben für das Schwermetall Cadmium keine Auffälligkeiten mehr. Ebenfalls rückläufig sind die Zinnverbindungen. Allerdings stellen die Quecksilber-Verbindungen ein flächendeckend ungelöstes Problem dar. „Daher beschränkt sich der Handlungsbedarf nicht nur auf den Hal­bendorfer See. Quecksilber-Einträge aus der Luft sind ein bundesweites Problem“, erklärt Karin Bernhardt.

Was das ökologische Potenzial angeht, befinde sich das Gewässer auf einem guten Weg. Der Grund: Die Bewertung für das Phytoplankton wurde an die Verhältnisse in sauren Seen angepasst. Nach Angaben des sächsischen Umweltamtes bewegt sich der Wert zwischen drei und 3,3. Der See ist also nach wie vor sehr sauer.

Indes besitzt der Halbendorfer See nach der EU-Badegewässerrichtlinie eine ausgezeichnete Qualität. So gibt es keine Gefahr von Blaualgen und ähnlichen Lebewesen. Darüber hinaus präsentiert sich das knapp 81 Hektar große und bis zu 29 Meter tiefe Gewässer frei von Schwemmstoffen, Glas, Plastik und Abfällen.