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| 17:31 Uhr

Pumpak – der "Fette" von Rietschen

Erwischt: Der Wolf beim Stöbern auf einem Komposthaufen in einem Ortsteil von Rietschen.
Erwischt: Der Wolf beim Stöbern auf einem Komposthaufen in einem Ortsteil von Rietschen. FOTO: Lupus
Rietschen. Seit November treibt ein Wolf in Rietschen sein Unwesen. Das Landratsamt Görlitz hat inzwischen das Lupus Institut für Wolfsmonitoring und -forschung beauftragt, intensiv nach Auslösereizen für den Wolfsbesuch in Rietschen zu suchen. Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit mit Polen verstärkt werden. Christian Köhler

Seit November 2016 stattet ein Wolf aus dem Nachbarland Polen regelmäßig Besuche in Rietschen ab. "Pumpak" - das ist polnisch und heißt so viel wie der "Fette" - soll laut Wolfsbüro in Sachsen ein junger Wolfsrüde des polnischen "Ruszow Rudels" sein, der nach Angaben polnischer Wissenschaftler als Welpe von Menschen gefüttert worden ist. Aufgrund dieser, für ihn positiven Erfahrungen, sucht er gezielt in Siedlungen nach Fressbarem. Wolfgang Schmidt, Gemeinderat und stellvertretender Vorsitzender der Jagdgenossenschaft in Rietschen, berichtet, dass der Wolf bereits hinter der Fema, in Teicha, Neuhammer und an der Alten Ziegelei gesehen wurde. "Ich denke, das Tier geht an Komposthaufen, um Nahrung zu suchen." Von einer Anwohnerin in Rietschen ist "Pumpak" - der aufgrund eines Bruches eine Gehbehinderung hat - sogar durch das Fenster ihres Hauses fotografiert worden. "Ich bin aber ganz entspannt und auf keinen Fall gegen den Wolf", erklärt Wolfgang Schmidt.

Ein "Problemwolf" ist er deshalb aber nicht. "Es gibt keine klare Definition, was ein Problemwolf ist", erklärt Jana Endel vom Kontaktbüro: "Der Begriff wird im Sprachgebrauch oft bei unterschiedlichsten unerwünschten Wolfsverhaltensweisen verwendet, was aber zur Information über die Sachlage nichts beiträgt."

Das Landratsamt Görlitz erklärt auf RUNDSCHAU-Nachfrage: Seit Eingang der ersten Sichtungsmeldungen in Teicha im November werde die Situation vor Ort durch ein intensives Monitoring begleitet, teilt Gerlind Walter mit. In einer Infoveranstaltung im Dezember wurden die Bewohner informiert und ein Merkblatt mit Hinweisen zum richtigen Verhalten ausgegeben.

"Zwar sind aktuell keine Hinweise auf gefährliches Verhalten des Wolfes gegenüber Menschen bekannt, jedoch birgt die ungewöhnliche Nähe zwischen Wolf und Mensch durchaus Konfliktpotenzial und ist für die Anwohner vor Ort nicht dauerhaft zumutbar", erklärt Jana Endel.

Rietschens Bürgermeister Ralf Brehmer (Freie Wähler) sieht das ähnlich, sagt aber: "Bei normalem menschlichen Verhalten, zu dem auch Respekt vor Gefahrensituationen gehört, halte ich diesen Wolf zurzeit nicht für gefährlicher als andere Tiere oder einige seiner genetischen Verwandten." Eine Entnahme, das heißt ein Abschuss, sei für ihn eine Möglichkeit, aber nicht die Einzige. Alternativ wären Vergrämungsmaßnahmen möglich. "Ich selbst bin sehr oft im Wald unterwegs, meine Joggingrunde liegt mitten im Wolfsgebiet. Ich sehe keine Veranlassung meine Runde zu ändern", so der Bürgermeister weiter.

Damit sich eine Nährung der Wölfe in Siedlungsgebieten nicht wiederholt "müssen wir und die polnischen Kollegen weiterhin immer wieder die Bevölkerung sensibilisieren, Wölfe nicht anzulocken oder anzufüttern", sagt Jan Endel. Außerdem zeige dieser Fall, wie wichtig ein funktionierendes Monitoring ist und auch die Bedeutung, genetische Ergebnisse abzugleichen und den Informationsaustausch mit polnischen Kollegen zu pflegen. Denn darüber wurde die Herkunft des Wolfes bestimmt.

Aktuelle Informationen

2016 wurden im Freistaat Sachsen 15 Rudel, drei Paare und ein territoriales Einzeltier nachgewiesen. Von diesen 19 Territorien konnten bisher 17 auch im laufenden Monitoringjahr bestätigt werden, heißt es vom Kontaktbüro.

Vom Cunewalder Rudel gibt es aktuell keine Nachweise mehr. Im Raum Spremberg ist es im vorigen Jahr zu Verschiebungen zwischen angrenzenden Wolfsterritorien gekommen. "Derzeit wird versucht, über das Monitoring abzuklären, welche Wölfe im Gebiet zwischen Schleife und Spremberg unterwegs sind und ob das Spremberger Rudel noch existiert", so Jana Endel.

Im Raum Bernsdorf wurde im letzten Monitoringjahr ein markierendes Paar nachgewiesen. Der Rüde wurde im Oktober bei Kamenz tot aufgefunden. Einige Tage später wurde bei Bernsdorf ein Welpe angefahren und aufgrund seiner Verletzungen eingeschläfert. Die Vermutung, dass er ein Nachkomme des Bernsdorfer Wolfspaares sein könnte, bestätigte sich nicht. Aktuell werde versucht, über genetische Untersuchungen festzustellen, ob der tote Welpe einem neuen Wolfspaar zuzuordnen ist und ob es sich bei diesem um dieselben Tiere handelt, die auch im Gebiet um Senftenberg nachgewiesen wurden.

Zum Jahreswechsel 2016 2017 konnte bisher in zehn Territorien (Biehain, Daubitz, Gohrischheide, Knappenrode, Königsbrücker Heide, Milkel, Nochten, Raschütz, Seenland, Raum Bernsdorf) der Nachweis von Welpen erbracht werden. Außerdem gibt es aus dem Daubaner und dem Neustädter Territorium Aufnahmen aus dem Sommer von automatischen Wildkameras, die die jeweilige Fähe mit Gesäuge zeigten.

Im Freistaat wurden 2016 insgesamt neun tote Wölfe erfasst. Davon kamen fünf durch Autounfälle ums Leben, wobei in einem Fall der Welpe den Zusammenstoß überlebte, aber anschließend eingeschläfert wurde. Bei einer Untersuchung stellte sich heraus, dass das Tier bereits einmal beschossen worden war. Zwei Wölfe starben eines natürlichen Todes.

2016 wurden dem Wolfsmanagement 71 Übergriffe auf Nutztiere gemeldet. Davon konnte in 44 Fällen der Wolf als Verursacher festgestellt oder nicht ausgeschlossen werden. Bei den 44 bestätigten Übergriffen wurden 219 Nutztiere getötet, 15 sind vermisst und 19 weitere wurden verletzt. Bei den geschädigten Nutztieren handelt es sich um 222 Schafe, vier Ziegen, drei Rinder und 24 Stück Wild in Gattern (Dam-, Sika- und Muffelwild).

www.lr-online.de/lausitzer-woelfe

Zum Thema:
Zum 1. Januar wurde das Kontaktbüro "Wolfsregion Lausitz", die zentrale Informationsstelle zum Thema Wolf im Freistaat Sachsen, umbenannt in Kontaktbüro "Wölfe in Sachsen". Ab sofort ist das Kontaktbüro unter der E-Mailadresse kontaktbuero@wolf-sachsen.de erreichbar. Auf der Internetseite www.wolf-sachsen.de gibt es umfangreiche Informationen zum Thema Wolf. Der Bevölkerung wird geraten: Speisereste unzugänglich entsorgen und die Tiere nicht anlocken. Alle Hinweise oder Wolfssichtungen sollten dem Landratsamt Görlitz, dem Kontaktbüro oder dem Lupus Institut gemeldet werden.