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Pückler-Brauerei zieht magisch an

Bürgermeister Andreas Bänder (r.) führt die Gäste durch seine frühere Arbeitsstätte, die VEB Parkbrauerei Bad Muskau.
Bürgermeister Andreas Bänder (r.) führt die Gäste durch seine frühere Arbeitsstätte, die VEB Parkbrauerei Bad Muskau. FOTO: amz
Bad Muskau. Unzählige Besucher aus nah und fern haben am Tag des Denkmals die Pückler-Brauerei in Bad Muskau besucht. Erstmals seit mehreren Jahren stand das Haus, das in den Jahren 1844 und1845 durch den Standesherren Hermann von Pückler-Muskau errichtet worden war, wieder offen. amz

Der Freistaat Sachsen hatte die Immobilie Anfang des Jahres erworben.

Bereits vor der offiziellen Eröffnung strömten die Leute auf den Brauereihof. Schließlich prägt das sechsstöckige Brauereigebäude nicht unerheblich das Stadtbild. Oder wie es Cord Panning, der Geschäftsführer der Fürst-Pückler-Stiftung, formuliert: "Es ist ein Eingangstor zur Altstadt und zum Park." Das Gebäude wurde nach Plänen des bekannten preußischen Architekten Ludwig Persius (1803 - 1845) errichtet. Später kamen mehrere Anbauten hinzu. Heute gleicht das Ensemble allerdings einer Ruine, da der Gebäudekomplex seit der Wende leer steht. Zudem wurden die beiden oberen Etagen der eigentlichen Brauerei im Frühjahr 1945 durch die Kämpfe massiv beschädigt.

Bürgermeister Andreas Bänder hat an diese Stätte eine ganz besondere Erinnerung. Der 64-Jährige erlernte Ende der 1960er-Jahre in der Weißwasseraner Schnitter-Brauerei das Brauer- und Melzer-Handwerk. Von 1978 bis zur Wende arbeitete Bänder im Betriebsteil Bad Muskau. Dort wurden damals keine Biere mehr produziert, sondern alkoholfreie Getränke. Im Jahr 1974 endete die Bierherstellung in Bad Muskau. Andreas Bänder, der durchaus mit Gänsehaut-Gefühlen seine frühere Wirkungsstätte betreten hat, erklärt den vielen Besuchern die Funktionsweise der Brauerei. Er verweist auf die Geschicklichkeit und die nicht selten körperlich anstrengende Arbeit, die es tagtäglich im Schichtbetrieb zu verrichten galt. "Wäre ich 20 Jahre jünger, hätte ich die Brauerei wieder aufgemacht", sagt das Stadtoberhaupt augenzwinkernd. Immerhin: Warum sollte in Bad Muskau künftig nicht wieder Bier gebraut werden? Und womöglich in der historischen Pückler-Brauerei? Denn für die künftige Nutzung des Gebäudekomplexes gibt es laut Cord Panning bislang keine konkreten Vorstellungen. Da wäre die Bierherstellung durchaus eine spannende Option. Und Bänder ergänzt, dass man schon mit einer Anlage für 30 000 oder 40 000 Euro den Gerstensaft für den Eigenbedarf herstellen könne.

Mehr noch: Möglicherweise gibt es in Bad Muskau sogar eine kleine Sensation. Denn die aus Kromlau stammende Studentin Paula Lailach hat im Rahmen ihres Praktikums recherchiert, dass in der Neißestadt das Bier womöglich schon wesentlich eher nach Pilsener Brauart hergestellt wurde als in Radeberg. Die dortige, im Jahr 1872 gegründete Brauerei gilt nach eigenen Angaben als Deutschlands erste, die mit diesem Verfahren arbeitete. In Bad Muskau könnte dies schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts der Fall gewesen sein. Laut Paula Lailach handelt es sich aber bislang nur um eine These. Die Beweise müssen folgen. Weitere Recherchen sind im nächsten Jahr geplant. Dann sollen an der Pückler-Brauerei die Bauleute anrücken. "Wir wollen sie unbedingt vor dem weiteren Verfall retten", gibt Cord Panning die Marschrichtung vor. Vor allem die Sicherung des Daches liegt den Experten am Herzen.

Zudem sollen verschiedene Anbauten abgerissen werden. Die eigentliche Sanierung dürfte sich über mehrere Jahre erstrecken und einen Millionenbeitrag kosten. "Wir sind dann aber nicht unter Zeitdruck", stellt Panning klar. Schließlich hätten es viele Bad Muskauer in den 1990er-Jahren auch nicht für möglich gehalten, dass das Neue Schloss, damals eine ausgebrannte Ruine, einmal in neuem Glanz erstrahlen würde. Und was die künftige Nutzung der Brauerei anbetrifft, ist für Cord Panning der "Bad Muskauer Dreiklang" vorstellbar: nämlich eine Mischung aus Natur, Kultur und Gesundheit. Nicht zuletzt, so ergänzt Bürgermeister Bänder, habe Bier zu DDR-Zeiten als gesundes Getränk gegolten.