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| 13:48 Uhr

Naturschutz
Problembiber soll umgesiedelt werden

Hier hat der Biber an den Bäumen an der Räderschnitza in Gablenz ganze Arbeit geleistet.
Hier hat der Biber an den Bäumen an der Räderschnitza in Gablenz ganze Arbeit geleistet. FOTO: Ingolf Tschätsch
Gablenz. Das Tier fühlt sich scheinbar in Gablenz sehr wohl und ist in Richtung Ortsmitte gezogen. Dort sorgt es an Bäumen für Schäden.

Dass Gablenz ein schöner Ort zum Leben ist, das betonen nicht nur die Gemeindeoberen immer wieder, sondern das ist auch beim Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ mit dem Platz zwei sozusagen manifestiert worden. Dass muss sich auch bis zum Biber rumgesprochen haben, der sich scheinbar in der Ortsmitte häuslich eingerichtet hat.  Was vielleicht lustig klingt, findet in Gablenz keiner mehr so wirklich zum Lachen. Denn mittlerweile gibt es nun weitere Probleme mit diesen Tieren, die seit 2015 am Flüsschen Räderschnitza heimisch geworden sind. Das hat Bürgermeister Dietmar Noack (CDU) in der jüngsten Gemeinderatssitzung bestätigt.

Bis zu zehn Bäume mitten im Dorf sind vom eifrigen Nager angespitzt oder gefällt worden. Passiert ist das nahe Kieschnicks Lusche entlang der Räderschnitza. Von den von ihm gefällten Bäumen verzehrt er die Zweige, die Astrinde und die Blätter. Er scheint also einen ordentlichen Appetit zu haben. Hinzu kommt noch, so Noack, dass das Tier die Bäume auch unterhöhle. Laut Gemeindechef könne es so nicht weitergehen. Er forderte eine Entnahme des Bibers. Das sagte Noack nicht nur im Rat, sondern er hat diese Forderung bereits an die Kreisverwaltung herangetragen.

Die Entnahme sieht die Gemeinde auch aus vorbeugender Sicht als Notwendigkeit an. Denn mehrere Gablenzer haben den Nager bereits in der Puschtschina (einige sagen auch Puschina) nahe Bartelshof gesichtet. Dieses idyllische Fleckchen Erde ist dem Wirken des 1996 verstorbenen Lehrers Werner Paulick zu verdanken. Der wertvolle Baumbestand in dem kleinen Park soll weiter gedeihen können und nicht etwa auch noch Schaden nehmen.

Apropos Schaden. Den haben die possierlich anmutenden Tiere, die unter Naturschutz stehen, ja auch in der Vergangenheit bereits angerichtet. Die Landwirtschaftsflächen der Prohav mussten im Herbst 2015 unter Überflutungen leiden. Im Herbst 2016 sorgten dann die von den Tieren gebauten Staudämme dafür, dass die Fließgeschwindigkeit der Räderschnitza gegen null tendierte. Das wirkte sich auf die Biokläranlagen der Grundstücksanrainer aus.

Damals konnte in Absprache mit der Landkreisverwaltung – in Sachen Biber geht nichts ohne Untere Naturschutzbehörde – sofort reagiert und behutsam eingegriffen werden. Doch der Biber reagierte anders als vom Menschen erhofft. „Er hat sich nicht ins Biotop zurückgezogen, wie angenommen worden war“, so Noack. Problembiber Bruno – so haben die ihn die Anwohner getauft – ist standhaft.

Die Maßnahmen im vergangenen Herbst hatten unerwartet zur Folge, dass sich ein Tier vom Familienverband abgesondert hat und nun ein eigenständiges Revier in der Ortslage Gablenz bildet, bestätigt die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Für die Anwohner sei die Lage jedoch weniger kritisch, da bisher keine Dämme in der Räderschnitza angelegt wurden, die zu den vorjährigen Problemen mit dem Abfluss der Hauskläranlagen geführt hatten, schätzt die Kreisverwaltung ein. Unangenehm und bedauerlich sind sicher die bisher durch das Tier gefällten Gehölze. Hier ergeht der Rat, dass man Vorsorge treffen könnte, indem wertvolle Gehölze durch eine Drahthose vor dem Biber geschützt werden.

Da es sich auf längere Sicht betrachtet um eine sehr problematische Biberansiedlung handelt, beabsichtigt die Untere Naturschutzbehörde demnächst eine Genehmigung zum Fang des Bibers zu erteilen und diesen in ein konfliktarmes Gebiet umzusiedeln.

Längst sind die Tiere nicht nur in Gablenz heimisch. Im letzten Herbst war auch Groß Düben von den Attacken der Nager betroffen. In der Legenitzka in Bad Muskau sind sie ebenfalls zu Hause. Im Bad Muskauer Park werden seit Längerem die Bäume entlang der Hermannsneiße mit Drahtgittern vor den Attacken der Nagetiere geschützt.

Wie viele Biber gibt es denn überhaupt im Landkreis? Aufgrund der verborgenen Lebensweise ist die Ermittlung einer Gesamtzahl von Bibern im Landkreis Görlitz kaum möglich, erklärt die Kreisverwaltung. Durch die Beobachtung ehrenamtlicher Naturschutzhelfer sei ein grober Überblick über die besiedelten Gebiete vorhanden. Allerdings kann eine belastbare aktuelle Zahl besetzter Biberreviere aufgrund der Lücken im Betreuernetz derzeit nicht angegeben werden. Doch hier verspricht sich die Untere Naturschutzbehörde Abhilfe durch die Einrichtung einer Stelle eines „Bibermanagers“ beim Landschaftspflegeverband Oberlausitz. Diese soll im zweiten Quartal diesen Jahres besetzt werden. Die Stelle ist mit Fördermitteln aus der Naturschutzrichtlinie „Natürliches Erbe 2014“ ausgestattet.

In den nächsten drei Jahren sollen in Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Biberbetreuern aktuelle Vorkommen dokumentiert, Gemeinden und Landnutzer informiert und gegebenenfalls problematische Biberansiedlungen in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde entschärft werden.

Biber bedürfen noch immer des Schutzes und sind deshalb gemäß europäischem und deutschem Recht eine streng zu schützende Art, wie auch der Fischotter. Die Tiere selbst dürfen deshalb nicht gefangen oder getötet werden. Auch seine Baue, Burgen und Dämme sind besonders geschützte Lebensstätten, die nicht geschädigt werden dürfen, steht auf der Internetseite des Landkreises zum Thema.

Blick in Puschtschina in Gablenz. Im Frühling und Sommer ein noch schöneres Fleckchen Erde. Auch dort soll der Biber schon gesichtet worden sein.
Blick in Puschtschina in Gablenz. Im Frühling und Sommer ein noch schöneres Fleckchen Erde. Auch dort soll der Biber schon gesichtet worden sein. FOTO: Regina Weiß
(rw)