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Projekt
Prinz Albrecht soll Wurzeln schlagen

Die ersten Obstbäume werden im Stadtgarten von Weißwasser gesetzt. Einst war die Fläche der Sportplatz der ehemaligen 6. Grundschule.
Die ersten Obstbäume werden im Stadtgarten von Weißwasser gesetzt. Einst war die Fläche der Sportplatz der ehemaligen 6. Grundschule. FOTO: Regina Weiß / LR
Weißwasser. Obstbäume kommen im Stadtgarten in Weißwasser in die Erde. Teil zwei des Projektes widmet sich dem Gemüse.

Das Angießen übernimmt am Dienstagnachmittag die Natur. Das Timing ist nicht ganz das Beste. „Es hätte auch etwas später regnen können“, erklärt Christian Hoffmann mit einem breiten Lachen. Doch als Diplomingenieur für Landschaftsnutzung und Naturschutz sowie Mitwirkender in der Initiative Stadtgärtner ist er bestens präpariert für die Arbeit draußen. Es soll gepflanzt werden. Dort, wo einst Grundschüler ihre Sport­runden drehten, soll künftig ein Stadtgarten einladen. Die Rede ist von der „Brachfläche“ zwischen der ehemaligen 6. Grundschule an der Heinrich-Hertz-Straße und dem angrenzenden Wohnblock an der Juri-Gagarin-Straße.

Mit dem Auszug der Grundschule im  Februar 2011 wurde der Sportplatz nicht mehr gebraucht. „Und jetzt bekommt er eine sinnvolle Nutzung. Das ist doch schön“, freut sich Anwohnerin Renate Bartholomäus. Damals sei es eine Freude gewesen, den Kindern auch bei der Arbeit im Schulgarten zuzusehen. Dieser befand sich gleich neben dem Sportplatz. „Jetzt können wir den Kindern im neuen Stadtgarten zeigen, wo das Obst herkommt“, freut sich die Anwohnerin. Die Baumpflanzaktion hält sie gleich mal als Foto auf dem Handy fest. Für sie gehören aber nicht nur Obstgehölze auf die Flächen, sondern möglichst auch noch viele Sträucher.

Doch am Dienstag machen die Bäume den Anfang.  Es sind alles Sorten, die in die Oberlausitz passen, erklärt Landschaftsarchitektin Adina Kunath. Zurück zu den Wurzeln sozusagen. Alte Obstsorten werden in Weißwasser gepflanzt. Und so sollen der Weiße Klarapfel, Ontario, Prinz Albrecht von Preußen und der Safranapfel gut anwachsen.

Den Anfang macht allerdings ein Kirschbaum, eine Gelbe Knorpelkirsche. Bevor sie auch mit Hilfe der Iraker Ahmad Salem und Wisam Abdulah eingesetzt wird, werden die kleinen Wurzeln gekürzt, damit sie sich in der Erde schnell neu bilden können. Ob die Kirsche gut Wurzeln schlägt, groß und stark wird, das wird Mia Maja Heimann ganz genau beobachten. Die 14-jährige Weißwasseranerin ist Baumpatin. „Ich mag Bäume und Kirschen ganz besonders“, erzählt sie der RUNDSCHAU. Das auch deshalb, weil sie gerne bäckt, auch Kirschkuchen. Von Ansis Krause, dem Geschäftsführer der Gesellschaft für Arbeit und Beschäftigung (GAB), hat sie von dem Projekt erfahren und war gleich begeistert.

Das Vorhaben hat übrigens eine längere Vorgeschichte. GAB, Impuls-Verein vom Korczak-Haus und die Mobile Jugendarbeit wollten das Thema Stadtgarten gemeinsam angehen. Das war noch die Zeit, als die Turnhalle der ehemaligen 6. Grundschule zum Mehrgenerationshaus werden sollte. Das Projekt musste zu den Akten gelegt werden. Der Stadtgarten nicht. Fördermittel beim Europäischen Sozialfonds wurden beantragt und genehmigt. „Aktiv und Sozial im Wohnquartier“ ist der Titel, unter dem das Vorhaben über zwei Jahre in Weißwasser läuft, das Landschaftsarchitekten als Honorarkräfte, Sozialarbeiter sowie möglichst alle Altersschichten zusammenbringt. „Ich finde es gut, dass so was in Weißwasser passiert“, lobt schon mal die interessierte Bürgerin Christel Jaschke, der aus Arbeitstagen der grüne Daumen erhalten geblieben ist.

Rund 240 000 Euro umfasst das Vorhaben, so Ansis Krause. Dazu gehört die Beschäftigung im Garten, die Pflege der Gehölze, die Ausgestaltung des Terrains, Sozialstunden, kleine Feste und anderes mehr. Es soll nicht nur für neues Grün im Quartier, sondern auch für Begegnungen sorgen. Teil zwei des Vorhabens wird dann am Korczak-Haus in der Straße der Jugend umgesetzt. Die Winterzeit will man nutzen, um Hochbeete zu bauen, um möglichst für die Frühjahrsbestellung gewappnet zu sein, berichtet Andrea Kotzam. Wenn dann alles wächst und gedeiht, sind Öffnungszeiten für den Gemüsegarten denkbar. Im besten Fall kommt es dann rund um Kohlrabi, Möhren, Rosmarin und Basilikum zum Austausch, und wenn es der über Rezepte ist.

Die Obstbäume kommen aus der Baumschule Schwartz in Löbau. Es sind alte Obstsorten.
Die Obstbäume kommen aus der Baumschule Schwartz in Löbau. Es sind alte Obstsorten. FOTO: Regina Weiß / LR
Mia Maja Heimann ist Baumpatin. GAB-Geschäftsführer Ansis Krause hatte ihr von dem Projekt erzählt.
Mia Maja Heimann ist Baumpatin. GAB-Geschäftsführer Ansis Krause hatte ihr von dem Projekt erzählt. FOTO: Regina Weiß / LR