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Praktisch: Runde Fahrpläne passen in die Taschenuhr

Die Waldeisenbahner Bernd Krasel (l.) und Bernd Proft präsentieren in der neuen Ausstellung einen Elektro-Gepäckkarren, der einst Koffer und Taschen der Reisenden auf den Bahnsteigen zu den Zügen transportierte. Das Besondere: Die Gefährte werden per Fuß gelenkt.
Die Waldeisenbahner Bernd Krasel (l.) und Bernd Proft präsentieren in der neuen Ausstellung einen Elektro-Gepäckkarren, der einst Koffer und Taschen der Reisenden auf den Bahnsteigen zu den Zügen transportierte. Das Besondere: Die Gefährte werden per Fuß gelenkt. FOTO: amz1
Weißwasser. Liebevoll gestaltetes Café hat zum Museumsfest Premiere. Spannende Sonderausstellung zu 150 Jahren Eisenbahn in Weißwasser eröffnet. amz1

Höhepunkt des Museumsfestes der Waldeisenbahn ist die Sonderausstellung "150 Jahre Eisenbahn in Weißwasser". Denn: Am Silvestertag 1867 war die Bahntrasse von Berlin über Weißwasser nach Görlitz offiziell in Betrieb genommen worden. Bereits im Mai desselben Jahres hatte der erste Zug auf Probe erfolgreich die damalige Glasmacher-Gemeinde angesteuert. Zahlreiche Utensilien haben die Eisenbahnfreunde für die Ausstellung zusammengetragen. So gibt es unter anderem einen originalen Signalflügel zu sehen, ebenso eine Vorsignalscheibe. Diverse Zuglaufschilder fehlen auch nicht. Ebenfalls ein Hingucker sind die historischen Fahrkarten. So kostete Anfang der 1950er-Jahre eine Zugreise von Bad Muskau über Weißwasser nach Berlin in der dritten Klasse 14,70 Mark. Zum Vergleich: Heute ist ein Ticket für die Strecke von Weißwasser in die Hauptstadt in der zweiten Klasse für 36,30 Euro zu haben. Die Strecke nach Bad Muskau ist bereits seit der Jahrtausendwende endgültig stillgelegt. Der Personenverkehr endete dort schon vor genau 40 Jahren.

Auch manchen alten Fahrplan können Eisenbahnfreunde in der Ausstellung studieren. Besonders originell: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden im Zuge der Fahrplanwechsel die entsprechenden Zeiten immer in der Tagespresse veröffentlicht. Darüber hinaus gab es winzige, kreisrunde Fahrpläne. Warum? "Damit sie in die damals sehr gefragten Taschenuhren eingelegt werden konnten", erklärt Bernd Krasel. Die Ausstellung des WEM-Vereins kann das nächste Mal am Wochenende 7. und 8. Oktober besichtigt werden.

Darüber hinaus sind zum Waldbahnfest auch die Modelleisenbahner präsent. Zu sehen gibt es beispielsweise eine Miniaturausgabe einer slowakischen Waldeisenbahn. In diesem Land, so berichtet Modellbahner Uwe Bachmann aus Chemnitz, konnten einst manche Streckennetze durchaus mit dem der Muskauer Waldeisenbahn konkurrieren.

Natürlich fehlt während des Museumsfestes an der Teichstraße auch der reguläre Fahrbetrieb der Schmalspurbahn nicht. Im Angebot sind auch wieder Touren zum Schweren Berg am Südrand von Weißwasser. Diese Strecke war erst zu Ostern eröffnet worden. "Die Trasse wird sehr gut angenommen. Bislang waren alle Fahrten stets ausgebucht", weiß Bernd Krasel zu berichten. Insgesamt habe die Muskauer Waldeisenbahn heute ein Netz von 20 Kilometern befahrbarer Strecke. In der Spurbreite von 600 Millimetern handele es sich um die umfangreichste Bahn dieser Art in ganz Deutschland. Die Waldeisenbahner, derzeit sind es mehr als 60, haben jede Menge zu tun, um Strecken, Loks und Bahnen in einem hervorragenden Zustand zu erhalten. Weitere Netzerweiterungen würden die Kapazität des Vereins sprengen.

Visionen, eine Trasse bis zum Findlingspark Nochten aufzubauen, muss Bernd Krasel eine Absage erteilen: "Das ist logistisch und personell nicht machbar."

Eine Premiere hat es zum diesjährigen Museumsfest der Muskauer Waldeisenbahn gegeben. Erstmals sind die Besucher ins Waldbahn-Café eingeladen. Die tüchtigen Frauen der Mitglieder des Vereins "Waldeisenbahn Muskau" (WEM) haben in der alten Bahnhalle liebevoll ein kleines Café eingerichtet. An sechs Tischen im besonderen Ambiente dürfen die Gäste Platz nehmen und den selbst gebackenen Kuchen probieren. "Das kommt super an", resümiert er.