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Bundesautobahn 4
Polizei intensiviert Kontrollen auf der A 4

ARCHIV - Eine Rettungsgasse ist am 11.05.2016 auf der Autobahn 2 in Hannover (Niedersachsen) nach einem Unfall von den Fahrzeugen gebildet worden.  (zu dpa "Strengere Strafen für Verkehrssünder - bis hin zum Fahrverbot" am 19.10.2017) Foto: Peter Steffen/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
ARCHIV - Eine Rettungsgasse ist am 11.05.2016 auf der Autobahn 2 in Hannover (Niedersachsen) nach einem Unfall von den Fahrzeugen gebildet worden. (zu dpa "Strengere Strafen für Verkehrssünder - bis hin zum Fahrverbot" am 19.10.2017) Foto: Peter Steffen/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ FOTO: Peter Steffen / dpa
Görlitz. Asphalt-Probleme beim Straßenbau, kilometerlange Staus, liegengebliebene Lastwagen und viele Unfälle – davon ist seit Wochen das Geschehen auf der BAB 4 gekennzeichnet. An den Kollisionen sind oft Busse und Brummis beteiligt.

Ob Kraftfahrer, Polizisten, Feuerwehrleute, Rettungskräfte oder Bauarbeiter – das aktuelle Geschehen auf der BAB 4 zehrt an ihren Nerven. Die Polizeidirektion Görlitz ist für die knapp 90 Kilometer dieser Autobahn zwischen Hermsdorf und der polnischen Staatsgrenze zuständig. Wie sie mitteilt, haben sich im Jahr 2016 dort 637 Verkehrsunfälle ereignet, wovon bei 74 Personen zu Schaden kamen. Im ersten Halbjahr 2017 ereigneten sich 303 Unfälle, wobei bei 48 Menschen verletzt wurden.

„Der Schwerlastverkehr (Busse, Lkw über 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht mit oder ohne Anhänger sowie Sattelzüge) spielte dabei eine nicht unerhebliche Rolle“, schätzt die Polizeidirektion ein. 2016 haben sich 33 Prozent der Unfälle (213) unter Beteiligung des Schwerlastverkehrs ereignet. Davon waren die Bus- und Brummifahrer zu knapp 72 Prozent (153 Unfälle) als Unfallverursacher erfasst. Ähnlich sieht es im ersten Halbjahr 2017 aus. Bei den 303 Unfällen war der Schwerlastverkehr zu 32 Prozent beteiligt. Davon waren ebenfalls bei knapp drei Vierteln die schwereren Gefährte unfallursächlich.

Als Hauptunfallursachen sind vor allem zu geringer Sicherheitsabstand, unangepasste Geschwindigkeit, Fehler bei Überholmanövern, aber auch der technische Zustand der Fahrzeuge hervorzuheben. An Stauenden und in Baustellenbereichen kommen meist noch eine mangelhafte Aufmerksamkeit oder liegengebliebene Fahrzeuge dazu.

Weiterhin entstehen gelegentlich brenzlige Situationen im Bereich der Park- und Rastplätze. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens haben die vorhandenen Stellplätze oft nicht ausreichend Kapazität. Dadurch kann es zu Rückstaus und gefährlichen „Hindernisbildungen“ auf dem Standstreifen kommen.

Die Polizeidirektion Görlitz führt daher regelmäßig Kontroll- sowie Verkehrsüberwachungsmaßnahmen durch, um solche Schwerpunkte auszumachen, Gefahrenquellen zu minimieren und dadurch negative Auswirkungen auf den täglichen Verkehr und darüber hinaus auf soziale Bereiche und die Wirtschaft abzuwenden. So haben im Jahr 2016 Polizeibeamte hinsichtlich der Überwachung des gewerblichen Güter- und Personenverkehrs insgesamt 6654 Fahrzeuge kontrolliert. Dabei hatten sie bei über einem Drittel Grund für Beanstandungen. Im laufenden Jahr hat die Polizei bis einschließlich September 4512 Fahrzeuge überprüft. Auch dabei mussten die Ordnungshüter über ein Drittel der Gefährte bemängeln.

Die Kontrollen finden die Kontrollen nicht nur aus dem Funkstreifenwagen heraus, sondern auch aus erhöhter Sitzposition in Bussen oder der Luft statt. Der Polizeihubschrauber kam 2016 an acht Tagen unterstützend zum Einsatz. Die Piloten nutzten dabei ihren Blick von oben, um überwiegend Verstöße gegen den Mindestsicherheitsabstand sowie während der Überholvorgänge zu entdecken. Insgesamt leiteten die Beamten in diesem Zusammenhang 69 Ordnungswidrigkeitenverfahren ein oder erhoben Verwarngelder. Auch 2017 war das „fliegende Auge“ bisher sechs Mal im Einsatz. Im Ergebnis eröffneten die Ordnungshüter  bis dato 64 Verfahren oder sprachen Verwarngelder aus.

An acht Tagen im Jahr 2016 überwachten Polizisten mit angemieteten Bussen den Verkehr. So konnten sie besondere Einblicke quasi „auf Augenhöhe“ mit den Bus- und Lkw-Fahrern erlangen. Die Beamten kontrollierten so 82 Fahrzeuge und ihre Lenker, wobei sie 41 ordnungswidrige Verstöße feststellten und 20 Mal den Verwarngeldblock zücken mussten. Dabei hatten die Kraftfahrer vor allem ihre Sicherheitsgurte nicht angelegt, während der Fahrt telefoniert oder sich mit anderen, ablenkenden Tätigkeiten beschäftigt. Der große Teil der Bus- und Lkw-Lenker konzentrierte sich jedoch auf den Straßenverkehr, so die Beobachtung. 2017 kam der zivile Bus bereits sieben Mal zum Einsatz. 43 Verstöße stellten die Beamten fest.

Um die Sicherheit auf der Autobahn zu gewährleisten, setzt die Polizeidirektion Görlitz auf weitere, vielfältige Überwachungsmaßnahmen. Neben permanenten Kontrollen zur Einhaltung der Verkehrsregeln erfolgen mithilfe der sogenannten Lichtschranke oder zivilen Video-Messwagen zahlreiche Geschwindigkeits- und Abstandsmessungen. Auch die Überprüfung der Lenk- und Ruhezeiten sowie das Aufdecken eventueller Manipulationen am Fahrtenschreiber stehen dabei im Fokus der Beamten. Bei technischen Kontrollen, bei denen die Polizisten vor allem ein besonderes Augenmerk auf den Zustand der Reifen und Bremsen sowie die Ladungssicherung legen, werden häufig auch die speziell ausgebildeten Lkw-Kontrollgruppen eingesetzt.

„Auch wenn sich die aktuelle Baustellensituation um Pulsnitz und Ottendorf-Okrilla bald verbessern wird, ist damit aufgrund des tagtäglichen Verkehrsaufkommens die Gefahr von Unfällen und Staus auf der A4 nicht gebannt“, ist sich die Polizeidirektion Görlitz sicher. Die grundsätzlichen Ursachen bleiben bestehen. Daher wird die Polizeidirektion, unter der Führung der Verkehrspolizeiinspektion, die Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen weiterhin aufrechterhalten und sogar intensivieren. Die Verkehrsüberwachung stellt nach wie vor einen strategischen Schwerpunkt der Arbeit der Polizeidirektion Görlitz dar.

(dh)