In der Nacht vom 9. auf 10. November 1938 haben im damaligen Deutschen Reich Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen gebrannt. Jene Nacht vor 83 Jahren ging als Reichspogromnacht in die Geschichte ein. In Weißwasser und im Umland hatte damals die SA jüdische Wohnungen verwüstet, Pogrome in Weißwasser und Bad Muskau durchgeführt und das Büro in der Porzellanfabrik von Willy Schweig zerstört. Die Mutter von Willy Schweig, Regina Schweig, floh am 11. November 1938 nach Berlin, wurde später nach Theresienstadt deportiert und dort 1943 ermordet.
Reichspogromnacht in Bad Muskau und Weißwasser Die Folgen von Hass und Hetze

Weißwasser

Richard Pietsch hatte sich zudem vom jüdischen Arzt Dr. Herrmann Altmann behandeln lassen, hetzte die nationalsozialistische Zeitung „Der Stürmer“, dass man sich nicht von einem Juden behandeln lassen dürfe. Die Praxis von Dr. Altmann, sie befand sich in der Bismarck-Straße 9, der heutigen Straße der Glasmacher, wurde von der SA am 10. November 1938 verwüstet, Möbel waren auf die Straße geworfen worden. Nicht nur der Mediziner ist dabei ein Opfer geworden –– er verlor seine Approbation bereits im September 1938 – sondern auch die Wohnung vom jüdischen Ehepaar Magarethe und Max Pese im Weißwasseraner Knappenweg und den Bettfedernladen des Salo Hirschhorn in der Straße des Friedens. Hirschhorn selbst war als polnischer Staatsangehöriger bereits Ende Oktober 1938 von den Behörden nach Lodz abschoben worden. „Als sich August Scheffler der SA entgegen stellte, wurde er sechs Wochen ins Stadtgefängnis gesperrt“, berichtet Ortschronist Lutz Stucka.

Rundgang des Gedenkens in Weißwasser

Um an die Ereignisse zu gedenken, lädt die „Initiative Stolpersteine für Weißwasser“ am Mittwoch, 10. November um 17 Uhr auf dem Marktplatz nach Weißwasser zu einem Rundgang. Wie Franziska Stölzle von der Initiative weiter berichtet, werden an fünf verschiedenen Orten mit Musik und Texten an die jüdischen Menschen und deren Geschichten aus Weißwasser gedacht.
Der Rundgang dauert etwa eine Stunde und endet auf der Straße des Friedens. Die Veranstaltung konnte aufgrund der Pandemie im vergangenen Jahr nicht durchgeführt werden. Trotzdem fanden sich Menschen, die allein Blumen und Kerzen an die Orte jüdischer Menschen nieder legten.
Für den Rundgang können Teilnehmende Kerzen und Blumen mitbringen. Treffpunkt ist am Eingang des Rathauses. Es besteht die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung, hieß es.