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| 19:30 Uhr

Lausitzer Seenland
Plan vom Fahrgastschiff droht zu platzen

Blick über die Klittener Marina am südöstlichen Bärwalder See. Dort soll eine von drei Anlandestellen für das Fahrgastschiff entstehen.
Blick über die Klittener Marina am südöstlichen Bärwalder See. Dort soll eine von drei Anlandestellen für das Fahrgastschiff entstehen. FOTO: Radke Peter / Peter_Radke
Boxberg. Investor Armin Hoffmann verlangt bis Ende August Entscheidungen. Ansonsten gibt es auf dem Bärwalder See kein Fahrgastschiff. Von Torsten Richter-Zippack

Eigentlich soll die Fahrgastschifffahrt auf dem Bärwalder See zum 1. April 2019 starten. „Ich bin seit nunmehr drei Jahren bereit, investiere 2,2 Millionen Euro, besorge das Schiff und organisiere den Transport“, sagt Investor Armin Hoffmann von der Erlebnisschifffahrt Oberlausitz GmbH. „Allerdings benötige ich bis spätestens Ende August einen Vertrag mit der Gemeinde Boxberg. Ansonsten lasse ich alles platzen. Denn auch der Vertrag mit der Werft muss noch diesen Monat unterschrieben werden.“

Immerhin haben die Boxberger Gemeinderäte dem geforderten Vertragswerk jetzt grünes Licht gegeben. „Wir wollen nämlich die Fahrgastschifffahrt möglichst schnell auf den See bringen“, stellt der Seekoordinator der Gemeinde, Roman Krautz, klar. Allerdings müsse auch die See-Eigentümerin, die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), ins Vertragsboot geholt werden. Und dort klemmt es derzeit. Die LMBV macht, so Roman Krautz, ihre Unterschrift von einem Nutzungsvertrag zwischen ihr und der Gemeinde abhängig. Streitpunkt bildet unter anderem die Vertragsdauer. Diese war bislang auf jeweils ein Jahr angelegt. „Als Investor brauche ich aber eine Sicherheit von mindestens 15 Jahren“, sagt Armin Hoffmann. Nach Angaben von LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber will sein Unternehmen der Gemeinde entgegenkommen. „Wir haben uns bereits dahingehend geöffnet, dass auf die bislang geltende jährliche Kündigungsmöglichkeit verzichtet wird und der Vertrag zumindest bis zur Übergabe des Sees an den Freistaat Sachsen in Kraft treten soll.“ Eine weitergehende Regelung sei dann Sache des Freistaates. Der Bärwalder See solle mittelfristig Landesgewässer werden.

Einen weiteren Knackpunkt bilden die künftigen Anlandestellen für das Fahrgastschiff. Diese sollen in Boxberg, Klitten und Uhyst entstehen. Laut der LMBV liegen für Boxberg und Klitten bereits die Genehmigungen vor. Der Baubeginn könnte möglicherweise Anfang November erfolgen, die Vollendung, je nach Witterung, bis zum Jahresende. Die Realisierung des Standortes Uhyst würde dagegen erst im kommenden Jahr erfolgen.

Damit das Fahrgastschiff tatsächlich auf dem Bärwalder See verkehren kann, sind auch Genehmigungen vonseiten des Görlitzer Landratsamtes notwendig. „Das Verfahren läuft derzeit“, sagt Sprecherin Julia Bjar. Darüber hinaus muss die Landesdirektion ihren Segen erteilen. Die Dresdner Behörde ist für die Erklärung der Schiffbarkeit des Gewässers zuständig. Auch dort läuft derzeit das entsprechende Verfahren, teilt Sprecher Ingolf Ulrich mit. Dabei geht es unter anderem um Belange des Lärm- und Naturschutzes.

Indes wartet das künftige Fahrgastschiff auf dem Biggesee im Sauerland. „Es soll in fünf Einzelteile zerlegt und dann direkt am Bärwalder See wieder zusammengeschweißt werden“, erklärt Investor Armin Hoffmann. Sein Plan ist es, das Schiff Mitte Dezember in den See einzulassen. Ab dem Frühjahr 2019 solle der fahrplanmäßige Verkehr starten. Außerhalb der Saison seien auf Bestellung weitere Fahrten möglich. Insgesamt bietet das Schiff Platz für 650 Fahrgäste. Zum Vergleich: Die beiden Fahrgastschiffe auf dem Senftenberger See haben Kapazitäten für jeweils 110 Menschen.

„Ich mache wegen der derzeit unbefriedigenden Lage niemandem einen Vorwurf“, stellt Armin Hoffmann klar. „Und ich kann auch nachvollziehen, dass sich die LMBV in ihrem eigentlichen Betätigungsfeld mit höchster Vorsicht bewegt. Aber wir sind inzwischen ein ganzes Stück weiter. Jetzt geht es um die touristische Zukunft der Region. Deshalb benötigen wir politischen Druck, um die Vorhaben zügig voranzubringen.“ Und dieser politische Druck müsse bei der LMBV auch ankommen, ergänzt der Boxberger Bürgermeister Achim Junker.

Bislang verkehren auf dem Bärwalder See vor allem Segelboote. Ab 2019 soll das Fahrgastschiff fahren.
Bislang verkehren auf dem Bärwalder See vor allem Segelboote. Ab 2019 soll das Fahrgastschiff fahren. FOTO: Torsten Richter-Zippack