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| 18:10 Uhr

Kommunalwahl in Weißwasser
Wahlkampf mit harten Bandagen

 Dieses Banner hängt am Gebäude Schmiedestraße/Muskauer Straße in Weißwasser.
Dieses Banner hängt am Gebäude Schmiedestraße/Muskauer Straße in Weißwasser. FOTO: Christian Köhler
Weißwasser. In Weißwasser zieht ein riesen Wahlkampf-Plakat die Blicke auf sich. Es richtet sich gegen die Wählervereinigung Klartext. Ein AfD-Flyer schlägt ähnliche Töne an. Der Bürgermeister zeigt sich schockiert. Von Christian Köhler

Während am Montag einige Weißwasseraner stehen bleiben und nach oben schauen, interessiert es andere wiederum überhaupt nicht. Am Gebäude Schmiedestraße/Muskauer Straße in Weißwasser prangt ein großes Plakat

„Klartext-Filz abwählen“ steht dort in großen Lettern. Und: „Fördermittelverschwendung beenden“. Im Hintergrund ist der Neufert-Bau in Weißwasser zu sehen.

Während unklar ist, wer zu den Urhebern zählt, flattert am Wochenende in die Weißwasseraner Haushalte ein Flyer der AfD. Aufschrift: „Keine Steuergeldverschendung! Neufert-Bau stoppen“ heißt es dort.

Ferner ist auf einem zweiten AfD-Flyer zu lesen: „Der Lobbyistenwahlverein Klartext ist mit Unterstützung weiterer Stadträte verantwortlich für den jahrelangen Stillstand und finanziellen Niedergang der Großen Kreisstadt Weißwasser.“

Streit im AfD-Kreisverband Görlitz

Von einem AfD-Insider erfährt die RUNDSCHAU: „Im Kreisverband Görlitz herrscht seit einem Jahr ein Streit zwischen den Normalos und den Radikalen. Ich denke, die Radikalen haben die Überhand gewonnen. Auch in Weißwasser.“

Man würde nicht mehr zurückschrecken, so der Insider, mit „extremen Mitteln seine Ziele und Vorstellungen durchzusetzen“. Um Wahrheit und Fakten gehe es dabei schon lange nicht mehr, ist sich der Insider sicher.

Andreas Friebel (Klartext), der wieder für den Stadtrat antritt, meint: „Es sind immer nur die Menschen angreifbar, die auch wirklich was machen. Der Vorwurf, unsere Wählervereinigung wäre nur durch eigene Interessen geleitet, ist falsch. Unsere Kandidaten stehen für Vielfalt, Offenheit und Sachlichkeit.“

Weißwassers Oberbürgermeister entsetzt wegen Plakat und AfD-Flyer

Weißwassers Oberbürgermeister indessen erklärt auf RUNDSCHAU-Nachfrage: „Ich bin entsetzt über die gezielte Art und Weise, wie bereits im Vorfeld der Kommunalwahl in unserer Stadt die Weißwasseraner in die Irre geführt werden sollen.“

So spiele es nämlich sowohl in dem AfD-Flyer als auch auf dem Plakat offenbar keine Rolle, dass der Neufert-Bau in Weißwasser gar nicht im städtischen Eigentum ist. Ein bestehender Erbpachtvertrag zwischen dem privaten Eigner und dem Neufert-Bau-Verein ermöglicht es dem Verein, Mittel für die Sanierung „eines Schandfleckes der Stadt“, wie ihn der OB bezeichnete, zu beseitigen.

Und einen Einfluss darauf hat der Stadtrat nicht. „Das Engagement von Menschen, die sich die Sanierung und Belebung des Neufert-Bau und des Volkshauses zur ehrenamtlichen Aufgabe gemacht haben, wird hier wiederholt mit Füßen getreten“, so Torsten Pötzsch.

Vorsitzende des Neufert-Bau-Vereins lädt AfD ein

Der Vorsitzende des Neufert-Bau-Vereins, Holger Schmidt, erklärt: „Mit großer Verwunderung haben wir die jüngsten Vorwürfe gegen den Neufert-Bau zur Kenntnis genommen. Wir engagieren uns ohne finanzielle Vorteile und in unserer Freizeit für ein wichtiges Zeugnis der Stadtgeschichte, das zugleich ein deutschlandweit einmaliges Denkmal der Bauhaus-Moderne ist.“ Und: „Von einer Partei wie der AfD, die sich ihren Verlautbarungen nach für Mitbestimmung und Bürgerengagement einsetzt, hätten wir eigentlich erwartet, dass sie sich mit uns zusammensetzt. Das ist leider nicht passiert.“

Er lädt die AfD ein, sich im Rahmen des „Modellfall Weißwasser“ an den letzten beiden Juni-Wochenenden zu informieren. Der Verein habe nämlich „Engagement und Geld“ in die Stadt gebracht und komme „ohne städtische Gelder aus“.

Torsten Pötzsch indes sieht schon jetzt den „respektvollen und vernünftigen Umgang des neugewählten Stadtrates in Gefahr“.