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Parkverbund zieht größere Kreise

Nach der Unterschrift unter das neue Strategiepapier, das die Entwicklung des Parkverbundes bis 2022 festschreibt, haben die Partner des Parkverbundes für das Gruppenbild vor dem Neuen Schloss Aufstellung genommen.
Nach der Unterschrift unter das neue Strategiepapier, das die Entwicklung des Parkverbundes bis 2022 festschreibt, haben die Partner des Parkverbundes für das Gruppenbild vor dem Neuen Schloss Aufstellung genommen. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau. Aus Vier mach Neun – das ist die Schlagrichtung des Parkverbundes Lausitz. Neben den Anlagen in Bad Muskau, Branitz, Forst und Brody sollen Kromlau, Altdöbern, Zatonie und Zagan das Netzwerk wachsen lassen. Regina Weiß

Seit 2012 werden in der Schlossgärtnerei in Bad Muskau Ananas angebaut. Schon Pückler ließ die Frucht kultivieren, um sie zu genießen oder zu verschenken. Ob es damals bereits einen Ananaslikör gab, ist nicht bekannt. Den gibt es seit diesem Jahr, gefertigt von der Sächsischen Spirituosenmanufaktur in Kirschau und zu haben im Neuen Schloss in Bad Muskau. Diese hochprozentige Köstlichkeit kann nur hergestellt werden, weil die Ananas in der Parkstadt gut gedeiht. Gedeihen soll auch die Zusammenarbeit im Europäischen Parkverbund Lausitz. Also ist es ein gutes Omen, dass am Dienstag auf das Wachsen des Netzwerkes mit süßen Früchten in flüssiger Form angestoßen worden ist.

Im November 2010 war der Parkverbund offiziell gegründet worden. Von Graf Brühl bis Fürst Pückler hieß und heißt das Motto für den Verbund der Pücklerschen Parkanlagen Bad Muskau und Branitz, dem Rosengarten Forst und dem Brühlschen Schlosspark Brody (Pförten). Auch wenn sich Pückler und Brühl nie begegnet sind, haben sie doch ein historisch wichtiges Erbe hinterlassen: ihre Schlösser und Parks. Seitdem, so Sven Zuber von der Stadt Forst, könne auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit geschaut werden. Flyer und Webseite, interessante Publikationen, Ausstellungen, Projektförderungen stehen auf der Habenseite der Verbindung, die sich über die Jahre einen Namen gemacht habe. Und es gebe weiteres Potenzial, sind sich Parkverwaltungen und beteiligte Kommunen auf deutscher und polnischer Seite sicher. Deshalb sei die Strategie bis 2022 fortgeschrieben worden.

Dazu gehört, dass der Parkverbund im wahrsten Wortsinn größere Kreise zieht. Er soll um den Rhododendronpark Kromlau, den Park Altdöbern, den Park in Neschwitz und die Anlagen in Zatonie (Günthersdorf) und Zagan (Sagan) wachsen. Damit ist die brandenburgische, sächsische und polnische Seite jeweils ganz paritätisch aufgestellt. Drei mal drei sind dann neun Partner. Offiziell soll der Eintritt in den Parkverbund Anfang 2018 vollzogen werden, denn das ist das Jahr des europäischen Kulturerbes. "Wir müssen das Rennen gegen die Zeit gewinnen, um die Parkanlagen zu erhalten", formuliert Czeslaw Fiedorowicz, polnischer Präsident der Euroregion Spree-Neiße-Bober.

Dazu gehört beispielsweise, dass die Anlage in Zatonie regelrecht "wachgeküsst werden muss", so Gert Streidt, Direktor der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz. Voraussichtlich im Juli soll ein gemeinsamer Förderantrag von Cottbus und Zielona Gora (Grünberg) beschieden werden, der dann der reizvollen Anlage zugutekäme. Diese gehörte einst der Herzogin Dorothea von Sagan (gebürtige von Kurland). Gert Streidt erinnert diese Anlage mit der klassizistischen Schlossruine (seit 1945) an Bad Muskau. "Auch hier standen ja nur die Außenmauern", so Streidt.

Wenn die Zweitresidenz der Herzogin in den Parkverbund aufgenommen wird, dürfen Schloss und Park Zagan nicht fehlen. Dort gab es nicht nur eine interessante Gärtnerintrige, sondern Verbindungen zum preußischen Königshaus. "Ein fantastischer Besitz", schwärmt Cord Panning, Geschäftsführer der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau.

Bezugspunkte zu Pückler und Brühl, zum damaligen Zeitgeschehen, eine hohe gärtnerische Qualität und ein touristisches Renommee waren ausschlaggebend, bei der Suche nach neuen Partnern. Der Park in Altdöbern ist diesbezüglich laut Gert Streidt ein Muss. Mit Carl Heinrich von Heineken, dem Sekretär des Grafen Brühl, und Eduard Petzold, Garteninspekteur bei Pückler, gibt es gleich zwei Verbindungen, die für die Aufnahme in den Parkverbund sprechen.

Bei der Anlage in Neschwitz ist es die Zeit August des Starken, die das Band knüpfen hilft. Konkret geht es um eine seiner Mätressen, Ursula Katharina von Altenbockum - bekannter als Fürstin von Teschen.

Last but not least: Der Rhododendronpark Kromlau wird mit ins Boot geholt. Für Cord Panning liegt das quasi auf der Hand. Kromlau sei der Kontrapunkt zum Muskauer Park und eine Allegorie zu Dantes "Göttlicher Komödie". Dafür sprechen aus seiner Sicht die Basaltgruppen Himmel und Hölle. Das verboten gute Wettbewerbsbild der Rakotzbrücke sorge nun seit Monaten dafür, dass sich Interessenten aus der ganzen Welt am Rakotz einfinden auf der Suche nach der Mystik des Ortes.

Mit den neuen Partnern, so ist sich die Runde einig, wachse die Schlagkraft und die Entwicklungsmöglichkeit hin zu einer europäischen Gartenkulturregion. "Gemeinsam sind wir stark", formuliert es auch Berndt Weiße, Dezernent der Stadtverwaltung Cottbus. Das bezieht er nicht nur auf die Werbung im Verbund, sondern ebenso auf die gemeinsamen Anstrengungen für europäische Fördermittel. Denn auch der beste Gärtner braucht Geld zum Gärtnern.