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Parkbrauerei ist nun Fall für das Landgericht

Bad Muskau. Die Freude in Bad Muskau war groß, als Anfang Januar verkündet worden war, dass der Freistaat Sachsen die Parkbrauerei in Bad Muskau übernimmt. Doch diese Freude erfährt nun einen Dämpfer. Das Landgericht muss klären, ob bei der Zwangsversteigerung alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Regina Weiß

Wenn in der Parkstadt mal wieder etwas länger dauert - wobei dann immer von Jahren die Rede ist - dann hat Bad Muskaus Bürgermeister Andreas Bänder (CDU) dafür eine Erklärung parat: "Es liegt hier bei uns an den Erdstrahlen." Diese scheinen nun wieder voll zugeschlagen zu haben.

Denn die Eigentumsübertragung der Parkbrauerei samt Niederländischen Hof an den Staatsbetrieb Zentrales Flächenmanagement Sachsen (ZFM) wird länger dauern, als alle Beteiligten noch vor knapp 14 Tagen gedacht haben.

Es wabberte schon durch Bad Muskau, dass nach der Versteigerung was im Gange sei. Doch keiner wusste etwas Genaues. Am Freitag hat die RUNDSCHAU beim Amtsgericht Görlitz nachgefragt. Dort hatte am 11. Januar die Versteigerung des 4316 Quadratmeter großen Grundstücks stattgefunden. Vier Bieter waren anwesend gewesen. Am Ende bekam der Freistaat den Zuschlag. "Einer der Gläubiger hat Rechtsmittel gegen die Zwangsversteigerung eingelegt", so Richter Andreas Pech. Damit ficht derjenige die Zuschlagserteilung an. Die Parkbrauerei wird damit ein Fall fürs Landgericht. Denn dort muss der weitere Fortgang entschieden werden, teilt Andreas Pech auf Nachfrage mit. Hinter dem Zeitfaktor steht demzufolge ein großes Fragezeichen.

Dabei sollte man sich gar nicht mehr so viel Zeit lassen, wenn es um die Sicherung der Brauerei geht. Nachdem das Objekt Jahrzehnte leer gestanden hatte, haben der Zahn der Zeit und Witterungsunbilden ihre Spuren hinterlassen. "Man muss nur mal auf den Schornstein gucken, wie schief der steht. Wenn der runterkommt, das tut dem Gebäude nicht gut", erklärt Cord Panning, Geschäftsführer der Stiftung Fürst-Pückler-Park, im Gespräch mit der Heimatzeitung.

Dabei stamme der untere Teil dieser Esse noch aus der Bauzeit des Ensembles. Auf die Sicherung der Eiskeller macht auch Andreas Bänder aufmerksam. Das Dach der darüberstehenden ehemaligen Limosta sei eingebrochen. So sei der Weg frei für größere Schäden. "Schnelles Handeln ist notwendig", so Bänder.

Außerdem wollte die Stiftung die Zeit bis Ende Februar nutzen, um auf dem Gelände beim Wildwuchs Hand anzulegen und dort einiges zu beräumen. Ob dieses Zeitfenster noch eingehalten werden kann, ist nun fraglich. Erstmals soll beim Tag des offenen Denkmals am 10. September die Brauerei für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden - so war bisher der Plan.

Der Freistaat musste bei der Versteigerung am 11. Januar 100 000 Euro bieten, um Meistbietender zu sein. "Ansonsten hätten andere Bieter den Zuschlag erhalten", so Referent Alwin-Rainer Zipfl aus dem Sächsischen Finanzministerium. Der Erwerb erfolgte, weil das Grundstück für den Unesco-Welterbestatus des Muskauer Parkes mit Blick auf den Umgebungsschutz eine besonders herausragende Bedeutung hat. Sie wurde 1844/ 45 unter Fürst Pückler durch den wichtigsten preußischen Architekten der damaligen Zeit, Ludwig Persius, nach dem Vorbild der Berliner Bauakademie errichtet.