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Parkbesucher sehen dunkelrot

Ein Hingucker im Herrengarten sind die sogenannten Spinnenblumen.
Ein Hingucker im Herrengarten sind die sogenannten Spinnenblumen. FOTO: amz1
Bad Muskau. Besucher lassen sich durch die Blumenpracht rund um das Bad Muskauer Schloss führen. Sie erfahren, dass Pückler auf Blau stand und warum es ein blühendes "S" gibt. amz1

Riesige, uralte Bäume. Sichtachsen zu markanten Punkten. Elegant geführte Wege. Kleine und große Wasserflächen. Und mittendrin ein wunderschönes Schloss. Diese Bilder erwarten in der Regel die meisten Besucher des Muskauer Parks. Aber Blumen?

Die gibt es natürlich auch. Nämlich gleich an drei Standorten im Pleasureground, dem Bereich in unmittelbarer Nachbarschaft des Schlosses.

Da wäre zunächst der Schlossgarten. Wunderschöne, gefächerte Beete präsentieren sich dort, und in der Mitte leuchtet ein rotes H. Die roten Pelargonien heben sich wunderbar vom umgebenden grünen Rasen ab. Der Buchstabe H steht für Parkbegründer Hermann von Pückler. Der soll, so berichtet Ewa Johna, Landschaftsarchitektin und Mitarbeiterin der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau, ein großes Interesse an Blumen besessen haben. "Aus alten Unterlagen wissen wir, dass es zu seiner Zeit alljährlich von Mai bis Oktober einen wunderbaren Blütenflor gab", erzählt die Expertin. Bis zu 200 Arbeiter sorgten für die passenden Blumen. Heute gibt es im Muskauer Park weit weniger Gärtner, doch die Blütenpracht weiß noch immer zu begeistern.

Indes, so Ewa Johna, gleiche kein Jahr dem anderen. Für 2017 hätten sich die Parkgärtner auf die Farbe Dunkel- beziehungsweise Weinrot spezialisiert, zumindest was den Bereich am Schloss angeht. Dafür sorgen unter anderem die zahlreiche Fuchsschwänze, deren Farbe an einen reifen Bordeaux-Wein erinnert. In ähnlicher Farbe präsentiert sich die Schokominze. Und das dunkle Rot ist ebenso die bestimmende Farbe in Pücklers Füllhorn, einer in dieser Form angelegten Blumenrabatte.

Natürlich dürfen am Schloss auch die roten Rosen nicht fehlen. Manche Sorten stammen aus dem Forster Rosengarten. Wenn es im Park ein blumiges H gibt, darf auch ein blühendes S nicht fehlen. Und zwar wiederum eine Rabatte mit dem Aussehen des namensgebenden Buchstabens. Dort wuchsen einst Rosen und Vergissmeinnicht. Allerdings ist dieser Glanzpunkt, der sich einst an der Frontansicht des Schlosses zwischen den beiden höchsten Türmen befand, im Zuge von Umbauarbeiten verschwunden. Mit dem S war übrigens Pücklers Frau Lucie gemeint, die der Schlossherr liebevoll "Schnuckelchen" genannt haben soll.

Eine weitere Blüh-Oase im Muskauer Park befindet sich im Blauen Garten, nur einen Steinwurf vom Schloss entfernt. Wahrzeichen bildet die blaue Brücke, an deren Geländer Pflanztöpfe mit knallroten Fuchsien hängen. "Ein wunderbarer Farbkontrast", weiß Ewa Johna. Natürlich fehlen auch die blau-violetten Hortensienblüten nicht. Schließlich ist Bad Muskau offiziell Hortensienstadt.

Die große Kunst im Blauen Garten besteht nun darin, unter hohen Bäumen, die jede Menge Schatten spenden, möglichst über den gesamten Sommer durchweg blühende Rabatten zu zaubern. Das bedürfe einer intensiven Pflege. Öfter müsse auch mal nachgepflanzt werden.

Drittes Blüh-Ensemble im Muskauer Park ist der sich an den Blauen Garten unmittelbar anschließende Herrengarten. Die Blumen präsentieren sich in blau, rot und gelb. "Pückler mochte die reinen Farben", berichtet Ewa Johna. Besonders habe der Schlossherr auf Blau gestanden.

Übrigens wurde der Herrengarten erst vor rund anderthalb Jahrzehnten wieder zu neuem Leben erweckt. Im Rahmen eines Studentenprojektes sind mehrere Rabatten verwirklicht worden. Die ebenfalls vorgeschlagene große Lucie-Figur mit großem Blumenrock habe sich jedoch als nicht realisierbar erwiesen.

Für Parkführerin Carmen Scheffler sind die Blumen im Muskauer Park eine wunderbare Sache. "Meine Gäste fragen sehr häufig danach", erzählt die Weißwasseranerin.

Viele seien von der Blütenpracht regelrecht verzaubert. Und jeder einzelne Blumengarten versprühe seinen eigenen Charme. Falls mal ein Gast eine spezielle botanische Frage haben sollte, würden einfach mal die Gärtner gefragt, die sich fast tagtäglich um das Bad Muskauer Blütenmeer kümmern. "Denn der Park, nicht nur die drei Blumengärten, sind absolut spitze gepflegt", so Carmen Scheffler. "Deshalb soll ich im Namen meiner Gäste den Gärtnern öfter ein großes Dankeschön ausrichten."