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„Panzer marsch!“ über neue Trassen und Brücken

Haide. Die Bundeswehr hat seit 1991 für mehr als 60 Millionen Euro den Truppenübungsplatz Oberlausitz aufgewertet. Derzeit investiert Vattenfall 6,7 Millionen Euro in neue Panzertrassen und Brücken auf einer Ersatzfläche, denn die Kohlebagger des Tagebaus Reichwalde knabbern demnächst am anderen Ende des Truppenübungsplatzes. Von Gabi Nitsche

Ostwärts der B 115 zwischen Weißkeißel und Rietschen, entsteht im Auftrag Vattenfalls ein Sozialgebäude für den Truppenübungsplatz Oberlausitz (TÜP). Es ist vorgesehen für das Personal der drei neuen Schießbahnen in diesem Bereich. Beides muss bis zum 1.Juli 2012 fertig sein.

Zwölf Kilometer lange Fläche

Zeitig genug, bevor die Kohlebagger des Tagebaus Reichwalde am TÜP zu knabbern beginnen. „Dann werden Bäume gefällt und Umzugskartons für die Wölfe gebracht“, sagt Kommandant Oberstleutnant Lutz Pauketat. „Nördlich von Reichwalde und des Weißen Schöps geht es an der Schießbahn 12 los.“ Die neuen Bahnen 5, 6 und 14 sind der Ersatz. Die ersten beiden entstehen derzeit bereits, für die dritte läuft das Genehmigungsverfahren, so Pauketat bei einer Jeep-„Safari“ am gestrigen Freitag über den Übungsplatz.

Nimmermüde erklärt der Soldat, was links, rechts und geradeaus zu sehen ist. Selbst durch den Wald preschendes Rotwild bleibt ihm nicht verborgen. Nur Isegrim hat null Bock auf Reporter und Uniformierte.

Bis zum Jahr 2047 schluckt der Tagebau schrittweise 3200 Hektar des mehr als 17 000 Hektar großen Platzes. „Unter Naturschutz gestellte Flächen gehören nicht dazu“, versichert Pauketat. Dafür gibt es einen zwölf Kilometer langen und drei Kilometer breiten Ausgleichsstreifen. Der befindet sich auf Flächen des ehemaligen Tagebaus Nochten. Bis 1.Juli 2012 soll der Bundeswehr ein Drittel davon zur Verfügung stehen. Weitere Flächen folgen später.

„Auf dem Streifen sind in den letzten Monaten bereits vom Unternehmen zwei Panzermarschtrassen angelegt worden“, erklärt der TÜP-Kommandant.

Über diese und die drei bereits zu DDR-Zeiten angelegten gepflasterten Querungen über die Spreestraße gelangt die übende Truppe künftig weiter zum Bereich Neustädter Heide.

Doch damit Soldaten samt Technik die 50 bis 100 Meter breiten Trassen überhaupt nutzen können, baut Vattenfall Panzerbrücken. „Derzeit entsteht eine zwischen Weißwasser und Boxberg über die B 156 dort, wo unser Platz an diese Bundesstraße stößt.“ Auf der Baustelle berichtet am gestrigen Freitag Strabag-Polier Hans-Jürgen Schmidt, dass die Brücke Anfang Dezember in einem Stück betoniert wurde und nun ihre Festigkeit erreicht habe. Wenn alles gut läuft, könnte die Brücke schon im Mai fertig sein – samt den notwendigen Erdwällen, die noch aufgeschüttet werden. „Die Brücke hat eine Durchfahrtshöhe von 4,70 Metern, eine Spannweite von zwölf Metern und trägt mindestens 80 Tonnen“, so der Experte.

Dagegen fällt die Brücke über die Kohlebandanlage, die gerade samt Fußgängerweg und Ampel fertiggestellt wurde, flach aus. „Das ist ein sogenanntes Thyssenrohr“, erklärt Pauketat.

Das dritte Brückenbauwerk neben der Spreestraße ist nicht zu übersehen. Durch ihren „Bauch“ rollt die Kohlebahn zwischen den Kraftwerken Boxberg und Schwarze Pumpe.

Vom Ostteil bis zum Westteil

Wenn alles fertig ist, verfügt die Bundeswehr über eine durchgehende Verbindung zwischen dem Ostteil des Platzes – die Trupplager Werdeck und Haide – und dem Westteil – Neustädter Heide. „Dann wird der öffentliche Straßenverkehr nur noch an den Panzerüberfahrten an der B 115 und Spreestraße berührt, aber die Panzertruppen sind nicht mehr an der B 156 auf öffentlichen Straßen unterwegs wie jetzt noch auf etwa dreieinhalb Kilometern“, blickt Lutz Pauketat voraus.

Vattenfall investiert darin 6,7 Millionen Euro und rekultiviert auch den Ausgleichsstreifen. Pauketat zeigt bei der gestrigen Rundfahrt auf Mischwald-Anpflanzungen.

„Im Endausbau 2047 könnten es sogar drei Panzermarschtrassen sein. Wer weiß, was bis dahin ist“, sagt der TÜP-Chef.

Der Vereinbarung zwischen Bundeswehr und Vattenfall gingen seit 1993 zahlreiche Gespräche voraus. Als der Tagebau Reichwalde gestoppt wurde, war dann erstmal Ruhe, vor zehn Jahren etwa kehrten beide Seiten an den Verhandlungstisch zurück. „Seit 2005 beraten wir zweimal im Jahr“, so der Kommandant vom Übungsplatz.

Diese Panzermarsch-Brücke mit zwölf Metern Spannweite führt gerade über die B 156 zwischen Weißwasser und Boxberg. Fotos: Gabi Nitsche
Diese Panzermarsch-Brücke mit zwölf Metern Spannweite führt gerade über die B 156 zwischen Weißwasser und Boxberg. Fotos: Gabi Nitsche
Die neuen Panzertrassen auf ehemaligem Tagebau-Nochten-Gebiet für den Truppenübungsplatz sind bis zu einhundert Meter breit.
Die neuen Panzertrassen auf ehemaligem Tagebau-Nochten-Gebiet für den Truppenübungsplatz sind bis zu einhundert Meter breit.