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| 12:06 Uhr

Einstimmen auf Ostern
Ei trifft Becher - Große Kunst am kleinen Objekt

 „Ei trifft Becher" heißt die neue Sonderschau im Sorbischen Kulturzentrum Schleife. Zu sehen sind die schönsten Eier aus der Sammlung des Zentrums. Nicht nur sorbische Motive sind darauf zu sehen.
„Ei trifft Becher" heißt die neue Sonderschau im Sorbischen Kulturzentrum Schleife. Zu sehen sind die schönsten Eier aus der Sammlung des Zentrums. Nicht nur sorbische Motive sind darauf zu sehen. FOTO: Regina Weiß
Schleife. Das Sorbische Kulturzentrum Schleife zeigt mit „Ei trifft Becher“ seine österliche Sonderschau. Dabei vereinen sich Volkskunst vieler und Sammelleidenschaft eines Einzelnen. Von Regina Weiß

Noch fünf Wochen sind Zeit, dann wird das Osterfest gefeiert. Nirgendwo so schön, wie in der Schleifer Region. Da sind sich die Sängerinnen der Rohner Stimmen sicher. Karfreitag kam die ganze Familie zusammen – auch die Angehörigen, die es durch Hochzeit schon aus dem Haus gezogen hatte – um am großen Tisch Platz zu nehmen. Dort wurde nicht nur alles mögliche besprochen, sondern vor allem oder auch Ostereier verziert. Dieser sorbische Brauch wird in der Lausitz auch über all die Jahrhunderte heute noch in vielen Häusern hochgehalten. Wie kann man es sich sonst erklären, dass es hier so viele versierte Eierverzierer gibt?

Was unter ihren Fingern entsteht, davon kann sich jeder in der neuen Sonderausstellung im Sorbischen Kulturzentrum Schleife überzeugen. „Ei trifft Becher“ lautet deren Titel. Dafür haben Sylvia Panoscha und Kolleginnen im eigenen Fundus „gekramt“. Außerdem kam ihnen die Sammelleidenschaft von Bernd Schenderlein aus Oberbarnim zugute. Der Mann steht auf Eierbecher. Auf rund 2000 Stück hat er es gebracht. Sein Plan war einmal, so weiß es Sylvia Panoscha zu berichten, ein eigenes Eierbecher-Museum aufzubauen. Doch die Hürden der Verwaltung und die Begehrlichkeiten der Bürokratie haben dem Mann bei diesem Plan Einhalt geboten. Vor zwei Jahren reiste Bernd Schenderlein dann nach Schleife. Von da an reifte eine Idee: Vor wenigen Wochen fuhr er mit seinem Auto und 750 Eierbechern in Schleife vor. Ein Teil dieser Spende wird im SKC gezeigt. Die Eierhalter sind aus Keramik, Porzellan, Metall, Holz, Plastik geschaffen worden und in den unterschiedlichsten Formen vorhanden.

FOTO: Regina Weiß

Die Eier, die die Becher nun tragen dürfen, stammen aus mehr als zwei Jahrzehnten.1998 gab es im SKC den ersten Ostereiermarkt. Anstatt von den Malern eine Standgebühr zu verlangen, hat Sylvia Panoscha von jedem Ostereier „einkassiert“. Bei 30 bis 35 Malern und 21 Ostereiermärkten hat sich da allerhand summiert. „96 Volkskünstler offenbaren ihre eigene Handschrift“, erklärt die Leiterin des Kulturzentrums. Es bleiben auch die Werke von denen erhalten, die diese Welt schon verlassen haben...

Zu den über 664 Ostereiergaben der Marktteilnehmer kommen 393 ausgezeichnete Ostereier aus einigen Jahren. Weitere 109 hat das SKC gerade an Rietschen ausgeliehen. Auch dort verweisen drei Vitrinen voller Ostereier auf das Handwerk und die Fingerfertigkeit der Maler und Verzierer.

FOTO: Regina Weiß

„Immer wieder bekommen wir die Frage gestellt, wie lange wir für ein einzelnes Ei brauchen, bis es fertig ist. Die Zeit steht jedenfalls in keinem Verhältnis zu dem Etikett, was am Körbchen angebracht ist“, erklärt Panoscha. Der RUNDSCHAU gegenüber verrät sie dann doch, dass es gut drei Stunden braucht, bis alles so ist, wie es sein sollte.

Am 6. und 7. April kann man rund 35 Ostereiermalern aus der Lausitz im Saal des Kulturzentrums Schleife auf die Finger schauen und natürlich beim Kauf neuer Ostereier zuschlagen. Schließlich wollen Ostersträuße und -schalen geschmückt werden. Oder jemand braucht noch ein Geschenk. Seit dem Mittelalter hat es übrigens Tradition, Eier zu verschenken oder sie auf den Äckern einzugraben. So sollte ein langes Leben oder eine gute Ernte garantiert werden.

FOTO: Regina Weiß

Die Sonderschau ist bis zum 28. April zu sehen. Sie hat Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr, an Sonn-/Ostertage von 13 bis 17 Uhr geöffnet.