Von Kathleen Weser

Die Kunst des Verzierens von sorbischen Ostereiern beherrscht Sylvia Panoscha als Leiterin des Sorbischen Kulturzentrums Schleife (Landkreis Görlitz) natürlich perfekt. Von Generation zu Generation wird die Tradition auch in der Familie schon weitergegeben: Die Patenkinder bekommen zu Ostern drei aufwendig verzierte und gefärbte Eier. Dieses Eier-Trio steht für die Familie, also Vater, Mutter und Kind. Es ist aber auch Symbol der Dreifaltigkeit, also von Feuer, Wasser und Luft. Und es steht zudem für Gottvater, Sohn und heiligen Geist.

„Hier in der Gegend sind sechs bis acht Patenkinder nicht selten“, bestätigt Kollegin Stephanie Bierhold, die ebenfalls im Schleifer Kirchspiel aufgewachsen ist und in Cottbus studiert hat. „Das ist schon richtig Arbeit“, ergänzt sie lachend. Aber die guten Wünsche der Paten werden dadurch auf die Patenkinder übertragen. Bis zu drei Stunden Zeit werden da schon ins Ei investiert.

Alle vier in der Lausitz üblichen Techniken des Ostereierverzierens, die Wachsbatik-, die Wachsbossier-, die Kratz- und die Ätztechnik, werden in der Osterausstellung des Kulturzentrums gezeigt. Mehr als 1000 Eier sind zu bestaunen. Sie stammen von Volkskünstlern, vor allem aus der brandenburgischen und sächsischen Lausitz.

Im sorbischen Siedlungsgebiet wird die Tradition des aufwendigen Verzierens der Ostereier liebevoll gepflegt. Auf dem Schleifer Ostereiermarkt entstehen in jedem Jahr zwei Wochen vor dem Auferstehungsfest neue Exemplare. Statt einer Standgebühr zahlen die Akteure mit einem hier eigens in ihrer Technik erstellten Osterei. Seit dem Jahr 1998 wird das praktiziert. Der wunderschöne Effekt: Die bemerkenswerte Ostereier-Ausstellung in Schleife ist zu einer beachtlichen Sammlung geworden. „Die Eier sind alle schön und auch einzigartig“, sagt Sylvia Panoscha. „Aber ich liebe besonders die Eier von Kurt Klinkert aus Hoyerswerda und auch die Weidenkätzchen-Arbeit von Anna Kowalick aus Neustadt/Spree“, erklärt sie weiter. Die Handschrift vieler der Volkskünstler erkennen die Frauen sofort.

Evelin Noack aus Gablenz, eine gebürtige Neustädterin, holt sich im Sorbischen Kulturzentrum Schleife das Werkzeug und Anregungen für neue Muster. „Ich liebe die kreativen Tipps und Musterempfehlungen der Expertinnen hier“, sagt sie.

Die Großproduktion der sorbischen Ostereier startet in der Familie jeweils am Karfreitag. Auch Ehemann Hans-Joachim muss mit ran. Das gehört für die Ostsachsen einfach zum Osterfest dazu. Schade sei nur, dass die Kinder inzwischen fern der Lausitz leben und arbeiten.

Bildergalerie Kleine Schmuckstücke: Sorbische Ostereier