Am Dienstagabend las die Schriftstellerin, die in Berlin und Leipzig wohnt, in der Kreisvolkshochschule Weißwasser. In Zusammenarbeit mit der Heron-Buchhandlung Weißwasser wurde diese Veranstaltung organisiert, die durchweg von Frauen besucht wurde. Den musikalischen Auftakt gab Carola Göring aus Ebersbach bei Löbau auf ihrem Saxophon. Mit Kritikerlob ist das Buch von Martina Rellin, die als Westdeutsche ins brandenburgische Land gezogen ist, nicht gerade überhäuft worden.
Martina Rellin, seit mehr als zehn Jahren Ost-Frau aus Überzeugung, ist von ihren Geschlechtsgenossinnen in den neuen Bundesländern derart begeistert, dass sie ihnen ein Buch gewidmet hat. Was ist anders an den Ost-Frauen? Das Vorwort liefert die Antwort: Ost-Frauen sind selbstbewusst. Sie haben an ihren Müttern gesehen, wie sich Familie und Vollzeitjob vereinbaren lassen.
Ost-Frauen haben eine gute Ausbildung und wollen sich beweisen im Job und zu Hause. Geld ist nicht alles für eine Ost-Frau, sie lässt sich nicht verbiegen. Und: Ost-Frauen sind lebensfroh, immer bereit, Neues anzupacken, wenn das Gewohnte nicht mehr trägt, sind sinnlich, selbstbewusst.
Martina Rellin instrumentalisiert ihre Ost-Lebensberichte, um West-Frauen ihre persönliche Auffassung vom richtigen Leben zu vermitteln. Bereits die Auswahl der porträtierten Frauen spricht eine eindeutige Sprache. Keine ist arbeitslos, fast alle sind sehr gut ausgebildet, viele haben Familie und sind selbstständig, als Event-Designerin, Werbe-Frau, Öko-Bäuerin, Historikerin, Architektin oder Ärztin. Sogar eine Hausfrau ist dabei, doch auch sie hat, getrennt lebend und allein erziehend, als Pflegemutter des Jugendamts einen Job aus ihrer Familiensituation gemacht.