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| 17:45 Uhr

Lausitzer Bahnverkehr
Die Odeg peppt ihre Züge auf

Odeg-Geschäftsführer Arnulf Schuchmann (M.) erläuterte bei einer Präsentationsfahrt zwischen Görlitz und Bischofswerda am Dienstag die neuen technischen Möglichkeiten der modernisierten Züge.
Odeg-Geschäftsführer Arnulf Schuchmann (M.) erläuterte bei einer Präsentationsfahrt zwischen Görlitz und Bischofswerda am Dienstag die neuen technischen Möglichkeiten der modernisierten Züge. FOTO: Uwe Menschner
Görlitz/Bischofswerda. Die modernisierten Triebwagen der Odeg enthalten jede Menge nützlicher „Gimmicks“. Über eine Neuerung muss jedoch noch mal nachgedacht werden. Von Uwe Menschner

Von außen sieht er aus wie ein ganz normaler Triebwagen, wie sie schon seit Jahren auf den Gleisen Ostsachsens und Südbrandenburgs fahren. Doch der Desiro VT 642, der an diesem Vormittag auf Gleis 9 des Görlitzer Bahnhofs auf seine Abfahrt nach Bischofswerda wartet, ist mehr: Er verkörpert die Zukunft, so wie sie sich die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft mbH (Odeg) vorstellt.

„Wir haben diesen Triebwagen, ebenso wie fünf weitere Züge, für den künftigen Betrieb im Spree-Neiße-Netz modernisiert und umgerüstet“, erklärt Odeg-Geschäftsführer Arnulf Schuchmann. Ab sofort sollen sie auf den Strecken von Zittau über Görlitz nach Cottbus sowie von Cottbus nach Forst zum Einsatz kommen. Weitere zwei Wagen hat die Odeg für die Betriebsaufnahme zwischen Görlitz und Hoyerswerda im Dezember 2018 „aufgepeppt.“ Zwischen Görlitz und Bischofswerda – der Strecke, auf der die Präsentationsfahrt stattfindet –  kann erst nach Abschluss des neuen Verkehrsvertrags für das Ostsachsennetz mit dem Einsatz modernisierter Triebwagen gerechnet werden.

Vorführeffekt: Gut gemeint, aber schlecht gemacht. Der Schiebetritt soll eigentlich die Lücke zwischen Zug und Bahnsteig schließen. Doch der gute Plan funktioniert nicht an allen Bahnhöfen.
Vorführeffekt: Gut gemeint, aber schlecht gemacht. Der Schiebetritt soll eigentlich die Lücke zwischen Zug und Bahnsteig schließen. Doch der gute Plan funktioniert nicht an allen Bahnhöfen. FOTO: Uwe Menschner

Doch welche Vorteile bringen die „neuen“ Züge jetzt für die Reisenden? Nun, der erste Vorteil zeigt sich bereits beim Einsteigen. Nach dem Betätigen des „Öffnen“-Tasters passiert nämlich erst einmal – eine Weile gar nichts. Dann schiebt sich eine gelb umrandete schwarze Plattform aus dem Unterboden der Tür-
öffnung – der sogenannte „Schiebetritt.“ „Er hilft den Passagieren, die Lücke zwischen Ausstieg und Bahnsteig gefahrlos zu überwinden und erhöht somit die Sicherheit“, erklärt Arnulf Schuchmann. In Görlitz schließt der Schiebetritt perfekt mit der Bahnsteigkante ab. Dass dies nicht überall so ist, wird sich später auf der Fahrt noch zeigen.

Gut 50 Minuten dauert die Fahrt von Görlitz nach Bischofswerda, und der Odeg-Chef sowie seine Begleiter werden die gesamte Zeit brauchen, um all die nützlichen „Gimmicks“, mit denen der Zug aufgepeppt wurde, zu zeigen. Zuerst fallen die Monitore ins Auge, auf denen der Reisende in Echtzeit die Ankunft- und Abfahrtzeiten der nächsten Stationen sowie Anschlusszüge ersehen kann. Zweifellos nützlich, anderenorts aber längst Standard. Ebenso auffällig: Die großen gelb-roten, kindgerecht zwischen den Sitzen angebrachten zusätzlichen Haltewunsch-Taster: In Zeiten der zunehmenden Bedarfshalte unverzichtbar.

Was vielen Reisenden sicherlich die wichtigste Neuerung ist: In den umgerüsteten Triebwagen ist auf allen Plätzen Wlan verfügbar. „Das läuft stabil, wenn auch noch nicht immer in der gewünschten Geschwindigkeit“, schätzt Arnulf Schuchmann aus der Erfahrung vorheriger Probefahrten ein. Einen Teil der vorhandenen Bandbreite nutzt die Odeg, um neben der reinen Information auch gestaltete Inhalte auf die Bildschirme zu bringen. Zusätzliche Steckdosen und Kleiderhaken – okay. Wirklich nützliche Neuerungen zeigen sich bei einem Blick in die Toilettenkabine: Ein Wickeltisch ermöglicht es fortan jungen Eltern, die Fahrt auch „im Fall der Fälle“ komfortabel fortzusetzen. Auch SOS-Schalter und Rauchmelder machen zweifellos Sinn.

Beim Ausstieg in Bischofswerda wird jeder Fahrgast automatisch gezählt, so wie es auch schon beim Einstieg geschah. „Dies dient statistischen Zwecken, aber auch dem Notfallmanagement“, erklärt Arnulf Schuchmann. Und nun: Wieder fährt der Schiebetritt heraus, allerdings etwa 20 Zentimeter über der Bahnsteigkante. In Bischofswerda ist der Bahnsteig nämlich niedriger als in Görlitz, so wie dies an den meisten Stationen der Fall ist. Die Gefahren reduzierende Funktion kehrt sich so rasch ins Gegenteil. So richtig glücklich ist der Odeg-Chef mit dieser Situation nicht: „Wir denken noch darüber nach, ob wir den Tritt wirklich an allen Stationen ausfahren lassen.“ Und auch für den stellvertretenden Zvon-Geschäftsführer Christoph Mehnert ist es noch nicht sicher, ob der Schiebetritt zum Anforderungsprofil der nächsten Ausschreibungen gehören soll.