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| 19:45 Uhr

Schlossgeschichten
Oberlausitzer Sanssouci bekommt Krone zurück

Hainewalde. Die Dachhaube von Schloss Hainewalde wird im Herbst nach 22 Jahren wieder aufgesetzt. Das ist für die Retter vom Schlossverein und die Bürger weit mehr als nur ein Symbol für Bemühungen um den Erhalt der imposanten Anlage.

Von Uwe Menschner

Für das „Sanssouci der Oberlausitz“ könnte 2018 ein ganz besonderes Jahr werden. Am 23. September, so kündigt es der Schlossverein auf seiner Website an, soll die Haube des Schlossturms feierlich geweiht werden. Allerdings, so heißt es weiter, könne es „aufgrund der derzeitigen umfangreichen Bauarbeiten“ noch Verschiebungen geben.

Ob nun zwei Wochen früher oder später: Mit dem Aufsetzen der Haube würde ein weithin sichtbares Zeichen gesetzt, dass es mit einer der größten und imposantesten Schlossanlagen der Region vorangeht. Dabei galt Schloss Hainewalde aufgrund seiner schier babylonischen Ausmaße lange Zeit als hoffnungsloser Fall. „Wir möchten einfach verhindern, dass das Schloss zusammenfällt“, hatte der damalige Vereinsvorsitzende Jürgen Böhmer 2006 im Gespräch mit der RUNDSCHAU erklärt. An das Aufbringen einer Summe in der Größenordnung von 30 Millionen Euro – so hoch hatte wurde der Sanierungsbedarf geschätzt – könne der Verein „nicht im entferntesten“ denken. Dies könne nur ein potenter Investor leisten, den zu suchen der Verein helfen wolle.

Zwölf Jahre später ist die größte Gefahr für das Oberlausitzer Sanssouci gebannt. „2012 konnte die Notsicherung des am meisten gefährdeten Ostflügels beendet werden“, teilt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD). Sie engagiert sich von Beginn an – neben vielen anderen Geldgebern – für den Erhalt des Hainewalder Schlosses. Ohne diese Sicherung wäre der Flügel nach Einschätzung von Jürgen Böhmer früher oder später abgerutscht.

Auch in diesem Jahre spendet die DSD: „Es handelt sich um 21 500 Euro für die Instandsetzung des Mittelrisalits und einige weitere Restaurierungsarbeiten“, teilt die Stiftung mit.

Noch weitaus größere „Brocken“ stellen der Bund (393 000 Euro) und der Freistaat Sachsen (330 000 Euro) zur Verfügung. Neben dem Wiederherstellen und Aufsetzen der Turmhaube sollen Arbeiten am Nord- und am Südportal ausgeführt werden. Damit steht ein weiteres großes Stück des Weges zu dem Ziel, das Schloss dauerhaft zu erhalten, offen.

Auch wenn der erhoffte Investor noch nicht in Sicht ist, füllt der Schlossverein entsprechend seiner Satzung das historische Gemäuer mit Leben: „Begegnung und Arbeit mit der Geschichte des Hauses, die weit ins 18. Jahrhundert hineinreicht, geben uns die Möglichkeit, Vergangenes wieder zu entdecken und für die Zukunft zu erhalten“, heißt es darin. Dazu zählen regelmäßige Führungen und die jährlichen Schlossfeste, bei denen sich interessierte Besucher über die Fortschritte informieren können. Doch auch private Feiern sind in den wiederhergestellten Räumen möglich.

Das so genannte „Neue Schloss“ war unter Nutzung von Resten eines Vorgängerbaus zwischen 1749 und 1755 im Auftrag des Friedrich von Kanitz erbaut worden. 1927 gelangte es in den Besitz der benachbarten Gemeinde Großschönau, in dem es sich bis heute befindet. 1933 missbrauchten die Nationalsozialisten Schloss Hainewalde als erstes Schutzhaftlager Sachsens. Zu DDR-Zeiten diente das Oberlausitzer Sanssouci bis 1977 als Wohngebäude, seitdem stand es leer.

1996 war die Haube im Zuge einer geplanten, aber nicht durchgeführten Dachsanierung abgenommen worden. Ein Jahr später fanden erste Notsicherungsmaßnahmen statt. Die Haube stand seitdem, mit Aluminium verkleidet, am Fuße des Schlosses auf dessen Rückseite. Wenn sie jetzt wieder nach oben kommt, ist dies mehr als nur ein Symbol.

(ume)