Von Uwe Menschner

Unternehmer aus den Landkreisen Bautzen und Görlitz, die in den nächsten Tagen ein Schreiben von der Marketinggesellschaft Oberlausitz/Niederschlesien (MGO) in ihrem Briefkasten finden, sollten dieses nicht gleich mit der täglichen Werbepost entsorgen. Auch wenn der Begriff Marketing für viele verdächtig nach Werbung klingt und sie den Namen der Gesellschaft noch nie gehört haben – es lohnt sich, den Brief zu öffnen und durchzulesen. Und vielleicht auch noch ein wenig mehr Zeit mit ihm und seiner Bearbeitung zu verbringen.

Denn: Bei dem Schreiben der Gesellschaft, deren Anteilseigner die Landkreise Bautzen und Görlitz sowie die regionalen Sparkassen sind, handelt es sich um die Einladung, an der bislang größten Unternehmerbefragung der Region teilzunehmen. Unterschrieben haben sie die beiden Landräte Michael Harig (Bautzen) und Bernd Lange (Görlitz, beide CDU).

Doch worum geht es bei dieser Befragung? Auskunft gibt die für Wirtschaftsförderung zuständige Beigeordnete des Bautzener Landrates, Birgit Weber: „Die Marketinggesellschaft Oberlausitz/Niederschlesien wird mit ihrem Schwerpunkt zumeist im Tourismusmarketing verortet. Doch dieses stellt nur eine von mehreren Aufgaben dar. Die MGO soll nämlich ein Dienstleister für die gesamte Wirtschaft in der Region sein.“ Und deshalb sind jetzt 6000 Unternehmer aus der Region aufgerufen, Auskunft darüber zu geben, wie sie die Gesellschaft bislang wahrgenommen haben und was sie von ihr erwarten.

„Die Wirtschaft in der Oberlausitz ist sehr heterogen und wird von kleinen Unternehmen geprägt. Diese haben oftmals keine eigenen Ressourcen für das überregionale Marketing“, erläutert die Beigeordnete einen wichtigen Aspekt. „Gerade hierbei könnte die MGO ein wertvoller Dienstleister sein.“

Heike Zettwitz, die als Dezernentin die Wirtschaftsförderung im Landkreis Görlitz verantwortet, sieht jetzt genau den richtigen Zeitpunkt für eine solche Befragung: „Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht neue Ideen zur künftigen Strukturentwicklung in der Lausitz verkündet werden. Doch es ist wichtig, dass auch mal was realisiert wird.“ Und in diesem Zusammenhang wolle man erfahren, welche Hoffnungen die kleinen und mittelständischen Unternehmen mit dem Strukturwandel verbinden und was sie von ihm erwarten. Und wie wichtig ihnen die Überwindung der vermeintlichen, auf die Energieerzeugung aus Braunkohle ausgerichteten Monostruktur tatsächlich ist. Diese gibt es nämlich laut Heike Zettwitz gar nicht: „Untersuchungen haben ergeben, dass 95 Prozent der Wertschöpfung in der gesamten Lausitz gar nichts mit Braunkohle zu tun haben.“

Sicher eine überraschende Erkenntnis – vielleicht folgen ja noch mehr? Zum Beispiel, dass die Unternehmer gar keine Hilfe beim Marketing benötigen? „Auch das wäre ein Ergebnis“, so MGO-Geschäftsführer Olaf Franke. Das er aber eher für unwahrscheinlich hält. Schließlich konzentriert sich der Großteil der Marketingbemühungen derzeit auf die Gewinnung von Fachkräften – „und da haben alle Branchen Bedarf.“ Franke erhofft sich einen Rücklauf von fünf Prozent, was etwa 300 ausgefüllten Fragebögen entspricht. „Wenn es mehr sind umso besser – je höher die Rücksendequote, desto repräsentativer die Ergebnisse.“

Doch dazu ist es erforderlich, dass die Briefe tatsächlich beim Chef oder der Chefin landen – und nicht auf dem Stapel mit der Werbepost …