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| 02:49 Uhr

Oberbürgermeister bittet MVZ Lausitz um Hilfe

FOTO: red
Weißwasser. Entgegen der Meinung mancher Zeitgenossen in den sozialen Netzwerken lässt Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) beim Thema "Ärztemangel" nicht alle Fünfe gerade sein. Das betonte der OB auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Gabriela Nitsche

Dass ein zweiter Augenarzt seit vergangenem Jahr in Weißwasser praktiziert, "das geht auf meine Kappe", sagt er. Dieser Arzt ist angestellt beim privaten Augen MVZ Lausitz mit Hauptsitz in Hoyerswerda. Zurzeit in der Südpassage praktizierend, sei im künftigen sanierten Bahnhofsgebäude eine Doppelarzt-Praxis das Ziel gemeinsamer Anstrengungen.

Neben dem Augenarzt geht es um einen Allgemeinmediziner, so Pötzsch. "Der MVZ-Chef Gernot Richter ist total motiviert, viel unterwegs und versucht, Ärzte in die Region zu holen", so der OB. Auch wenn es so aussieht, als würde Weißwasser zeitiger als gedacht die Baugenehmigung für das Gebäude erhalten und es möglicherweise schon Anfang 2019 bezugsfertig wäre, will der OB Richter um eine Zwischenlösung bitten. "Ich möchte ihn dafür gewinnen, dass einer seiner Allgemeinmediziner schon jetzt regelmäßig Sprechstunden in Weißwasser abhält." Das würde in der akuten Situation fehlender Hausärzte helfen.

Unabhängig davon sei der OB wegen des Ärztemangels im ständigen Kontakt mit der zuständigen Dezernentin im Landratsamt Görlitz. Vor einigen Wochen habe er den CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Kretschmer um Unterstützung gebeten. Aber backen könne er keine Mediziner und niemanden an den Haaren herbeiziehen.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) ist für die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung zuständig. Seitens der Stadt bemühe man sich dennoch, Hausärzte zu gewinnen. Und das nicht erst seit gestern.

Der Blick ins RUNDSCHAU-Archiv bestätigt das. Anfang 2004 zählte der damalige Oberbürgermeister Hartwig Rauh, 100 Tage im Amt, seine nächsten Ziele auf: "Gegen den Ärztemangel antreten" stand weit oben auf dessen Liste. Seine Vorgängerin Helma Orosz, zu diesem Zeitpunkt CDU-Sozialministerin in Sachsen, war kurz darauf Gast eines Ärzte-Forums in Weißwasser. Von dringendem Handlungsbedarf war damals schon die Rede. Dr. med. Lutz Buschmann aus Weißwasser hatte anhand der Altersstruktur aufgezeigt, dass von den damaligen 16 Hausärzten zehn Jahre später nur noch acht praktizieren würden. Die Idee in Sachsen war, neue Ärzte mit 100 000 Euro zu unterstützen, wenn sie sich in der Region niederlassen. Doch wie die Ministerin damals berichtete, spielte die KV nicht mit. Das Thema gehöre auf Bundesebene geklärt, hieß es Ende 2004. Neue Förderrichtlinien mit lukrativen finanziellen Anreizen für Mediziner, die eine Praxis übernehmen oder neu gründen in Regionen mit drohender Unterversorgung scheinen zumindest bis heute im Raum Weißwasser nicht den erhofften Erfolg gebracht haben. Über die aktuelle Situation haben wir am 17. Februar unter dem Titel "Hausarztversorgung wird zum Notfall" ausführlich berichtet.

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