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| 02:48 Uhr

Nur die Obstbäume erinnern noch an Jasua

Die Wüstung Jasua: Mehrere alte Obstbäume erinnern noch an die ehemalige Siedlung zwischen Klitten/Jahmen und Uhyst.
Die Wüstung Jasua: Mehrere alte Obstbäume erinnern noch an die ehemalige Siedlung zwischen Klitten/Jahmen und Uhyst. FOTO: amz1
Klitten/Jahmen. Ist heute von Jasua die Rede, dürften die meisten an das geplante Ferien- und Wohndomizil am Klittener Ufer des Bärwalder Sees denken. Dieses Areal befindet sich tatsächlich auf den Fluren des alten, untergegangenen Jasua. amz1

Denn vor nunmehr genau 30 Jahren begann der Abriss der zu Jahmen gehörigen Siedlung für die Fortführung des Tagebaus Bärwalde. Die Grube hatte in den Jahren 1979 und 1981 bereits die Nachbarorte Merzdorf und Schöpsdorf geschluckt.

Laut alten Aufzeichnungen mussten in den Jahren 1987 und 1988 genau 15 Einwohner Jasua für immer verlassen. Doch die Bagger ließen die Fluren von Jasua im Großen und Ganzen unangetastet. Denn aufgrund der politischen Wende brauchte die Siedlung nicht mehr in Anspruch genommen zu werden. Zudem wurde auch das Mutterdorf Klitten durch die neuen politischen Rahmenbedingungen gerettet. Viele Einheimische waren im Januar 1990 mit der Forderung "Klitten bleibt!" auf die Straße gegangen und hatten gegen die drohende Devastierung protestiert. Die Einwohner von Jasua zogen zumeist nach Klitten.

Wer heute auf der Landstraße von Klitten beziehungsweise Jahmen auf direktem Weg nach Uhyst fährt, durchquert die Wüstung Jasua. Links und rechts der Trasse befindet sich noch eine ansehnliche Zahl von Obstgehölzen, die an die gewesene Siedlung erinnern. Prächtige Apfelbäume wachsen dort, ebenso Birnen und vor allem zahlreiche Pflaumen in Reih und Glied. Markant ist darüber hinaus eine mächtige, dominierende Eiche.

Jasua lag einst nur einen Steinwurf von der ehemaligen B 156 östlich entfernt. Dort befand sich auch das Forsthaus Altheide. Südlich am Ort vorbei führt bis heute die Bahntrasse, die Hoyerswerda und Horka verbindet, vorbei. Nicht weit entfernt war der Uhyster Vorbahnhof. Südöstlich von Jasua lag der Große Syterteich, der für die Fischzucht genutzt worden war.

Einen richtigen Ortskern hatte Jasua indes nicht, vielmehr verteilten sich die einzelnen Gehöfte, insgesamt neun an der Zahl, die teilweise weit voneinander entfernt lagen, in der Landschaft. Von 1936 bis 1945 hieß Jasua offiziell "Jahmen-Ausbau", da die Nazis die sorbisch klingende Bezeichnung tilgen wollten. Der sorbische Name "Jazowa" weist auf den Wasserreichturm dieser Gegend hin.

Vor ein paar Jahren gab es die Idee, die Einwohner von Mühlrose, deren Ort dem Tagebau Nochten weichen muss, nach Jasua umzusiedeln. Allerdings werden die Mühlroser aller Voraussicht nach ihre neuen Heime nördlich von Schleife aufbauen.

Im Jahr 2008 begann die erste Baustufe für das Wohn- und Feriengebiet Jasua am Bärwalder See. Längst sind die ersten Attraktionen wie der Leuchtturm, die Marina, der Sportboothafen, die Rettungswache, das Seglerheim und der Campingplatz vorhanden.

Neben dem Jubiläum 30 Jahre Beginn der Devastierung von Jasua ist anno 2017 auch genau ein Vierteljahrhundert ins Land gegangen, als der Tagebau Bärwalde vorzeitig außer Betrieb ging. Zwischen November 1976 und März 1992 waren den in dieser Grube rund 185 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert worden. Und vor genau 20 Jahren begann die Flutung des übriggebliebenen Restloches, die 2010 vollendet war. Damit endete die Wandlung des Tagebaus Bärwalde zum Bärwalder See.