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| 02:47 Uhr

Nur die große Dreschmaschine fehlt noch

Anlässlich des Sommerfestes auf dem Njepila-Hof präsentierten Annemarie Hein, Karin Krautz und Gerdi Nowak (v.l.n.r.) ihre schmucken sorbischen Trachten.
Anlässlich des Sommerfestes auf dem Njepila-Hof präsentierten Annemarie Hein, Karin Krautz und Gerdi Nowak (v.l.n.r.) ihre schmucken sorbischen Trachten. FOTO: amz1
Rohne. Auf dem Rohnschen Njepila-Hof wird das Hoffest vorbereitet. In diesem Jahr fällt es mit dem 24. September auf den Termin der Bundestagswahl. amz1

Traditionell zur Monatswende Juli/August sind die Mitglieder des Vereins Njepila-Hof Rohne zum Sommerfest eingeladen. In diesem Rahmen wird der Jahreshöhepunkt, das Hoffest, vorbereitet.

In diesem Jahr fällt dessen 18. Auflage genau mit der Bundestagswahl zusammen, nämlich am 24. September. "Unser Termin stand aber eher fest als die Wahl", erklärt Vereinsvorsitzender Manfred Nickel schmunzelnd. Das Wahllokal befinde sich in der alten Schule, nur einen Steinwurf vom Hof entfernt. So laute das Motto: "erst wählen, dann feiern".

Diesmal, so wird während des Sommerfestes bekanntgegeben, solle das Hoffest etwas anders gestaltet werden als in den vergangenen Jahren. So hätten sich mehr Ensembles aus der Ferne angesagt, beispielsweise eine tschechische Folkloregruppe aus dem Erzgebirge sowie die Tanzgruppe Bärenbrück unweit von Cottbus. Ebenso mit von der Partie ist die Tanzgruppe Zeißig, von deren letztem Auftritt vor rund fünf Jahren die Rohnschen noch heute schwärmen. Darüber hinaus fehlt auch die eigene Jugend nicht. Dafür sorgen die Auftritte des Sorbischen Kinder- und Jugendensembles Schleife sowie der Witaj-Kita Rohne.

Zu jeder Jahreszeit präsentiert sich der Njepila-Hof absolut tiptop gepflegt. "Alle 40 Vereinsmitglieder sind dabei gefragt", erklärt Manfred Nickel. Jeder müsse mitmachen, egal, ob beim Saubermachen, beim Reparieren oder beim Kuchenbacken. Darüber hinaus helfen die Leute vom Jugendklub, von der Feuerwehr und auch von der Gemeinde mit.

Auf die Besucher warten indes über 1000 Ausstellungsstücke, angefangen vom Webstuhl, der bereits im Jahr 1848 gebaut wurde, über einen Stiftdrescher bis zu verschiedensten Elementen der sorbischen Trachten.

Nur eines hätten die Njepila-Leute gern, allerdings fehlt dazu der Platz: "Eine große Dreschmaschine wäre mein Traum", so Manfred Nickel. Doch dafür müsste wahrscheinlich angebaut werden. Das ginge schon aus Platzgründen nicht, von den denkmalschützerischen und gar finanziellen Aspekten mal ganz zu schweigen.

Der Njepila-Hof kommt bei den Besuchern an. Pro Jahr wollen um die 3000 Gäste, darunter auch Busreisegruppen, die Heimstätte des sorbischen Bauern und Schriftstellers Hanzo Njepila (1766 bis 1856) sehen. Allein beim vergangenen Hoffest feierten über 1000 Menschen mit.

Zudem erfreue sich das historische Ensemble auch bei Hochzeitsgesellschaften größerer Beliebtheit. Seitdem im Jahr 2011 das Trauzimmer eingerichtet worden war, haben sich über zehn Paare das Ja-Wort gegeben. Inzwischen seien selbst Heiratswillige aus Thüringen willkommen geheißen worden.

Die sorbischen Trachten spielen auf dem Njepila-Hof eine ganz besondere Rolle. So präsentiert Karin Krautz zum Sommerfest ihr insgesamt zwölfteiliges Exemplar voller Stolz. "Ich habe mir fast alles selbst genäht. Der Rest wurde aufgearbeitet", berichtet sie. Beispielsweise die sogenannte Schnorka, eine Art Schmuckhalstuch. "Ich bin begeisterte Trachtenträgerin. Das gehört einfach zu unserer Region dazu", begründet Krautz ihr Engagement. Problematisch sei allerdings, dass es kaum noch die passenden Stoffe für die Trachten gebe. Das heiße, nicht selten erst mal lange zu suchen. Selbst das Internet könne dabei nicht immer weiterhelfen.

Indes steht der Njepila-Hof über den Sommer allen Besuchern auf Anfrage offen. Ein Anruf beim Verein genügt (Telefon 035773/70616).