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NOL will die alte Ziegelei sanieren und bittet um Hilfe

Weißwasser.. Der CDU-Landesvorsitzende und Ministerpräsident von Sachsen, Georg Milbradt, weilte gestern zu einem Arbeitsbesuch beim Stadtverband seiner Partei in Weißwasser. Im Mittelpunkt der Gespräche standen kommunalpolitische Probleme. Von Gabi Nitsche

Um 16 Uhr war Treffpunkt auf dem Bahnhof der Waldeisenbahn an der Teichstraße. Geschäftsführer Heiko Lichnok hieß die Gäste willkommen und skizzierte kurz den Werdegang der „kleinen Bahn“ . Er verschwieg aber bei allem Zuspruch, die die Waldeisenbahn findet, auch nicht, dass die Finanzierung von Jahr zu Jahr komplizierter werde. „Den Kommunen fällt es immer schwieriger, ihre Anteile aufzubringen.“

Per Bahn zur Ziegelei
Dann ging es per Zug in das Gebiet der alten Ziegelei. Oberbürgermeisterin Helma Orosz lag sehr viel daran, Milbradt dieses Terrain zu zeigen und ihn mit den Details bekannt zu machen.
Die Erläuterungen übernahm dann NOL-Landrat Bernd Lange. Der Landkreis ist der Eigner, hat das Gebiet für einen symbolischen Preis von einem Euro von der Treuhand erworben. Aufmerksam wurde man auf die Sache, so Lange, weil man sämtliche finanziellen Verpflichtungen des Kreises überprüfte, denn auch der Kreis hat immer weniger Mittel zur Verfügung. Dabei stieß man auf einen Mietposten in Höhe von mehr als 16 000 Euro jährlich. Geld, das an die Treuhand ging für die alte Ziegelei.
Inzwischen erfolgte der Erwerb, das Gebiet wurde auf Altlasten untersucht. Das komplette Areal zu sanieren, braucht rund 1 350 000 Euro, hieß es gestern. „Wir wollen dann das Gebiet der Stadt Weißwasser geben, damit diese es nutzen kann für Gewerbeansiedlungen. Gegenwärtig sind dafür keine größeren Flächen vorhanden. Kommt ein Investor, müsste die Stadt ihn wieder wegschicken“ , erläuterte Lange dem Ministerpräsidenten.

Nicht gut für Wohnbebauung
Doch um die entsprechenden Fördermittel zu erhalten, die für die Sanierung gebraucht werden, müsste das Gebiet als Mischgebiet ausgewiesen sein. Das heißt, Wohnbauten und Gewerbeansiedlungen wären dann möglich. Aufgrund der vorhandenen Altlasten raten die Fachleute von der Wohnbebauung aber ab, so Dezernent Werner Genau. Er weiß auch aus der Praxis, dass sich außerdem Investoren kaum auf Standorte einlassen, in dessen Nähe Wohngebäude stehen.
Das wurde Georg Milbradt gestern noch einmal deutlich gemacht, ebenso, dass die Sanierung für anderthalb Jahre Arbeit für etliche Leute bedeuten würde.
So wurde der Besuch gestern vor Ort dazu genutzt, den Ministerpräsidenten in dieser Sache um Hilfe zu bitten und ihn für die Problematik zu sensibilisieren.
Verbindliche Antworten gab Milbradt nicht, hörte jedoch aufmerksam zu und führte sofort das eine oder andere Telefonat. Was immer das auch bedeuten mag.

Bürgermeisterrunde
Die alte Ziegelei und ihre Sanierung waren aber nicht das einzige Problem, mit dem der Landeschef bei seinem Arbeitsbesuch auf Einladung des CDU-Stadtverbandes konfrontiert wurde.
Ab 14 Uhr fand im Rathaus bereits eine interne Gesprächsrunde statt, an der nicht nur die Weißwasseraner, sondern auch die CDU-Bürgermeister aus den Nachbargemeinden teilnahmen. Sie nutzten die Gunst der Stunde und wiesen hin, an welcher Stelle ihnen der Schuh drückt.
Bad Muskaus Gemeindechef Andreas Bänder lag zum Beispiel der Bau der Ortsdurchfahrt bis zur Grenze am Herzen. Gegenüber der RUNDSCHAU wiederholte Milbradt, was er schon zuvor intern geäußert hatte: „Die S 127 in Bad Muskau ist eingeordnet in die vordringlichen Maßnahmen. Ich kann zwar heute noch nicht endgültig grünes Licht geben, aber Ludwig Thomaschk ist schon zugange mit dem Wirtschaftsministerium“ , zeigte sich Georg Milbradt hoffnungsvoll.

Hintergrund
Besuchsplan

 Zum Besuchsplan gestern in Weißwasser gehörten des Weiteren Radio WSW und der Eissportverein Weißwasser.