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Geselligkeit
Nochtener feiern mit Gänsebraten und viel Blasmusik

Impression von der Nochtener Kirmes im Saal des Findlingsparks. Für die musikalische Unterhaltung sorgte das sorbische Ensemble „Horjany“ Die Geselligkeit kam gut an.
Impression von der Nochtener Kirmes im Saal des Findlingsparks. Für die musikalische Unterhaltung sorgte das sorbische Ensemble „Horjany“ Die Geselligkeit kam gut an. FOTO: Richter Torsten
Nochten. Domowina-Ortsgruppe organisiert sorbische Kirmes im Findlingspark. Das Angebot kommt bei den Gästen gut an. Von Torsten Richter-Zippack

Traditionell zwei Wochen vor dem Totensonntag feiern die Nochtener ihre Kirmes. Diesmal ist die Tradition mal wieder etwas größer begangen worden. Über 90 Gäste sind der Einladung der Domowina-Ortsgruppe zum Gänsebratenessen mit Blasmusik und Vesperkuchen in den Findlingspark gefolgt.

Viele erinnern sich an frühere Zeiten, als die Kirmes noch wesentlich umfangreicher und lebendiger begangen wurde als heutzutage. Beispielsweise Inge Noack, die Vorsitzende der Nochtener Domowina-Gruppe: „Damals gab es sowohl sonntags als auch montags Tanzveranstaltungen auf gleich zwei Sälen“, berichtet die gebürtige Nochtenerin. Balkos Gasthof gibt es noch heute, die gleich daneben befindliche Wirtschaft Kerlas dagegen schon lange nicht mehr. Ein hoher Bretterzaun versperrt die Sicht auf die übrig gebliebene Ruine. Und das, obwohl sich die Leute bei Kerlas einst wohler fühlten, wie Hannelore Balko befindet. Sie ist eine der Hauptorganisatorinnen der 2017er-Kirmes.

Das Fest werde immer dann gefeiert, wenn die Ernte eingebracht ist und die Bauern auch mal Zeit haben und ihnen der Sinn nach etwas anderem steht als der täglichen Schufterei. Als Dank für die schwere Arbeit über das Jahr wurden einst die ganze Familie sowie Verwandte eingeladen. „In diesem Rahmen erfolgte die Verkostung der ersten Gänse“, erzählt Balko. Manche Tiere hatten dann noch das Glück, ein paar Wochen länger leben zu dürfen. Denn zu Weihnachten kam ebenfalls Gänsebraten auf den Tisch. Zur Kirmes wurde schon mal „vorgekostet“. In Nochten seien die Tiere traditionell mit Äpfeln und Beifuß, manchmal auch mit Rosinen, gefüllt.

Darüber hinaus schlachteten die Bauern zu diesem Fest traditionell mehrere Hühner. Denn was wäre eine Lausitzer Eiersuppe ohne Hühnerfleisch? Hinzu gesellte sich der Kirmeskuchen, meist mit Mohn, Streusel und Apfel. Nach dem opulenten Mittagsmahl wurden abends unter anderem Schinkenstullen, Griebenfett auf Brot sowie selbst gemachte saure Gurken aufgetischt. Und zum anschließenden Tanz lebte die Dorfbevölkerung richtig auf. Denn wann kamen die Bauern schon mal aus Nochten heraus? Höchstens, wenn sie sich auf den Weg nach Weißwasser oder Bautzen begaben, um dort Waldbeeren, Honig  oder Pech zu verkaufen.

Laut Hannelore Balko wurde es beim Kirmestanz allerdings problematisch, wenn sich ein junger Mann aus einem anderen Dorf als Nochten auf der Tanzfläche blicken ließ. Der wurde dann nicht selten verprügelt. Schließlich fand zur Kirmes so manches Paar zueinander. Und da war „Konkurrenz“ einfach unerwünscht.

Seit vielen Jahren gibt es nun in Nochten keinen Kirmestanz mehr. Stattdessen stellt die Domowina-Ortsgruppe alle zwei, drei Jahre eine Kirmes im Findlingspark auf die Beine. Die Gänse und Hühner werden nicht mehr selbst geschlachtet, sondern von einer Boxberger Cateringfirma serviert. „Schmeckt fast so gut wie bei Mutter“, befindet ein Gast und lächelt zufrieden. Für die musikalische Unterhaltung sorgt indes die Kapelle „Horjany“ aus Crostwitz mit ihren sorbischen und böhmischen Titeln. Ohne die Unterstützung des Domowina-Regionalverbandes sowie der Händler vor Ort wäre die Kirmes kaum möglich, so Hannelore Balko. Die nächste Auflage werde es wahrscheinlich im November 2020 geben. „Aber nur, wenn wir gesund bleiben“, benennt die Nochtenerin eine wesentliche Bedingung.