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| 16:43 Uhr

Brandschutz
Noch-Wehrleiter findet deutliche Worte

Die Kameraden und Gäste bedanken sich bei Gerd Preußing für 13 intensive Jahre als Wehrleiter der Feuerwehr Weißwasser. Mit standing ovation zollten sie ihm Respekt und Anerkennung.
Die Kameraden und Gäste bedanken sich bei Gerd Preußing für 13 intensive Jahre als Wehrleiter der Feuerwehr Weißwasser. Mit standing ovation zollten sie ihm Respekt und Anerkennung. FOTO: Gabi Nitsche / LR
Weißwasser. Die Freiwillige Feuerwehr Weißwasser hat Fördervereinsvorsitzenden Jörg Lübben für dessen Einsatz mit der Ehrenmitgliedschaft gedankt. Von Gabi Nitsche

Mit standing ovation haben die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Weißwasser dem scheidenden Wehrleiter Gerd Preußing Respekt und Anerkennung gezollt. Die Jahreshauptversammlung am Freitag war die letzte in Verantwortung des 55-Jährigen als Wehrleiter. „Nach so langer Zeit ist das doch nicht so einfach“, gestand dieser in seiner Abschlussrede. Vor 13 Jahren war Preußing zu dem Posten gekommen wie die Jungfrau zum Kinde, erinnerte er.

Das Gespräch beim damaligen OB Hartwig Rauh habe keine zehn Minuten gedauert, dann war er kommissarisch eingesetzt. Armin Freitag, Jürgen „Herbert“ Herzog und Frank Wolsch waren es vor allem und Mitarbeiter aus dem Rathaus, die ihm halfen, beim Sprung ins kalte Wasser nicht unterzugehen. 2006 wählten ihn die Kameraden. Gerd Preußing erinnert sich an die Aufbruchstimmung. In der Wache wurde nicht nur räumlich einiges verändert, auch am Dienstsystem und Verantwortung auf breitere Schultern verteilt. Für die Ausbildung wurden nun auch an Wochenenden Themen für die eigene und Wehren aus dem Umland angeboten. „Das alles muss vorbereitet, durchgeführt und nachbereitet werden, und es muss auch verantwortet werden.“ Partner galt es zu suchen und zu finden, so der Wehrleiter.

Mit dem Förderverein gibt es seit inzwischen zehn Jahren ein sehr wichtigstes Organ. Die Öffentlichkeitsarbeit nimmt seither einen viel höheren Stellenwert ein. Neben unzähligen kleinen Veranstaltungen sind es Ereignisse wie die 120-Jahr-Feier mit den Fontänen der Nacht am Jahnteich oder „Wasser trifft Dampf“ fünf Jahre später, die Eimerkette, das Waldbrand-Symposium oder der Tag der offenen Tür mit Übergabe der neuen Drehleiter, über die die vielen Besucher heute noch sprechen. „Das bekommt man hin, wenn man Hand in Hand arbeitet“, so Preußing. Prägend seien die drei Projektjahre „Zukunft Brandschutz“ gewesen. „Einiges von dem, was wir erarbeitet haben, fand sogar Einzug in die Gesetzgebung. Das macht mich auch ein bisschen stolz.“ Die Weißwasseraner Kameraden hatten nicht nur mit Demos und kritischen Worten hartnäckig auf die Misere bei den Freiwilligen Feuerwehren hingewiesen, sondern sich mit eingebracht, nach neuen Wegen zu suchen. Das überregionale Medieninteresse war plötzlich groß, Preußing & Co. avancierten zu TV-Talk-Gästen. Man kooperierte mit der Wissenschaft. Mit der Uni Magdeburg zum Beispiel. Stichworte Wohn- und Fassadenbrände.

Oberbürgermeister Torsten Pötzsch dankt Gerd Preußing für dessen Einsatz auf dem verantwortungsvollen ehrenamtlichen Posten.
Oberbürgermeister Torsten Pötzsch dankt Gerd Preußing für dessen Einsatz auf dem verantwortungsvollen ehrenamtlichen Posten. FOTO: Gabi Nitsche / LR

Inzwischen hat sich Gerd Preußings persönliches Lebensumfeld total verändert. Berufsabschluss, fünf Jahre Studium „nebenbei“, Referatsleiter in der Stadtverwaltung – er habe die Verantwortung als Wehrleiter nur hinbekommen, „weil Ihr mich – einige mehr, andere weniger – unterstützt habt.“

Doch es gab auch Einiges, was nicht geschafft wurde. Preußing nannte eine neue Wache. Er bekannte: „Für Verständnis in der Verwaltung und Bevölkerung zu ringen, wie Feuerwehrleute ticken, das kostet Kraft.“ Preußing betonte, dass Brandschutz und Feuerwehr Pflichtaufgabe der Kommune ist. Die Sicherstellung stütze sich größtenteils auf das Ehrenamt. Er forderte die Stadträte auf, sich doch einmal zu erkundigen, was Sicherheitskräfte heutzutage kosten. „Und wir sprechen bei der Feuerwehr von Sicherheit 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr. Und das mit einer geforderten Stärke von mindestens 15 Einsatzkräften. Die braucht man nämlich um die Risiken abzuarbeiten, die die Einsätze so mit sich bringen.“ Und da sei es egal, ob das am Heiligabend ist oder ein schöner Sommerabend, wo der „normale“ Bürger sich mit Freunden  zum Grillfest verabredet. „Wenn aber dieses Verständnis in großen Teilen der Verwaltung schon nicht vorhanden ist, dann ist das ein Fehler im System. Dann muss man nicht verwundert sein, wenn dieses Verständnis auch in der Bevölkerung nicht vorhanden ist“, wurde Preußing deutlich und unterstrich: „Wenn man sich Jahr für Jahr rechtfertigen muss, warum Feuerwehr Geld kostet, und das vor Leuten, die sehr selten bis überhaupt nicht je einen Schritt in die Wache gesetzt haben, dann kostet das Kraft. Und wenn man dann meist allein auf weiter Flur steht, dann kann das einen Wehrleiter auch verschleißen.“

Jörg Lübben,Vorsitzender des Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr Weißwasser, ist Ehrenmitglied der Wehr geworden.
Jörg Lübben,Vorsitzender des Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr Weißwasser, ist Ehrenmitglied der Wehr geworden. FOTO: Gabi Nitsche / LR

Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext), der zu den Gründungsmitgliedern des Feuerwehrvereins gehört und am Freitag den Kameraden herzlich für deren ehrenamtliches Engagement dankte, pflichtete dem scheidenden Wehrleiter bei: „Manchmal ist es nicht so einfach am Tisch der Verwaltung, und dann prallen Meinungen aufeinander.“

Preußing schrieb den Floriansjüngern ins Stammbuch: „Pflegt den kameradschaftlichen Umgang untereinander und mit dem Umland, lebt das Feuerwehrtechnische Zentrum, habt keine Angst vor neuen Wegen und unterstützt die neue Wehrleitung!“ Wann diese komplett ist, werden die nächsten Tage zeigen. Da sich niemand zur Wahl stellte, muss der OB jemand Geeignetes erst einmal kommissarisch einsetzen.

Preußing selbst hat sich entschieden, einen anderen Weg zu gehen. Mittwoch endet die Zeit als kommissarischer stellvertretender Kreisbrandmeister. Er hatte die Lücke ehernamtlich gefüllt, die mit dem plötzlichen Tod von Henry Kossack im Frühsommer 2017 aufgerissen war. „Wir knabbern noch immer an dem Verlust“, sagte Ingelore Ruge vom Brand- und Katastrophenschutzamt im Landkreis, und dankte der Stadt Weißwasser, die den Einsatz von Gerd Preußing mit ermöglichte. „Wir hoffen, Gerd macht weiter. Henry wäre glücklich darüber“, so die Weißwasseranerin. Und Gerd Preußing hat sich vorerst dafür entschieden, bestätigte dieser.

Thomas Beck ist zehn Jahre bei der Feuerwehr. Dafür gab es eine Ehrenmedaille.
Thomas Beck ist zehn Jahre bei der Feuerwehr. Dafür gab es eine Ehrenmedaille. FOTO: Gabi Nitsche / LR

Zu den erfreulichen Dingen während der jüngsten Jahreshauptversammlung gehörten diese guten Nachrichten: 1432,36 Euro überreichten Ulf Mäkelburg und Simone Toischer von der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien an Jörg Lübben, dem Vorsitzenden des Fördervereins der freiwilligen Feuerwehr Weißwasser. „Wir wissen, wie wichtig Feuerwehr ist“, so Mäkelburg. Lübben versicherte: „Wir haben einen vernünftigen Plan, was wir mit dem Geld machen wollen.“ Dazu gehört ein Brandhaus (sehr großes Puppenhaus) für Wissensvermittlung des Nachwuchses. Außerdem Radhelme für die Jüngsten.

Zum Thema Sicherheit wolle auch die Stadtwerke GmbH beitragen. Nach einer gemeinsamen Ausbildung von Mitarbeitern und Feuerwehrleuten reifte der Gedanke, die Kosten für ein Trainingsgerät für die Brandbekämpfung zu übernehmen. „So viel Geschenke – in 13 Jahren als Wehrleiter gab es das noch nie“, freute sich Gerd Preußing. Er und der OB, die für den Vereinsvorsitzenden nur lobende Worte übrig hatten, waren es, die diesem im Namen der Wehr und unter dem Beifall der Kameraden die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Nach dem Vater der Glasindustrie in Weißwasser, Joseph Schweig, ist Lübben das zweite Ehrenmitglied in der Geschichte der Feuerwehr. „Ich fühle mich sehr geehrt“, reagierte dieser mächtig überrascht und freute sich über Ehrenurkunde Feuerwehr-Axt mit eingraviertem Namen und Datum. Er werde sich auch in Zukunft nach Kräften für die Interessen der Kameraden und Wehr einsetzen.

Von den Stadtwerken gibt es für die Feuerwehr Weißwasser ein Feuerlösch-Trainingsgerät.
Von den Stadtwerken gibt es für die Feuerwehr Weißwasser ein Feuerlösch-Trainingsgerät. FOTO: Gabi Nitsche / LR