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| 20:26 Uhr

Feuerwehrübung
Einsatzübung an neuer Bahnstrecke

Notfalltraining auf der neuen Lausitz-Trasse FOTO: lausitznews.de / LausitzNews.de/Jens Kaczmarek
Klitten. Mehr als 50 Feuerwehrleute aus der Region um Weißwasser und Boxberg haben auf der neuen Bahntrasse bei Klitten den Unglücksfall geübt. Obwohl vieles klappte, gab es auch so manches Problem. Von Torsten Richter-Zippack

Eine Katastrophenübung am Bahnkilometer 46 unmittelbar westlich des Klittener Bahnhofes: Ein auf einem Gleis arbeitender Bagger hat mit seiner Schaufel in den vorbeifahrenden Zug geschlagen. Es gibt fünf Verletzte, davon zwei schwer. Mehrere Feuerwehren und weitere Rettungskräfte sind schnell vor Ort. Doch zunächst heißt es warten. Der Anlass befindet sich fünfeinhalb Meter über den Köpfen der Kameraden. Denn da hängt die 15 000-Volt-Oberleitung. Die muss zunächst durch einen Notfallmanager der Deutschen Bahn durch das Herbeiführen eines Kurzschlusses abgeschaltet werden. Dann dürfen die Retter ans Werk.

Am Mittwoch haben insgesamt 56 Kameraden von fünf Wehren, unter anderem aus Klitten, Uhyst, Boxberg und Kringelsdorf, das Zusammenspiel während eines Zugunglücks geübt. Schließlich soll die in den vergangenen sechs Jahren neu aufgebaute zweigleisige und elektrifizierte Bahntrasse zwischen Knappenrode und Horka vor Weihnachten in Betrieb gehen. An ein Zugunglück in der Historie der wichtigen West-Ost-Verbindung kann sich indes kein Feuerwehrmann erinnern, lediglich an diverse Böschungsbrände.

„Es gibt durch den Neubau gravierende Veränderungen an der Bahnstrecke. Wir haben eine neue Oberleitung, es gibt Lärmschutzwände“, erklärt Projektmanager Ulrich Mölke von der DB Netz. Daher habe sich die Bahn auf die Fahnen geschrieben, die Rettungskräfte vor Ort einzuweisen. Zuerst sind die Verletzten im Triebwagen an der Reihe. Die 18-jährige Sophie Biele aus Klitten klagt über starke Rücken- und Schulterschmerzen. Kamerad Mike Nitschke von der Mückaer Feuerwehr beruhigt die junge Frau. Anschließend wird sie ins Freie gebracht, ebenso wie die weiteren vier Verletzten.

Die Boxberger Kameraden müssen dagegen den eingeklemmten Baggerfahrer aus seinem Unglücksgefährt befreien. Ruhig bauen die jungen Männer um Gruppenführer Denis Miertsch eine Art Podest auf, über das der Verunfallte ins Freie geholt werden soll. Alles klappt reibungslos, Minuten später findet sich Baggerfahrer Ronny Kießetz wohlbehalten auf der Trage bei den Sanitätern wieder. Weitere Kameraden sprühen das daneben befindliche elektronische Stellwerk mit Löschschaum ein. „Eine Vorsichtsmaßnahme“, erklärt ein Feuerwehrmann.“ Der Schaden solle ja nicht noch größer werden.

Wenig später ist auch alles schon wieder vorbei. Die erste Bilanz von Einsatzleiter Christian Krause klingt durchwachsen: „Die Einsatzbereitschaft der Kameraden war hervorragend. Aber es gibt viele Sachen, die wir noch bereden müssen. Vieles hat ziemlich lange gedauert. Und das Bewegen im Gleisbett ist sehr umständlich.“ Gruppenführer Denis Miertsch zeigt sich mit der Leistung seiner Boxberger indes zufrieden: „Die Zusammenarbeit hat gut funktioniert. Allerdings müsste die Kommunikation mit der Bahn verbessert werden. Da hätten wir gern eine Liste mit den Ansprechpartnern.“ Und Baggerfahrer Ronny Kießetz, der in Riegel wohnt und auch im richtigen Leben ein solches Gefährt bedient, bringt auf den Punkt, was alle denken: „Hoffen wir, dass es nie zu einem Unglück kommt.“

Hier bergen die Boxberger Kameraden unter den Augen von Einsatzleiter Christian Krause (l.) den verletzten Baggerfahrer.
Hier bergen die Boxberger Kameraden unter den Augen von Einsatzleiter Christian Krause (l.) den verletzten Baggerfahrer. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Die Kameraden dringen hier in den Triebwagen ein, um die darin befindlichen Verletzten zu bergen.
Die Kameraden dringen hier in den Triebwagen ein, um die darin befindlichen Verletzten zu bergen. FOTO: Torsten Richter-Zippack