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(Noch) kein Abi in Sichtweite

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Rietschen. "Ich habe das Gefühl, dass man uns nicht nur Steine, sondern ganze Findlinge in den Weg legt", sagt der Vorsitzende des Trägervereins der Freien Schule Rietschen, Wolfgang Schmidt. Sehnsüchtig wartet er auf einen Bescheid von der sächsischen Schulbehörde zum Antrag der Rietschener, ein freies berufliches Gymnasium im Ort zu gründen. Christian Köhler

Immerhin hatte der Trägerverein bereits im vergangenen Herbst den Antrag gestellt und bis heute noch keine Antwort von der Behörde erhalten.

"Die Prüfung ist soweit abgeschlossen", erklärt der zuständige Referent bei der sächsischen Bildungsagentur in Dresden Bernhard Becher auf RUNDSCHAU-Nachfrage. In den kommenden Tagen soll der Bescheid - wenn er von den Vorgesetzten der Behörde abgesegnet wurde - nach Rietschen gesandt werden. Über den Inhalt hüllt sich der Sachbearbeiter in Schweigen - aus Datenschutzgründen, wie es heißt.

Unterdessen hofft Bürgermeister Ralf Brehmer (Freie Wähler) noch auf eine Genehmigung in letzter Sekunde. "Die Erfahrung zeigt, dass die Bescheide häufig kurz vor Toresschluss zugesandt werden", sagt er. Die Gemeinde sowie ein Großteil des Gemeinderates - mit Ausnahme einiger CDU-Räte - stehen hinter dem Projekt Gymnasium. Zuletzt hatte der Gemeinderat gegen den Willen des Landkreises bekundet, die Gründung finanziell mit einem Darlehen unterstützen zu wollen. Allerdings steht in dieser Sache noch ein Rechtsstreit mit dem Landkreis vor dem Oberverwaltungsgericht in Bautzen an - Ausgang ungewiss. "Wir würden mit einem Gymnasium Jugendliche länger im Ort halten", sagt Brehmer. Wolfgang Schmidt spricht von einem "Modellprojekt für den ländlichen Raum". Auch dort könne Bildung geboten werden. Alles hänge nun von der Zusage der Behörde ab. Die allerdings könnte viel zu spät für das kommende Schuljahr beim Trägerverein eintreffen, wie Wolfgang Schmidt erläutert: "Man muss real seine Kräfte einschätzen und da sage ich: Es ist für das nächste Schuljahr wohl nicht mehr zu schaffen, eine elfte Klasse aufzumachen." Selbst wenn morgen der Bescheid eintreffen würde, stünde der Verein vor großen Herausforderungen. Lehrer, die monatelang vorgehalten werden mussten, haben inzwischen bei anderen Trägern unterschrieben.

"Zudem fordert die Behörde Nachbesserungen bei Dingen, die in staatlichen Schulen ohne Probleme genehmigt werden", sagt Schmidt. Darüber hinaus müssten Schüler, die auf das Gymnasium wechseln wollten und sich nun nach anderen Schulen umgesehen haben, wieder zurückgewonnen werden.

Alles in allem wäre es "ein enormer Kraftakt, fünf Wochen vor Schuljahresbeginn das Rad umzudrehen", gibt Schmidt zu verstehen. Man wolle sich aber nicht unterkriegen lassen und weiter für die Sache kämpfen.

Gerade haben 14 Schüler die Schule verlassen. "Ihr Durchschnitt lag bei 2,2", berichtet Schmidt stolz. Einige davon hätten, so der Vorsitzende, gern ihr Abitur in Rietschen abgelegt. Noch aber ist kein Abi in Rietschen in Sichtweite.