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| 09:13 Uhr

Niederschlesische Magistrale
Start auf der neuen Bahn-Magistrale

Am zweiten Gleis zwischen dem Bahnhof Niesky und Horka müssen noch Oberleitungen und Signaltechnik installiert werden.
Am zweiten Gleis zwischen dem Bahnhof Niesky und Horka müssen noch Oberleitungen und Signaltechnik installiert werden. FOTO: Uwe Menschner
Niesky. Die Bahnstrecke zwischen Horka und Knappenrode ist offiziell keine Baustelle mehr. Das hat Konsequenzen für alle Verkehrsteilnehmer. Von Uwe Menschner

Die Niederschlesische Magistrale zwischen Knappenrode und der polnischen Grenze gilt seit Anfang dieser Woche als Betriebsanlage und nicht mehr als Baustelle. „Wir haben sie an die Bereiche Betrieb und Instandhaltung übergeben“, so der Leiter des Großbauprojektes Ulrich Mölke. Mit dieser Statusänderung können ab sofort Fahrten unter realistischen Betriebsbedingungen stattfinden. Derzeit führt die Deutsche Bahn AG selbst Schulungs- und Messfahrten durch, die im Einzelfall die Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde erreichen können. Die Anzahl der Durchfahrten in der ersten Woche beziffert der Projektleiter mit acht in jede Richtung pro Tag.

„Zunächst fahren Oberbaumessfahrzeuge. Diese stellen fest, ob die Verlegung der Gleise den Anforderungen entspricht. Dazu muss mit Normalgeschwindigkeit gefahren werden“, so Ulrich Mölke. In der Konsequenz könnte es zu der Feststellung kommen, dass abschnittsweise noch einmal nachgebessert werden muss. Ab dem 5. November lösen dann Oberleitungsmesszüge die Oberbaumesszüge ab – die trotz des ähnlichen Namens eine ganz andere Aufgabe haben: „Diese Züge ermitteln, ob der Draht richtig liegt. Dazu müssen sie auch entgegen der regulären Richtung fahren.“ Nach dem Abschluss des Testprogrammes – laut Planung ab dem 16. November – dürfen dann auch Fremdunternehmen aufs Gleis. „Die Odeg, die ab dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember den Personenverkehr absichert, aber auch verschiedene Güterverkehrsunternehmen müssen ihr Personal mit der Strecke vertraut machen und es entsprechend schulen“, erläutert Ulrich Mölke.

Und ab dem 9. Dezember steht die Strecke dann ohne Einschränkungen für den Zugverkehr zur Verfügung. Wie viele Güterzüge zu den täglich jeweils neun Personenzügen in jede Richtung hinzu kommen werden, kann der Projektleiter noch nicht sagen: „Ausgelegt ist die Strecke auf bis zu 180 Züge pro Tag, darunter 20 Personenzüge. Anfangs werden aber weitaus weniger Güterzüge auf der Strecke sein, als die möglichen 160.“ Man befinde sich noch mitten in der Akquise von Verkehrsunternehmen, die ihre Fracht auf der Niederschlesischen Magistrale transportieren wollen. „Das neue Angebot muss sich erst herumsprechen. Wir arbeiten mit Hochdruck daran“, versichert Ulrich Mölke.

Mit der Aufnahme des regulären Zugverkehrs zum 9. Dezember sind die Arbeiten an der Strecke bei weitem noch nicht abgeschlossen. Insbesondere muss die Deutsch Bahn noch die Oberleitungsanlage und die Signaltechnik des zweiten Gleises zwischen Niesky und dem Abzweig Särichen aufbauen. „Das Gleis selbst liegt, kann aber erst im Oktober 2020 in Betrieb genommen werden“, erläutert Ulrich Mölke. Diese Verzögerung ist nach seinen Worten der Preis dafür, dass der Planfeststellungsbeschluss für diesen Abschnitt wesentlich später erfolgte als geplant. Zwischen Knappenrode und Niesky werden noch die Schienenköpfe glatt geschliffen. Auch die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen im Sinne des Naturschutzes, oftmals fernab der Bahntrasse, gehen im Frühjahr weiter. Eine große Baustelle bildet noch die Brücke der B 115: „Sie liegt im Plan, derzeit befinden sich die Widerlager der neuen Brücke in Arbeit.“ Und dann muss die Bahn noch eine weitere Aufgabe erfüllen, von der bislang kaum die Rede war: „Circa alle 1000 Meter brauchen wir eine Zuwegung vom öffentlichen Straßennetz zur Strecke, um im Unglücksfall eine schnelle Erreichbarkeit für die Rettungskräfte zu gewährleisten“, wie Ulrich Mölke betont. Hauptsächlich nutzt das Unternehmen vorhandene Wege, „zum Teil müssen wir aber auch neu bauen.“ Diese komplexe „Nachbereitung“ erfordert sogar noch einmal ein separates Planfeststellungsverfahren.

Eindringlich weist der Projektleiter auf die Gefahren, die die Aufnahme des regulären Verkehrs auf der Strecke mit sich bringt, hin: „Die Züge halten jetzt vor den Übergängen nicht mehr an und passieren diese dann im Schritttempo wie früher; sie fahren mit hohen Geschwindigkeiten durch, so wie auf jeder normalen Bahnstrecke.“ Freilich sind jetzt auch die Schrankenanlagen in Betrieb, müssen aber auch entsprechend beachtet und ernst genommen werden. Und auch die Klauerei entlang der Strecke bereitet Ulrich Mölke Sorgen: „Gar nicht so sehr wegen des Materialwertes des Diebesguts, vielmehr wegen der Gefahren, die zum Beispiel durch Kurzschlüsse entstehen.“