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| 09:52 Uhr

Wirtschaft
Niesky-Insolvenz: Quantum widerspricht Darstellung

Der Lausitzer Traditionsbetrieb Waggonbau Niesky (WBN) hat Insolvenz angemeldet. Wie das Unternehmen mitteilte, wurde der Antrag bereits Ende Dezember beim Amtsgericht Dresden gestellt.
Der Lausitzer Traditionsbetrieb Waggonbau Niesky (WBN) hat Insolvenz angemeldet. Wie das Unternehmen mitteilte, wurde der Antrag bereits Ende Dezember beim Amtsgericht Dresden gestellt. FOTO: Arno Burgi / picture alliance / Arno Burgi/dp
Niesky. Der Eigentümer der insolventen Waggonbau Niesky, die Münchener Beteiligungsgesellschaft Quantum CapitalPartners GmbH, hat Berichten widersprochen, wonach sie in den vorangegangenen guten Jahren die erzielten Gewinne aus dem Unternehmen herausgezogen und keine Investitionen vorgenommen habe.

In einem Schreiben an die Lausitzer Rundschau legen die Anwälte der Quantum CapitalPartners GmbH Wert auf die Feststellung, dass entgegen einer anderslautenden Presseinformation der IG Metall Investitionen in Millionenhöhe erfolgt seien. Dies ergebe sich daraus, dass es gesellschaftsrechtlich nur zwei Möglichkeiten des Gesellschafters gebe, in ein Unternehmen zu investieren, einerseits durch Kapitalerhöhung, andererseits durch die Nichtausschüttung von Gewinnen. Letzteres sei den Quantum-Anwälten zufolge in den Jahren 2015 bis 2017 erfolgt. Der Gesellschafter habe in den vergangenen drei Jahren dadurch erhebliche Investitionen erbracht, dass insbesondere über sechs Millionen Euro Bilanzgewinn aus 2015 nicht ausgeschüttet worden seien und auch in 2016 und 2017 auf jegliche Ausschüttungen verzichtet worden sei. Lediglich die Gewinne des Bilanzjahres 2014 seien an den Gesellschafter ausgeschüttet worden.

Auch treffe es nicht zu, dass „in den vorangegangenen guten Jahren“ Gewinne aus dem Unternehmen herausgezogen worden seien. Richtig sei vielmehr, dass nur in einem der vergangenen Jahre Gewinne an den Gesellschafter ausgeschüttet wurden.

Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Ostsachsen, sieht dies anders. „Wir bleiben dabei, dass in den vergangenen Jahren außer aus dem laufenden Geschäftsbetrieb keine Investitionen in den Betrieb geflossen sind und Quantum Geld in erheblichem Umfang aus dem Unternehmen abgezogen hat. Quantum ist in unseren Augen seiner gesellschaftlichen Verantwortung hier nicht gerecht geworden“, so Otto gegenüber der RUNDSCHAU.

Der Lausitzer Traditionsbetrieb Waggonbau Niesky (WBN) hat im Januar Insolvenz angemeldet. Wie das Unternehmen mitteilte, wurde der Antrag bereits Ende Dezember beim Amtsgericht Dresden gestellt. Grund seien zu viele Aufträge mit hoher Komplexität, die „unter dem Strich defizitär abgeschlossen wurden“, erklärte Eduard Janßen, der erst im November die Geschäftsführung übernommen hatte. Damit drohe die Zahlungsunfähigkeit.

2016 hatte WBN noch einen Rekord bei den Auftragseingängen im Umfang von 137 Millionen Euro vermeldet. Der Exportanteil lag bei 70 Prozent. Abnehmer waren zu 90 Prozent europäische Länder, 10 Prozent exportiert Niesky nach Asien.

2007 hatte Waggonbau Niesky schon einmal Insolvenz angemeldet. Ein Jahr später übernahm die Deutsche Bahn AG das Unternehmen. 2014 hatte die Münchner Unternehmensholding Quantum WBN übernommen. (mit dpa)

(bob)