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Niesky
Niesky beschenkt sich selbst im Jubiläumsjahr

Eine Nummer kleiner als in Weißwasser und doch beeindruckend: Das neue Nieskyer Eisstadion.
Eine Nummer kleiner als in Weißwasser und doch beeindruckend: Das neue Nieskyer Eisstadion. FOTO: Uwe Menschner / Menschner Uwe
Niesky. Das neue Eisstadion in Niesky ist am 28. Oktober 2017 und damit noch rechtzeitig im 275. Jahr nach der Stadtgründung eingeweiht worden. Ein seit Langem gehegter Traum geht in Erfüllung. Von Uwe Menschner

„Das ist aber ein schickes Teil.“ Dem aus Weißwasser stammenden SPD-Bundestagsabgeordneten Thomas Jurk stand die Begeisterung über die blitzende und blinkende Eismaschine, die im benachbarten Niesky ihre Bahnen über das Oval zog, ins Gesicht geschrieben. Auf die Frage, ob sie besser sei als die in Weißwasser, antwortete er diplomatisch: „Zumindest ist sie neuer.“

Das ist aber auch kein Wunder. Schließlich ist alles am Nieskyer Eisstadion funkelnagelneu – am Tag der Eröffnung. „Natürlich alles eine Nummer kleiner als in Weißwasser, aber ganz piccobello“, fand der ebenfalls zu den Eröffnungsgästen zählende Waldhufener Bürgermeister Horst Brückner, der nach eigenem Bekunden zu den regelmäßigen Gästen der Lausitzer Füchse zählt.

Doch die standen an diesem Tag eben nicht im Mittelpunkt, sondern traten als Gratulanten in Erscheinung. Als Gratulanten für die Nieskyer Tornados und deren Verein, den Eislaufverein (ELV) Niesky – sportlich nicht wirklich ein ebenbürtiger Konkurrent, aber doch ein gern gesehener und fordernder Rivale in Freundschaftsspielen und – besonders im Nachwuchsbereich – ein enger Kooperationspartner.

Für die Tornados und für alle eissportbegeisterten Nieskyer hat sich mit dem Neubau des nunmehr überdachten Eisstadions ein seit sehr langer Zeit gehegter Wunsch erfüllt, wovon auch Landrat Bernd Lange (CDU) ein Lied zu singen weiß: „Jedes Jahr bei der Sportgala des Landkreises konnte ich sicher sein, auf die Thematik angesprochen zu werden.“ Hatten sich doch die Bedingungen in der damals noch offenen Eissportanlage in einem Maße verschlechtert, welches den Fortbestand des Eissports in der früheren Kreisstadt ernsthaft infrage stellte. Damit wäre eine Tradition weggebrochen, die sich seit dem Jahre 1810 entwickelt hatte, als sich erstmals die Primaner des Nieskyer Gymnasiums auf Schlittschuhen über das Eis des (damals regelmäßig zufrierenden) Moryteichs bewegten. Die Tornados hätten ihre Grundlage verloren, und vor allem hätte die sinnvolle Freizeitbeschäftigung vieler Nieskyer Jungen und Mädchen vor dem Aus gestanden.

Dass es nicht dazu kam, ist vor allem der Hartnäckigkeit zu verdanken, mit der Stadt und Verein an einem Strang zogen, um den Bau des neuen, überdachten Eisstadions gegen alle Widerstände und über alle Hürden hinweg zu realisieren. Und derer gab es viele: Im Rahmen der Planung zählten dazu insbesondere die Lage in einem Wasserschutzgebiet und der Lärmschutz. Nach Baubeginn gesellten sich weitere schwerwiegende Herausforderungen hinzu, welche umfangreiche Änderungen an der Planung erforderlich machten. „Dazu gehörten der inhomogene Baugrund, die Änderung der Holz- in eine Stahlkonstruktion, der Austausch des Planungsunternehmens für die Kältetechnik und der Kostenanstieg“, zählt Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann (CDU) auf. 6,8 Millionen Euro betragen nach dem derzeitigen Stand der Berechnungen die Gesamtkosten für das Bauvorhaben, wovon die Stadt Niesky aus dem eigenen Haushalt 1,9 Millionen Euro beisteuert. „Es ist das mit Abstand anspruchsvollste Projekt der Stadt Niesky“, betont die Oberbürgermeisterin, die die Planungsphase noch als Kämmerin erlebt hatte.

Doch der Nutzen rechtfertigt dies nach ihrer Auffassung allemal, zumal viele von der Witterungsunabhängigkeit des neuen Stadions profitieren: „Schulen und Kindertagesstätten können, ohne Rücksicht auf das Wetter nehmen zu müssen, das Schlittschuhlaufen in ihr Winterprogramm aufnehmen. Kein Training des ELV sowie der zahlreichen Hobbymannschaften muss mehr ausfallen. Nicht zu vergessen die Eisstockschützen als Alternative für diejenigen, die sich auf Kufen nicht so sicher fühlen.“ Und auch Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) stimmt in den Freudenchor ein: „Investitionen wie das Nieskyer Eisstadion tragen dazu bei, dass der ländliche Raum den in ihm lebenden Menschen zur Heimat wird.“