ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:50 Uhr

Nicht jeder darf auf Wolfsjagd gehen

Der Wolf gehört seit mehreren Jahren wieder zu den heimischen Wildtieren in der Lausitz.
Der Wolf gehört seit mehreren Jahren wieder zu den heimischen Wildtieren in der Lausitz. FOTO: dpa
Rietschen. Laut Kontaktbüro Wölfe in Sachsen ist "Pumpak" zuletzt Mitte Januar in Quolsdorf gesehen worden. Unterdessen mehrt sich der Protest gegen den Wolfs-Abschuss. Die Hälfte der Zeit für die Ausnahmegenehmigung ist bereits abgelaufen. Christian Köhler

Die Suche nach dem Wolf "Pumpak" in Nähe der Gemeinde Rietschen gestaltet sich offenbar schwieriger als zunächst angenommen. Bislang, so bestätigt Frank Meyer vom Sächsischen Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL), "ist er noch nicht getötet worden."

Pumpak, der in den zurückliegenden Wochen in bewohnten Gegenden vermehrt gesehen worden war, "war zuletzt am 19. Januar in Quolsdorf beobachtet worden", erklärt Helene Möslinger vom Kontaktbüro Wölfe in Sachsen auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Auf der Internetplattform Youtube gibt es davon ein Video des Naturschutzbundes (Nabu). Bei einer weiteren Wolfssichtung an den Heidehäusern bei Rietschen vorige Woche sei das Tier nicht eindeutig als Pumpak zu identifizieren gewesen, hieß weiter.

Genau darüber hat sich eine lebhafte Diskussion in der Öffentlichkeit und in Internetforen entsponnen, wie Pumpak von anderen Wölfen zu unterscheiden sei. Schließlich könnte ja auch der "falsche" von einer Kugel getroffen werden. "Pumpak hat zwar einen unrunden Gang, weil er einst eine Verletzung an einer Pfote erlitt, aber ganz so einfach ist er nicht von seinen Artgenossen zu unterscheiden", sagt auch Helene Möslinger. Das Staatsministerium teilt dabei auf Nachfrage mit, dass die Fachleute instruiert seien.

Frank Meyer stellt in diesem Zusammenhang aber auch klar, dass nicht alle Jäger auf Wolfsjagd gehen dürfen. "Es ist nur beauftragten Personen gestattet, den Wolf zu jagen", erläutert Meyer. Das lege der Wolfsmanagementplan des Freistaates fest. Die berechtigten Jäger habe das Görlitzer Landratsamt ausgewählt, hieß es. "Alle anderen Jäger, aber auch Bürger, machen sich strafbar, wenn sie auf Wolfsjagd gehen."

Dass die Bevölkerung den Wolfsabschuss als falsch einschätzt, zeige sich, so Naturschützer, in verschiedenen Online-Petitionen. Die bekannteste - "Pumpak soll weiterleben" - hat am Mittwoch knapp 30 000 Unterzeichner. "Das nehmen wir zur Kenntnis", sagt SMUL-Sprecher Meyer. Auch die etwa 100 E-Mails, die im Ministerium in Sachen Wolfsabschuss eingegangen sind, richten sich laut Meyer mehrheitlich gegen die Entscheidung, Pumpak zu töten. Die Tierschutzpartei habe eine Erklärung veröffentlicht, die mehrere E-Mail-Schreiber als Vorlage nutzten, hieß es. Das zeige, dass sich "viele nicht intensiv mit dem Thema beschäftigt haben", sagt Frank Meyer. Der Widerstand gegen die Wölfstötung halte das Ministerium im Verhältnis zur Einwohnerzahl für gering.

Das Ministerium habe im Vorfeld genau abgewogen: "Bei einer Vergrämung hätte man ihn betäuben müssen. Dazu hätte man sehr nahe an ihn heran gemusst." Später hätte er beispielsweise von Gummi-Geschossen getroffen werden müssen, um ihn eine schlechte Erfahrung mit Menschen "einzubläuen". Ob allerdings dieses Erlebnis den Wolf davon abgehalten hätte, erneut beim Menschen nach Futter zu suchen, bezweifeln Fachleute. Schließlich hatte Pumpak durchaus positive Erfahrungen mit Menschen gehabt - als er in Polen angefüttert wurde.

Derweil drängt aber die Zeit: Denn von der vierwöchigen Ausnahmegenehmigung, die das Ministerium dem Görlitzer Landkreis für die Wolfsentnahme einräumte, ist schon die Hälfte verstrichen. Übrigens: Sollte Pumpak getötet werden, wird er der Naturschutzbehörde für wissenschaftliche Zwecke überlassen, hieß es.