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| 03:10 Uhr

Neufert-Gebäude an vier Standorten in Weißwasser

Das Neufert-Wohnhaus in der Hegelpromenade war vorübergehend ein Kindergarten und wird heute privat genutzt. Foto: Preikschat
Das Neufert-Wohnhaus in der Hegelpromenade war vorübergehend ein Kindergarten und wird heute privat genutzt. Foto: Preikschat FOTO: Preikschat
Weißwasser. Wie viele Gebäude gibt es in Weißwasser, die Ernst Neufert entworfen hat? Nur wenige der mehr als 30 RUNDSCHAU-Sommertour-Gäste lagen mit ihrer Antwort auf die Frage Anne Petricks richtig. Es sind vier. Daniel Preikschat

Wobei diese Antwort streng genommen auch nicht ganz richtig ist, wie die Bauingenieurin, zugleich Mitglied in der Denkmal-Kommission der Stadt Weißwasser, selbst einschränkte.

Neben dem auffallenden Sechsgeschosser in der Schmiedestraße hat Neufert auch ein Wohnhaus Ecke Hegelpromenade/Rosa Luxemburg-Straße konzipiert, außerdem ein Wannen-Gebäude, das heute auf dem Stölzle-Gelände in der Berliner Straße steht, sowie mehrere Holzhäuser.

Längst verschwunden sind lediglich die Holzhäuser, so Anne Petrick weiter. Wie viele es genau waren, habe die Denkmal-Kommission noch nicht herausgefunden. Fest stehe jedoch, dass sie in den Vierziger Jahren in der Heinrich-Heine-Straße in Fertigbau-Weise errichtet worden sind. Ausgebombte Berliner fanden dort vorübergehend eine Bleibe.

Das Wannengebäude, das Neufert für seinen damaligen Arbeitgeber, die Vereinigten Lausitzer Glaswerke (VLG), geplant hat, trage deutlich seine Handschrift: durchgehende Lichtbänder, Glasbaustein-Segmente, insgesamt eine klare Linie.

Ausgestattet mit einigen Raffinessen indes war das Wohnhaus, das eigens für den damaligen Glaswerke-Produktionsleiter Bruno Kindt in den Dreißiger Jahren erdacht und erbaut wurde, so Anne Petrick. So ließ sich das vier Meter breite Wohnzimmer-Fenster im Boden versenken. Vom Obergeschoss führte ein Wäsche-Schacht in den Keller. Die waagrecht verlaufenden Gartenzaun-Bretter ließ Ernst Neufert schräg setzen, damit sie neben einer Sicht- auch eine Lärmschutz-Funktion erfüllten, erklärt die Architektin. VLG-Produktionsleiter Bruno Kindt erfreute sich allerdings nicht allzu lange seines Heims. Nach Recherchen der Denkmal-Kommission Weißwasser starb der Kapitän-Leutnant bereits im Oktober 1939 in einem deutschen U-Boot. Nach dem Zweiten Weltkrieg bewohnten Wehrkreis-Kommandant Harry Luck und ein Krankenhaus-Arzt die beiden Etagen. In den Sechziger Jahren zog dann ein Kindergarten in das Neufert-Haus ein. Damals soll das Gebäude auch einen Anbau bekommen haben. Vor allem während dieser Zeit nahmen die Weißwasseraner das Haus wahr. Heute, so Anne Petrick, werde es privat genutzt.