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| 14:00 Uhr

Wirtschaftsförderung
Für alte Industrieorte wird neues Leben gesucht

Im Mai 2009 fielen die ersten beiden Schornsteine am Altkraftwerk Boxberg. Der dritte und letzte „Riese" wurde im Oktober 2012 gesprengt. Die Frage ist derzeit, wie wird dieser Standort des Altkraftwerks künftig genutzt.
Im Mai 2009 fielen die ersten beiden Schornsteine am Altkraftwerk Boxberg. Der dritte und letzte „Riese" wurde im Oktober 2012 gesprengt. Die Frage ist derzeit, wie wird dieser Standort des Altkraftwerks künftig genutzt. FOTO: Peter Weiß
Boxberg. Die Wirtschaftsregion Lausitz gastiert beim Boxberger Wirtschaftsstammtisch. Von Torsten Richter-Zippack

Am 3. Oktober hat sich die Grundsteinlegung des Kraftwerkes Boxberg zum 50. Mal gejährt. In den 1990er-Jahren sind die zu DDR-Zeiten errichteten Werke I und II außer Betrieb gegangen. Die künftige Nutzung dieses alten Industriestandortes direkt neben den neuen Kraftwerksteilen ist derzeit noch ungewiss. Um diesen Prozess zu beschleunigen, stellt die Zukunftswerkstatt Lausitz, die zur Wirtschaftsregion Lausitz gehört, aktuell die alten Industriestandorte der Region, die größer als 20 Hektar sind, zusammen. Dazu gehören laut Projektleiter Christoph Biele auch die Boxberger Altkraftwerke. Die entsprechenden Ergebnisse sollen Anfang 2019 präsentiert werden.

„Wir wollen herausfinden, warum verschiedene traditionelle Industriegebiete bislang keinen neuen Investor gefunden haben“, erklärt Biele während des jüngsten Wirtschaftsstammtisches der Gemeinde Boxberg im örtlichen Leag-Kraftwerk. Tatsächlich gebe es für die betreffenden Areale ganz individuelle Restriktionen, beispielsweise Nachteile vonseiten der Infrastruktur, diverse Altlasten oder Naturschutzaspekte.

„Jedenfalls existieren Probleme, diese Flächen dem Markt wieder verfügbar zu machen“, erklärt Christoph Biele. Was speziell den Standort Boxberg betrifft, will sich der Projektleiter der Zukunftswerkstatt Lausitz erst nach dem Vorliegen der Ergebnisse äußern. Indes soll der Lausitzer Strukturwandel schnellstmöglich auch Thema bei der Europäischen Union (EU) in Brüssel werden, kündigt der Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Lausitz (WRL), Torsten R. Bork, an. „Wir werden eine eigene Repräsentanz in Brüssel aufbauen“, sagt Bork in Boxberg. Bislang sei sein Gremium, dessen Gesellschafter vier Landkreise und die Stadt Cottbus in Brandenburg sowie der Landkreis Görlitz in Sachsen und demnächst auch der Landkreis Bautzen sind, mit Büros in Potsdam, Dresden und Cottbus vertreten. „Das Problem ist doch, dass hier kaum jemand diejenigen Europa-Protagonisten kennt, die an den Fördertöpfen ganz nah dran sind. Genau da müssen wir hin“, gibt Torsten R. Bork die Marschrichtung vor.

In der EU gebe es derzeit 41 Bergbaureviere, davon vier in Deutschland. „Das Rheinische, das Mitteldeutsche und das Helmstedter Revier haben bessere Voraussetzungen als unsere Lausitz“, weiß Bork. Bei den drei erstgenannten Revieren reiche es, einfach Geld hineinzuschütten, dann laufe der Strukturwandel fast von allein. „Doch für die Lausitz reicht das eben nicht“, sagt der WRL-Geschäftsführer.

Sein Gremium verstehe sich als das „von allen gewünschtes Instrument“ zur Bewältigung und Begleitung des Strukturwandels, der mindestens seit dem Jahr 1990 anhalte und durch den demokratisch beschlossenen Ausstieg Deutschlands aus der Braunkohleverstromung einen neuen Schub erhalten habe.

Wichtig sei es, die Lausitz trotz aller Unterschiede und Befindlichkeiten nach außen als eine Einheit zu präsentieren. Dass dies alles andere als einfach sei, habe Bork bereits selbst zu spüren bekommen: „Manchmal fühle ich mich, als ob ich begonnen habe, einen Marathon zu laufen, und bereits nach 100 Metern sagt mir jemand, ich hätte eine ganz miese Zeit gelaufen.“ Daher gelte es, trotz aller Herausforderungen einen kühlen Kopf zu bewahren.

Allerdings stünden auch Freistaat und Bund in der Pflicht. „Bislang bekommt gerade die Oberlausitz nicht die notwendige Aufmerksamkeit. Das liegt auch daran, weil es in Westsachsen noch das Mitteldeutsche Braunkohlenrevier gibt“, erklärt Torsten R. Bork. Daher sei es gar nicht so schlecht, mittels lauten Jammerns den nötigen politischen Druck zu erzeugen.

Inders wünscht sich die Gemeinde Boxberg von Dresden und Berlin weniger Bürokratie. „Viele Firmen würden gern mehr machen, werden aber durch diverse Vorschriften gebremst. Das behindert massiv und bringt uns auf die Palme“, berichtet Wirtschaftsförderer Roman Krautz aus dem Alltagsgeschäft.

Paradebeispiel sei das künftige Fahrgastschiff auf dem Bärwalder See. „Wir unterstützen den Betreiber mit allen Kräften. Aber manche Behörden, insbesondere auf Landesebene, verhalten sich sehr restriktiv.“

Konkret nennt Krautz die Naturschützer. Dennoch sei er zuversichtlich, dass zum Saisonstart 2019 das Fahrgastschiff endlich über den Bärwalder See, den nunmehr touristisch genutzten Alttagebau Bärwalde, fahren kann.

Der Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Lausitz, Torsten R. Bork, stellte während des Boxberger Wirtschaftsstammtisches im Kraftwerk sein Gremium vor.
Der Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Lausitz, Torsten R. Bork, stellte während des Boxberger Wirtschaftsstammtisches im Kraftwerk sein Gremium vor. FOTO: Torsten Richter-Zippack