| 02:42 Uhr

Neues Gremium für Sorben und Wenden

Schleife. Im Sorbischen Kulturzentrum Schleife ist zum ersten Mal der sorbische/wendische Ältestenrat (Rada Starostow) zusammengetreten. Bei der Eröffnung sagte Edith Penk aus Schleife, dass sie sich über den Tagungsort freue, da in der Schleifer Region die von der Braunkohle am meisten bedrohten sorbischen Dörfer liegen. red/gro

Das neu gebildete Gremium des Rada Starostow versteht sich nach eigenen Angaben als Bürgerforum zur Begleitung des Prozesses zum Serbski Sejm als dem demokratisch zu wählenden Parlament der Wenden/Sorben. Auf dem ersten Treffen legten die Ältesten laut einer Pressemitteilung des Rada Starostow fest, dass die Koordination und die Sprecherfunktion jeweils ein Mitglied des Rates aus der Oberlausitz und ein Mitglied aus der Niederlausitz paritätisch wahrnehmen. In Schleife wurde einstimmig der Physiker Dr. Hartmut Leipner aus Cottbus als Sprecher aus der Niederlausitz gewählt. Der Platz eines Sprechers aus der Oberlausitz ist noch vakant. Er wird im Mai auf dem zweiten Treffen des Rada Starostow in Nebelschütz gewählt.

Der Rada Starostow definiert sich als unabhängiges Gremium und offen für alle Sorben und Wenden, denen die Zukunft ihres Volkes am Herzen liegt. Der Rat sieht sich selbst als Aufsichts- oder Kontrollorgan: Er möchte die politischen Aktivitäten zur Bildung des Serbski Sejm kritisch begleiten. Die Ältesten beanspruchen keinerlei Rechte, etwas zu entscheiden, aber das Recht, Fragen zu stellen und Vorschläge zu unterbreiten.

Mit der Initiative "Für eine sorbische/wendische Volksvertretung - Serbski Sejm" sind sich die Ältesten laut Rada Starostow einig, dass die Entwicklung zur Herausbildung einer demokratisch gewählten Volksvertretung sich nicht aufhalten lässt. Dazu ist es jedoch notwendig, dass die Initiative ihre Pläne konkretisiert. Der Rada Starostow unterstützt die Bildung eines neuen Gremiums, das eine notwendige demokratische Legitimation hat, damit die Sorben/Wenden grundlegende politische Positionen artikulieren und selbstverantwortlich handeln können.

Der neu gewählte Sprecher des Rada Starostow Hartmut Leipner sagte: "Die Wende in Ostdeutschland hat grundlegende Probleme der Wenden/Sorben nicht gelöst. Im Mittelpunkt steht noch heute, dass wir als Sorben oder Wenden unsere Angelegenheiten nicht selbst regeln können. Fremde Konzerne beuten die Bodenschätze aus und vernichten unsere dörflichen Strukturen und unsere jahrhundertealte Kultur. Auf der anderen Seite können wir Anträge für Finanzmittel stellen, die uns eigentlich zustehen, und wir sind zufrieden für Brosamen und Arbeitsplätze. Strukturelle Mängel in der politischen Vertretung der Wenden/Sorben haben dazu geführt, dass sich auch interne Konflikte ausbreiteten. Die Wenden der Niederlausitz fühlten sich oft von ,den Bautzenern‘ reglementiert, und das ist in gewisser Weise noch heute so. Die Gründung des Serbski Sejm wird ein Akt der Selbstbestimmung des sorbischen und wendischen Volkes sein. Die existierenden Strukturen sind nicht fit genug für aktuelle Herausforderungen", so Hartmut Leipner.

Das Mitglied des Rates Martin Zerna aus Groß Gaglow ist ganz euphorisch: "Ich kam nach Schleife und wollte eigentlich lediglich ,schnuppern‘. Jetzt habe ich aber ein enorm gewachsenes Vertrauen, um zu realistischen Zielen zu gelangen. Der Ansatz dazu war wirklich ermutigend!"