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| 03:02 Uhr

Neuer Eigentümer soll über Nochten II entscheiden

Kommt Nochten II? Die Ungewissheit in Trebendorf und Schleife ist groß.
Kommt Nochten II? Die Ungewissheit in Trebendorf und Schleife ist groß. FOTO: Gabi Nitsche
Trebendorf/Schleife. Zum 1. Juli legt Vattenfall seine Umsiedlungs-Aktivitäten für den Tagebau Nochten II auf Eis. Das teilte das Unternehmen mit und löste großes Entsetzen in der Region aus. 1700 betroffene Menschen in Trebendorf und Schleife fordern seit Monaten ein klares Wort zu Nochten II. "Jetzt ist die Ungewissheit noch größer", so Bürgermeister Reinhard Bork. Gabi Nitsche

Für Gemeinderat Jörg Funda sei es stillos, wenn die direkt Betroffenen, mit denen Vattenfall sieben Jahre ständig zu tun hatte, aus der Zeitung erfahren, dass das Unternehmen alle Aktivitäten zum Tagebau Nochten II zum 1. Juli stoppt. "Das ist nicht in Ordnung. Denn es greift tief ins Leben der Menschen ein, in das der Umsiedler. Ob man nun für oder gegen den Bergbau ist." Viele unter den Umsiedlern arbeiten im Tagebau. Deshalb sei das Verhalten auch den eigenen Mitarbeitern gegenüber nicht okay. "So geht man mit Menschen nicht um", betont Funda. Der fordert "ein klares Wort, statt weiter diese Herumeierei". Der Gemeinderat sei früher Teil des Prozesses gewesen. "Jetzt haben sie uns einfach abgehängt."

Trebendorfs Bürgermeisterin Kerstin Antonius (Wählervereinigung) sagt: "Das ist eine ganz, ganz schlechte Nachricht." Sie sei Dienstag aus Cottbus per Anruf vorinformiert worden und war entsetzt. "Sie haben keine finanziellen Mittel mehr, um die Umsiedlungsvorbereitungen fortzusetzen. Das hat man mir deutlich gesagt", berichtet die Trebendorferin. Für die Umsiedler, vor allem für die älteren Semester, sei das grausam. Sie selbst wolle die Hoffnung nicht aufgeben.

Dienstleistungen gekündigt

Vattenfall begründet den Schritt mit Blick auf die unsicheren energiepolitischen Rahmenbedingungen für den Braunkohlenbergbau und die Stromerzeugung aus Braunkohle in Deutschland. Deshalb würden bis auf Weiteres alle Aktivitäten gestoppt, die mit der unmittelbaren Vorbereitung von Umsiedlungen im Zusammenhang mit der Fortführung des Tagebaus Nochten in das Abbaugebiet II stehen. "Entsprechende Verträge mit regionalen Dienstleistern sind gekündigt worden. Davon betroffen sind unter anderem Planungsleistungen sowie die Erstellung von Gutachten und Bestandsaufnahmen", heißt es seitens Vattenfall. Planer Ansgar Kaup darf lediglich die Bebauungspläne für die Umsiedlungsstandorte Strugaaue, Gärtnerei, Großteich und Wasserwerk beenden, die bereits zu 90 Prozent bearbeitet seien, sagt er. Wenn Nochten II nicht mehr komme, müsse für Trebendorf unbedingt die Frage geklärt werden, wie es ohne Umsiedlung weitergeht. "Junge Leute wollen auch dann bleiben und bauen."

Neuer Eigentümer entscheidet

Aber ob Nochten II noch komme, entscheide der neue Eigentümer der Braunkohlensparte, so Vattenfall. Ähnlich wie seine Trebendorfer Kollegin sei auch Reinhard Bork telefonisch kurz in Kenntnis gesetzt worden. "Was wird nun mit den Umsiedlern? Null Aussage dazu, kein Wort des Bedauerns. Jetzt ist die Ungewissheit noch größer."

Den Stopp bedauere auch Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig. Denn durch diese Entscheidung würden die Einwohner in Schleife und Trebendorf in ihren Erwartungen, die durch jahrelange Verhandlungen zu den geplanten Umsiedlungen und der vorgesehenen Erschließung von Nochten II bei ihnen geweckt wurden, maßlos enttäuscht. Diese Enttäuschung werde umso größer sein, da sich die "unsicheren energiepolitischen Rahmenbedingungen" - womit Vattenfall den derzeitigen Ausstieg aus Nochten II begründet - gerade durch harte Verhandlungen zwischen dem Bund und den Braunkohleförderländern vor einer endgültigen Klärung befinden, so Dulig am Freitag. Es gebe gute Aussichten, dass es kommende Woche im Bundeskabinett eine Lösung zur geplanten Kohle-Abgabe gebe, welche Vattenfall die geforderte Sicherheit biete.

Auch im Landkreis Görlitz nehme man die Ankündigung Vattenfalls, besagte Aktivitäten zu stoppen, mit großer Sorge zur Kenntnis. Im Beirat Schleife werde die gegebene Situation Dienstag analysiert, informiert der Regionale Planungsverband. Schleifes Gemeinderat will sich in einer nichtöffentlichen Sondersitzung damit auseinandersetzen. Indes fordert der Umweltverband Grüne Liga, das Projekt Nochten II endgültig abzusagen.

Laut Vattenfall wurden Kommunalberatung, Seelsorge, Soziales Netzwerk und der Ausgleich für bergbaubedingten Mehraufwand in der Gemeindeverwaltung nicht aufgekündigt. Auch die mit dem Abbaugebiet 1 im Zusammenhang stehenden Umsiedlungsaktivitäten seien nicht gestoppt worden.