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| 02:51 Uhr

Neue Wolfsrudel reißen die meisten Schafe

Mittlerweile zwölf Wolfsrudel gibt es in der Oberlausitz. Schafe reißen die Tiere meist nur dann, wenn sie ungeschützt sind.
Mittlerweile zwölf Wolfsrudel gibt es in der Oberlausitz. Schafe reißen die Tiere meist nur dann, wenn sie ungeschützt sind. FOTO: dpa
Rietschen. Ein Großteil der Wolfsangriffe auf Schafe 2014 in Sachsen geht auf das Konto der beiden neuen Rudel in der Laußnitzer Heide und nahe Ralbitz-Rosenthal. Laut dem Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz im Rietschener Erlichthof sei vergangenes Jahr aber auch dem Wolf mitunter übel mitgespielt worden. Daniel Preikschat

Vanessa Ludwig vom Rietschener Kontaktbüro erinnert sich noch gut: Vor einem Jahr starb in einer Tierpension in Hoyerswerda ein Hund an Bissverletzungen. Aus Sicht eines Tierarztes war der Fall klar: Das war ein Wolf. Die Untersuchung des Kadavers ergab jedoch: Ein anderer Hund hatte seinen Artgenossen getötet.

Im November 2014 geriet der Wolf erneut unter falschen Verdacht. Über drei Wochen streunte ein vermeintlicher Isegrim zwischen Halbendorf, Löbau, Großenhain und Kamenz herum, riss dabei wohl auch die eine oder andere Gans. Doch als das Tier bei Radeburg eingefangen wurde, zeigte sich: Es handelt sich um einen geschippten tschechischen Wolfshund, der seinem Besitzer in Polen entlaufen war.

Zwei Beispiele, die aus Sicht der Fachfrau den ständigen Aufklärungsbedarf in Sachen Wolf belegen. Als drittes Beispiel ließe sich die gegenüber dem Vorjahr wieder angestiegene Zahl der Wolfsrisse in den Territorien der nunmehr zwölf Rudel in Sachsen anführen. 92 Nutztiere, meist Schafe, wurden 2014 bei Attacken in Sachsen getötet oder verletzt, 36 mehr als 2013.

Dabei ereigneten sich aber mindestens zwei Drittel der Vorfälle in Rosenthal und in der Laußnitzer Heide. Dort also, wo sich neue Rudel gebildet haben, ohne jedoch, dass sich Nutztierhalter darauf schon eingestellt hätten.

Vanessa Ludwig: "Viele der Tiere waren unzureichend geschützt, zum Teil waren Schafe nur angepflockt." Mit Sicherheit werde dort die Zahl der Wolfs-Übergriffe 2015 sinken, wenn mehr Schutzzäune aufgestellt wurden. Über einen längeren Zeitrum betrachtet, sei die Zahl der von Wölfen gerissenen Nutztiere etwa konstant.

Kaum zu schützen sind umgekehrt die Wölfe vor Autoverkehr und illegalen Abschüssen. Eins der geschützten Tiere wurde im März bei Weißkeißel erschossen, ein weiteres im Juli nahe Lömischau.

Dass in einem Jahr in Sachsen gleich zwei Wölfe erschossen wurden, sei besorgniserregend. In den zehn Jahren, die es die Kontaktstelle gibt, sei das noch nicht vorgekommen, so die Biologin. Weitere vier Wölfe wurden 2014 überfahren, so viele wie 2013, wobei damals ein Tier von einer Bahn erfasst wurde.

Erfreulicher für Vanessa Ludwig ist das ungebrochene Interesse an den Wölfen. 140 Vorträge haben die drei Mitarbeiterinnen der Rietschener Kontaktstelle gehalten. Vanessa Ludwig, Helene Möslinger und Felicitas Rechtenwald sprachen dabei meist vor Schulklassen, Seniorengruppen oder Jagdgenossenschaften. Noch einmal 100 Vorträge hielt Honorar-Referent Stephan Kaasche. Bestätigung für die Qualität der Aufklärungsarbeit sei aber auch der zweite Platz beim Natura 2000 Award, den die Europäische Kommission vergeben hat. Daneben wurden unzählige Telefonate geführt und neugierige Besucher bedient. Unter anderem zu Gast im Erlichthof waren ein BBC-Reporter, ein Filmteam aus den Niederlanden und eine Delegation aus Nepal.